weather-image
„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“

„Traditionsbäckerei“ in Thal schließt zum Jahresende

BAD PYRMONT-THAL. Eckhard Schulz, der seit seiner Jugend seine meisten Lebensjahre in der Bäckerei an der Hauptstraße in Thal verbrachte, ist sich sicher: „Ich habe schon öfter aufhören wollen und es stets hinausgezögert. Doch jetzt ist genug. Es reicht für mein Alter.“ Mit seinen 66 Jahren ist er sich sicher: Es gibt auch ein Leben nach der Arbeitswelt.

veröffentlicht am 04.12.2018 um 14:57 Uhr
aktualisiert am 04.12.2018 um 18:00 Uhr

Leckereien wird es in der Bäckerei in Thal wohl nur noch zur Adventszeit geben. Zum Jahreswechsel schließt Eckhard Schulz den Betrieb endgültig. foto: ti
Avatar2

Autor

Klaus Titze Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Früher, so erzählt der Bäckermeister, sei die Bäckerei noch unter dem Namen Ritterbusch von seinem Großvater betrieben worden. Der habe mit ihr 1914 in Thal begonnen. Eckhard Schulz’ Vater, ein Hemeringer, habe dann die Tochter von Heinrich Ritterbusch geheiratet und dann die Bäckerei weitergeführt, dann allerdings unter seinem Namen. Die Bäckerei sei nun also seit 104 Jahren in Thal ansässig, und er selbst habe 1968 unter seinem Vater angefangen den Beruf zu lernen.

Doch das Schicksal, das so viele Familienunternehmen treffe, mache eben auch nicht vor der Bäckerei in Thal halt. „Ich habe bis Mitte der 90er Jahre auch ausgebildet und bis 2015 hat mit mir auch ein Bäckergeselle in der Backstube gearbeitet. Doch Nachwuchs, geschweige denn jemanden zu finden, der eine Bäckerei übernimmt und weiterführt, ist nahezu ein Sechser im Lotto“, sagt Schulz.

Seit 2015 seien vor allem die Belieferungen verschiedener Häuser in Bad Pyrmont weggefallen, ein wesentliches Standbein für den Erhalt der Bäckerei. Und allein von der durchfahrenden Kundschaft, die sich mit einem kurzen Stopp mit eben nicht industrieller Backware versorgen wollte, und den Thaler Einwohnern könne man eben nicht einen solchen Betrieb am Leben halten.

Er habe treue Unterstützung durch mehrere Frauen erfahren, die stundenweise hinter dem Tresen den Verkauf abgewickelt hätten. Um sie täte es ihm sehr leid, denn denen habe es auch viel Freude bereitet, zumal immer auch ein Plausch im Laden möglich gewesen sei. Was die Leute wohl aus der Bäckerei vermissen werden? „Es gab da auch so Spezialitäten wie Bärentatzen oder Nussecken, auf die es so manches Leckermaul abgesehen hatte“, schmunzelt der Meister.

Und dann wird er doch etwas melancholisch, denn die Arbeit, auch wenn in diesem Beruf die Nacht zum Tag werde, habe ihm immer viel Freude bereitet. „Es war einfach schön, so in der Bäckerei mal etwas Neues auszuprobieren. Und den Duft frischer Backwaren genieße ich noch heute.“ Allerdings hätten ihn eben auch diese im Vergleich zu anderen Dorfbewohnern außergewöhnlichen Arbeitszeiten vom eigentlichen Dorfleben isoliert.

„Wenn sich Andere nach ihrem Feierabend trafen, dann legte ich mich schlafen, weil ich wieder kurz nach Mitternacht raus musste“, schildert er sein Problem, an der Dorfgemeinschaft teilhaben zu können. Doch das ließe sich ja in naher Zukunft ändern, wenn er nun mehr Freizeit habe, so klingt sein optimistischer Schluss. Die Rückmeldungen aus dem Dorf hätten ihm zumindest zu verstehen gegeben, dass man den Verlust seiner Arbeit sicher bedauern werde und an seiner Entscheidung Anteil nehme.

Und was sagt der Ortsvorsteher Werner Ritterbusch dazu? „Aus meiner Sicht ist das eine weitere Verschlechterung für das Dorf.“ Alle, mit denen er gesprochen habe, bedauern die Schließung. Dabei ginge es ihnen nicht nur um das „eben mal schnell etwas holen“, es fehle eben auch das gute Gersterbrot und der leckere Kuchen. Auch habe er sich als Ortsvorsteher mit Mitarbeitern einer Bäckereikette über eine Nachfolge unterhalten, doch sei er nicht auf großes Interesse gestoßen. Der Standort erschien wohl nicht reizvoll genug zu sein.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt