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Pyrmonter erinnern an der Bombergallee an die schrecklichen Ereignisse vom 9. auf den 10. November 1938

Totengebet auf dem jüdischen Friedhof

Bad Pyrmont. Annähernd 60 Personen, darunter auch einige Ratsmitglieder, versammelten sich am Sonntag auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof an der Bombergallee, um gemeinsam an die schrecklichen Ereignisse des Pogroms vom 9. auf den 10. November 1938 zu erinnern. Bürgermeister Klaus Blome und Irina Sheinberg vom Vorstand der Liberalen Jüdischen Gemeinde riefen dabei gleich zu Beginn in Erinnerung, dass dieser Herbsttag vor 76 Jahren nicht den Anfang des gegen die Juden in Deutschland gerichteten Drangsals darstellte. Bereits kurz nach der Machtübernahme durch die Nazis waren die Boykotte und Übergriffe insbesondere gegen den jüdischen Teil der Bevölkerung losgebrochen. Es folgten kontinuierliche Beschränkungen und Eingriffe bis hin zu Verhaftungen, Wegsperren in Konzentrationslagern und schließlich die Vernichtung durch Tötung.

veröffentlicht am 11.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 20:21 Uhr

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Nach den kriegerischen Besetzungen traf es auch die Juden in den von der Wehrmacht eroberten Gebieten. So berichtete Sheinberg, dass ihre gesamte Familie einschließlich ihres sechs Monate alten Bruders Vladimir 1941 ermordet worden sei. Ihre Schilderung unterstrich dabei eindrucksvoll Blomes Hinweis, dass das Geschehen um den Novemberpogrom Anlass für empathische Trauer, des Nachdenkens, aber auch des Diskutierens gerade mit jungen Menschen sein müsse. Gemeinsam vernahmen die Versammelten das traditionelle Totengebet, das von Frau Ossika von der jüdischen Gemeinde vorgetragene Kaddisch.

Die Geschichte des ehemaligen Friedhofes an der Bombergallee schilderte Klaus Titze als Sprecher des Arbeitskreises 27. Januar und ließ dabei die Mitwirkung städtischer Bediensteter an dem Abräumen des von der SA zerstörten Friedhofes nicht unerwähnt, wie auch die unsägliche Rolle des damaligen, von der NSDAP eingesetzten Bürgermeisters Zuchold. Versöhnlich und zuversichtlich klang seine Schilderung der gegenwärtigen Entwicklung. Am Beispiel der sich verändernden Bestattungs- und Trauerkultur wies er auf die Entscheidungen der Stadtverwaltung hin, die neben vielfältigen Bestattungsmöglichkeiten, wie ein Grabfeld für Sternenkinder oder Verstorbene muslimischen Glaubens, nun auch auf dem Holzhäuser Friedhof ein Gräberfeld für Angehörige der jüdischen Gemeinde eingerichtet hat. Wenn die Menschen in der Pyrmonter Gesellschaft gemeinsam gelebt hätten, warum sollten sie dann im Tode ausgegrenzt sein, so Titze.ti

Bürgermeister Klaus Blome bei seiner Ansprache auf der ehemaligen jüdischen Begräbnisstätte.ti

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