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72 Jahre nach der Pogromnacht erklingt das Totengebet Kaddish auf dem jüdischen Friedhof

Toleranz stärken – nicht nur am Gedenktag

Bad Pyrmont (Hei). Nicht als Anklage, sondern als Mahnung verstanden die Teilnehmer eines Gedenkens an die Pogromnacht 1938 ihr Treffen gestern Nachmittag auf dem Jüdischen Friedhof an der Bombergallee. Dazu eingeladen hatten der „Arbeitskreis 27. Januar“ und Bad Pyrmonts Liberale Jüdische Gemeinde, die auch einen Kranz am Mahnmal niederlegte.

veröffentlicht am 09.11.2010 um 18:56 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 00:21 Uhr

Elke Christina Roeder betont: „Das Gedenken an die Verfolg
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Bürgermeisterin Elke Christina Roeder betonte, das Datum 9. November sei von zwei Erinnerungen geprägt: einer freudigen, an den Fall der Mauer, und einer leidvollen an die Pogromnacht, früher verharmlosend Reichskristallnacht genannt. „Mit Trauer, Fassungslosigkeit und Scham blicken wir heute auf das zurück, was der jüdischen Bevölkerung Europas in deutschem Namen angetan wurde“, sagte Roeder. Es falle schwer, sich ,,dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte“ zu stellen, doch: „Das Gedenken an die Verfolgung der Juden sind wir den Opfern und ihren Nachkommen schuldig.“ Von der Erinnerung gehe aber auch die Mahnung aus, allen Anfängen von Diskriminierung einzelner Bevölkerungsgruppen entgegenzutreten und Solidarität und Toleranz zu stärken – und zwar nicht nur an den jeweiligen Gedenktagen.

„Wir spüren noch jeden Tag die Verluste durch das millionenfache Sterben. Doch wir wollen nicht anklagen, sondern hoffen auf eine bessere Zukunft und darauf, dass nie mehr Minderheiten verfolgt werden“, unterstrich Klara Behnke, die der Liberalen Jüdischen Gemeinde vorsteht. Klaus Titze vom Arbeitskreis erinnerte an die Pyrmonter Juden, die in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 aus ihren Wohnungen verhaftet und in Lager deportiert wurden, von denen einige nicht zurückkamen. Ihnen und allen anderen Opfern des Holocaust war das jüdische Totengebet Kaddish gewidmet, in deutscher und in russischer Sprache gelesen vom Vorbeter der Jüdischen Gemeinde, Michael Bulygin, und von Eugenia Osyka.

Als Zeitzeuge, Jahrgang 1930, untersuchte Heinrich Bartels das „unerklärliche Phänomen des Mitläufertums“ und mahnte, dass so etwas nie wieder passieren dürfe.

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