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Wirte sauer: Staatsbad beschneidet Außengastronomieflächen in der Hauptallee

Tischerücken der Optik wegen

Zu Hoch-Zeiten der Pyrmonter Kur-Historie säumten Toilettenhäuschen die Hauptallee. Heute stehen hier die Tische und Stühle diverser Gaststätten. Um die Optik der denkmalgeschützten Allee zu wahren, müssen die Wirte jetzt ihre Möbel zusammenrücken. Mit dieser Verfügung macht sich das Staatsbad unbeliebt.

veröffentlicht am 02.04.2016 um 11:37 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:37 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Bad Pyrmont. Wenn an diesem Wochenende sonnig gelaunte Ausflügler und Pyrmonter die Stühle in den Cafés der Hauptallee besetzen, dann kehrt hier mit den steigenden Temperaturen endlich das bunte Flair ein, das in den Augen der Flaneure den ganz speziellen Charme von Deutschlands ältester Fußgängerzone ausmacht. Denn an tristen Tagen sieht die Allee ziemlich öde aus. Und die Geschäfte der Gastronomen laufen dann schlecht. An den guten Tagen des Jahres müssen sie versuchen, die Umsatzeinbußen der übrigen Zeit aufzufangen. Da kann der aktuelle Wetterbericht sie nur freuen.

Für die Wirte hat die Saison allerdings mit einem handfesten Ärgernis begonnen: Die Cafés und Bistros auf der östlichen Seite haben nun weniger Platz für ihre Tische und Stühle vor der Tür. Durften sie ihr Außen-Mobiliar jahrelang bis zu fünf Meter in die Hauptallee hineinstellen, so hat das Staatsbad nun ein Viertel dieser Fläche gestrichen. Vier Meter und nicht mehr, lautet die Ansage. Das musste die für „Recht und Liegenschaften“ zuständige Mitarbeiterin Angela Pede den Gastronomen kürzlich vor Ort vermitteln. Zu diskutieren gab es da nichts. Dass die Wirte durch die Beschneidung des Platzes für ihrer Außengastronomie Umsatzeinbußen fürchten, stand nicht nur Debatte.

Frustriert beugten sie sich dem Diktat und schoben sie ihre Tische zusammen. Die Argumente der Staatsbad-Mitarbeiterin überzeugten sie aber offenbar nicht. „Die sollen sich mal überlegen, wie das hier aussähe ohne unsere Betriebe“, sagt ein Wirt, der gerade seine Tische vom Krähenkot befreit.

Eine andere Gastronomin hat derweil ein weiteres Problem: Sie dürfte zwar auch Teile des gepflasterten Gehwegs am Alleerand nutzen. Aber der Weg ist so schräg, dass die Gläser auf den Tischen umkippen würden.

Wieder andere ärgert, dass sie mit ihren Möbeln nicht in die Breite ausweichen dürfen, weil die Nachbarn das nicht wollen.

Doch warum hängt man beim Staatsbad so sehr an dem einen Meter? „Wir wollen ein einheitliches Bild haben“, erklärt der stellvertretende Kurdirektor André Schubert auf Anfrage unserer Zeitung. „Der Charakter der denkmalgeschützten Allee soll erhalten werden.“ Ein optisches Durcheinander würde das Bild gefährden.

Die Vier-Meter-Grenze habe es vor Jahren schon einmal gegeben, räumt Schubert ein. Warum man davon zeitweilig abrückte, weiß er jedoch nicht.

Dass die Beschneidung der Außengastronomie massive Umsatzeinbußen zur Folge haben könnte, kann sich der stellvertretende Staatsbad-Chef nicht wirklich vorstellen. Mit Blick auf die vielen Gäste an sonnigen Tagen hat er den Eindruck: „Der Kernbereich ist gut belebt.“

Dass mittlerweile auch das sommerliche „Fürstentreff“-Event weitenteils nur noch im Kurpark stattfindet, missfällt den Wirten ebenfalls. Aber Schubert glaubt nicht, dass sie deshalb weniger Gäste haben.

Gratis bekommen die Wirte den Platz vor ihren Gaststätten in der Hauptallee übrigens nicht. Sie zahlen „Stuhlgeld“. Pro Quadratmeter genutzter Außenfläche werden monatlich 5,50 Euro fällig. Abzüglich der Flächen, die durch die alten Alleebäume und ihre Wurzeln nicht genutzt werden können.

Bei 80 Quadratmetern Außengastronomie in einem Bistro macht das insgesamt 2200 Euro pro Saison. „Um das netto rauszuholen, muss ich mehr als 10 000 Euro umsetzen“, rechnet eine Wirtin vor. Generell sieht sie die Sorgen der Häuser am Platz vom Staatsbad ignoriert. „Wir sind bald zwei Stunden am Tag damit beschäftigt, unsere vollgeschissenen Stühle zu reinigen“, klagt sie. Und schließlich seien es ja auch die Wirte, die in den von ihnen genutzten Teilen der Allee für Sauberkeit sorgten. Ganz abgesehen von den immer strengeren baulichen Auflagen wie etwa dem Brandschutz, die auch Tausende von Euro kosteten.

Deshalb findet sie: „Beim Stuhlgeld könnte uns das Staatsbad wirklich entgegenkommen.“ Denn das Geschäft in der Hauptallee sei nicht einfach. „Hier stehen an die 1000 Stühle, die jeden Tag belegt werden wollen“, sagt sie und zeigt über das historische Areal.

Ob die Gastronomen sich zusammentun, um dem Staatsbad-Management ihren Standpunkt direkt zu erklären, bleibt abzuwarten. Ebenso wie die Reaktion der Entscheider in der Kurdirektion des Staatsbades Pyrmont.



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