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RTL-Vorwürfe bleiben ohne juristisches Nachspiel / Ein neuer Partner für die Löwin Sabu

Tierparkchef blickt nach vorne

Bad Pyrmont. Nach den Aufregungen um den RTL-Bericht am 31. August letzten Jahres über angeblich unhaltbare Zustände ist im Pyrmonter Tierpark wieder Alltag eingekehrt. Zumindest juristisch hat die Affäre kein Nachspiel, denn die Staatsanwaltschaft hat die Verfahren eingestellt.

veröffentlicht am 06.03.2016 um 14:10 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:46 Uhr

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Autor:

Hans-Ulrich Kilian
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Bad Pyrmont. Sheamus ist offensichtlich schüchtern und auch ein wenig ängstlich. Sogar vor den Enten im Nachbargehege hat er sich ganz kurz erschreckt, denn die gab es in seinem bisherigen Revier im Serengeti-Park Hodenhagen nicht. Sheamus ist ein prächtiger, 13 Jahre alter Löwe und sein neues Zuhause ist seit wenigen Tagen der Pyrmonter Tierpark. „Ich habe nach dem Tod von Leo im Dezember für unser Weibchen Sabu einen neuen etwa gleichaltrigen Partner gesucht, denn Löwen sind Rudeltiere“, erläutert Tierparkchef Linus Kampe. Doch mit der Partnerschaft ist das am ersten gemeinsamen Tag im Freigehege an diesem Donnerstag noch so eine Sache. Die 14-jährige Sabu ist misstrauisch und faucht, Sheamus sehr, sehr vorsichtig. „Das wird schon noch“, meint Kampe, der die beiden Großkatzen im Auge behält.

Nach den Aufregungen um den RTL-Bericht am 31. August letzten Jahres über angeblich unhaltbare Zustände ist im Pyrmonter Tierpark wieder Alltag eingekehrt. Angeblich deshalb, weil sämtliche Vorwürfe, die eine „Undercoverpraktikantin“ des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff für dessen Sendung „Reporter undercover“ erhoben hat, sich als gegenstandslos erwiesen haben. Kampe ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Hannover völlig entlastet. „Es gab und gibt keine Hinweise auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz“, teilte Staatsanwältin Kathrin Söfker jetzt auf Anfrage mit. „Darum haben wir das Verfahren eingestellt.“ Für Kampe bleibt damit die Affäre, die ihn und seine Familie viel Kraft und ihren Tierpark sehr viele Besucher gekostet haben, also zumindest ohne juristisches Nachspiel. Gleiches gilt allerdings auch für diejenigen, die via Internet gegen ihn Morddrohungen ausgestoßen haben – immerhin gut 50 an der Zahl, wie die Polizei damals feststellte. „Diese Drohungen geschahen anonym, die Verantwortlichen konnten nicht ermittelt werden, und deshalb mussten wir auch dieses Verfahren einstellen“, so Staatsanwältin Söfker.

Von Wallraff, der Ende Oktober zu einem „Hintergrundgespräch“ gemeinsam mit einer RTL-Verantwortlichen nach Bad Pyrmont gereist war (wir berichteten), hat Kampe seitdem nichts mehr gehört. Beide hatten Vertraulichkeit über die Inhalte des Gesprächs vereinbart, an die sich Kampe auch heute noch hält. Nur soviel ließ er damals wissen: „Man hat uns gesagt, dass man sich für den Tierpark einsetzen wolle, möglicherweise mit einem zweiten Bericht.“ Geschehen sei bislang leider nichts, stellt er nun fest. Wallraff hatte zwar zuvor in einem Video die Drohungen gegen den Tierpark verurteilt, den TV-Bericht bis heute aber so stehen lassen.

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Mitarbeiter sind in diesen Tagen an vielen Stellen im Einsatz. Foto: yt

Am liebsten möchte der Tierparkchef gar nicht mehr über die Affäre reden, die im Internet einen beängstigenden Shitstorm ausgelöst hatte, der ihm und seiner Familie mächtig zugesetzt hat. Noch heute bekomme er ab und zu entsprechende E-Mails, berichtet er. Der Besuchereinbruch hat das kleine Unternehmen zudem in Bedrängnis gebracht. Doch Kampe, der die Anlage mit ihren heute rund 500 Tieren Ende 2008 übernommen hatte, blickt kämpferisch nach vorne. Aufgeben kommt für ihn nicht infrage. Im Gegenteil: Der Tierpark wird zurzeit im südlichen Teil umgestaltet, neue Volieren und Gehege entstehen und bei den munteren Ziegen hat sich bereits niedlicher Nachwuchs eingestellt. Der sehr nasse Winter und der daraus resultierende aufgeweichte Boden behindern die Arbeiten, die zum großen Teil bis Ostern abgeschlossen sein sollten.

Sheamus und Sabu müssen sich mit einem sehr kleinen Gehege begnügen, was beim Betrachter ein ungutes Gefühl hinterlässt. Eigentlich habe er für das Löwenpärchen darum ein neues, größeres und schöneres Gehege bauen wollen, berichtet Kampe. Doch dafür fehle zurzeit das Geld. Nun hoffe er, so sagt er, genug Mittel zusammen zu bekommen, um zumindest das alte Gehege zu vergrößern und Sheamus und Sabu mehr Platz für ein paar gemeinsame Jahre schaffen zu können. In Gefangenschaft können Löwen nämlich 20 Jahre alt werden.



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