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Für die einen Kulturerbe, für die anderen Tierquälerei

Tauben: Postbote und Rennpferd zugleich

BAD PYRMONT. Eine Vogel aus einer Familie, die bei Züchter Dietmar Höltke im Taubenschlag wohnt, hat schon eine Million Dollar bei einem Wettbewerb in Südafrika gewonnen. Höltke, der in der Reisevereinigung Hameln aktiv ist, war auch bei der gemeinsamen Brieftaubenausstellung des Holzhäuser Vereins Heimatstolz und des Lügder Vereins Frohe Heimkehr. Klar, dass es da einiges zu Fachsimpeln gibt.

veröffentlicht am 01.01.2019 um 20:22 Uhr

Erwin Tegtmeyer, Heiner Schröder und Michael Rausch (v.li.) zeigen ihren ganzen Stolz: ihre Jungtiere, in die sie große Hoffnungen für die nächste Reisesaison stecken. Foto: yt
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Carlhermann Schmitt Reporter
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Und dafür ist das Vereinsheim an der Friedhofsstraße in Bad Pyrmont Holzhausen auch geradezu ideal. „Wir sind jetzt seit 20 Jahren hier in dem Anwesen eines ehemaligen Steinmetzbetriebs“, erklärte der Holzhäuser Vorsitzende Michael Rausch und zeigte sich immer noch sehr zufrieden mit zwar kleinen Haus, in dem bei Ausstellungen aber genügend Platz bleibt, um mit Gleichgesinnten über das Hobby zu sprechen, das eigentlich wie kein zweites für das Ruhrgebiet steht, in dem die Brieftaube bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Haustier und „Rennpferd des Bergmanns“ wurde.

Etwa ein Dutzend aktiver Züchter ist aber auch in Holzhausen und Lügde aktiv. „Jeder Züchter hat rund 60 Tauben in seinem Schlag“, schätzt Rausch. „Um bei Wettbewerben mithalten zu können, muss man viel Zeit und Fachwissen investieren.“ Schon alleine Füttern und den Schlag sauber halten lässt keine Urlaubsunterbrechung zu. Was auf der einen Seite als Fürsorge für die Tiere ausgelegt wird, halten Tierschutzverbände lediglich für Investition in ein „Sportgerät“. Die Brieftaubenzucht ist von Nordrhein-Westfalen als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Immerhin wurde die Brieftaube bereits in der Antike eingesetzt, um Post zur Not auch über feindliche Linien hinweg zuzustellen.

Die Tierschützer kritisieren allerdings die Wettbewerbe, bei denen die kleinen Vögel viele hundert Kilometer hinweg mit einer Reisegeschwindigkeit von bis zu 70 Stundenkilometer absolvieren müssen und dabei Widrigkeiten wie Hochspannungsleitungen und Greifvögeln ausgesetzt sind. Diese Probleme kennen auch die Züchter hier. „Während der Saison, die vom 1. Mai bis zum 31. Juli geht, fliegen unsere Tiere zwölf Strecken über Distanzen von 130 Kilometer zu Beginn und 650 Kilometer beim letzten Wettkampf.“ Diese Distanzen hält Rausch jedoch für durchaus machbar für die Vögel und beziffert die Quote an Tieren, die bei den Reisen der Hamelner Vereinigung nicht mehr in den Schlag zurückkommen, auf etwa zehn Prozent. Es gibt aber auch Wettbewerbe, bei denen die Veranstalter die Vögel auf Distanzen von über 1000 Kilometer schicken. Bei manchen hat es nicht einmal die Hälfte zurückgeschafft, weil sie völlig entkräftet waren, erklärten Tierschutz-Organisationen, die deshalb schon mit Veranstaltern vor Gericht kämpfen.

Um Hochleistung ging es bei der Schau der Jungtiere der Holzhäuser und Lügder allerdings nicht. Die Tauben wurden von einer Jury nach Schönheit bewertet, wobei die schönsten Brieftauben Peter Beuster gehören, gefolgt von Heiner Schröder und Erwin Tegtmeyer. Beusters Vögel sind nicht nur die schönsten, sondern auch die schnellsten. Und so wurde der Züchter, der auch Vorsitzender des Lügder Brieftaubenvereins ist, auch 1. Meister der Reisevereinigung „Rattenfänger von Hameln“. Und auch Tegtmeyers Hübsche sind flott unterwegs: Er wurde 3. Meister der Reisevereinigung.



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