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Weltklassik am Klavier

Tastenfeuerwerk legt Ohren lahm

BAD PYRMONT. Eine große pianistische Reife muss man dem erst dreißigjährigen russischen Virtuosen Georgy Tchaidze ohne Zweifel bescheinigen, ist er doch mehrfacher Preisträger und auf internationalen Bühnen zuhause. In der Reihe „Weltklassik am Klavier“ interpretierte er Musik von Schumann höchst unterschiedlich.

veröffentlicht am 06.01.2019 um 12:48 Uhr

Georgy Tchaidze hinterließ mit seinem Konzert unterschiedliche Eindrücke. Foto: rr
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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Beim Schumann-Programm im kleinen Saal des Konzerthauses flogen dem Publikum am Samstagnachmittag die Töne Robert Schumanns nur so um die Ohren, fulminant, teilweise aggressiv, stakkatoartig, aber manchmal auch zart, elegisch und romantisch.

Tchaidze ist ein Pianist, der auf Kontraste setzt. Die „Grande Sonate f-Moll op. 14“ hämmerte er mit Vehemenz und sich seiner Virtuosität bewusst in den Blüthner-Flügel, dass man einerseits nur staunen konnte. Natürlich benötigen die Sätze „Vivacissimo“, „Scherzo“ und vor allem „Prestissimo possibile“ ein hohes Tempo, doch das Allegro hatte davon eine Spur zuviel, vor allem der 4. Satz „Quasi Variazioni. Andantino de Clara Wieck“ hätte mehr Innigkeit und Ausbreitung vertragen können. Es sollte „ein Herzensschrei nach Dir“ an die geliebte Clara gewesen sein, nachdem deren Vater jeglichen Kontakt zwischen den jungen Leuten unterbunden hatte. Hier kam eher der technisch perfekte hochpräzise Tastenakrobat zum Vorschein. Ein extrem virtuoser erster Programmteil, dem es etwas an der Bindung an dem in sich zerrissenen Schumann mangelte. Gleichwohl sparten die Zuhörer nicht mit Applaus.

Ganz anders dagegen das „Blumenstück Des-Dur op. 19“, das den Romantiker Schumann zeigte, und das er der befreundeten Friederike Serre gewidmet hatte. Inspiriert durch den Dichter Jean Paul hatte Schumann beschrieben, es handele sich um „ein Blumenstück und Arabeske, die aber wenig bedeuten wollen“. Hier dominierte reine Spielfreude, was Robert Schumann damit kommentierte, dass es „Stücke für Damen“ seien. Viel differenzierter war dagegen „Carnaval op. 9“. Hier zeigte Tchaidze das gesamte Spektrum seines Könnens. Das böhmische Städtchen Asch, Wohnsitz von Schumanns Ex-Verlobter Ernestine von Fricken, findet sich in den Tonbuchstaben A-Es-C-H und As-C-H als Grundlage des Zyklus. Schumanns Leidenschaft, seine Ideen und sein Kampf bilden insgesamt eine Liebeserklärung an diese erste Verlobte, die sich in jedem der einzelnen Stücke manifestiert. Tchaidze bewältigte den „Carnaval“ mit Bravour und entließ sein Publikum letztlich mit dem Eindruck, einen Pianisten auf dem Weg zur Perfektion begleitet zu haben.



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