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Kränze auf der Schlossgraft: Helmut Eichmann erstattet Anzeige und fragt nach ihrem Verbleib

Tätern droht drei Jahre Haft

BAD PYRMONT. Helmut Eichmann, Pyrmonter Repräsentant der Kriegsgräberfürsorge, hat bei der Polizei Anzeige gegen den oder die Täter erstattet, die am Wochenende zwei Kränze vom Ehrenmal vor dem Schloss auf das Eis der Schlossgraft geworfen haben. Ihnen droht bis zu drei Jahren Haft – gesetzt man findet sie.

veröffentlicht am 07.02.2019 um 12:39 Uhr
aktualisiert am 07.02.2019 um 19:00 Uhr

Tiefgefroren: Einer der Kränze auf dem Eis der Pyrmonter Schlossgraft. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Helmut Eichmann zeigt sich zudem „befremdet“. Befremdet darüber, dass die Stadt Bad Pyrmont ihn nicht informiert hat, sondern dass er aus den Pyrmonter Nachrichten erfahren musste, dass Unbekannte am vergangenen Wochenende zwei Kränze vom Ehrenmal vor dem Pyrmonter Schloss auf das Eis der Graft geworfen haben. Und verärgert ist der Pyrmonter Repräsentant der Kriegsgräberfürsorge, weil diese Kränze zwar mittlerweile vom Eis geborgen wurden, aber nun verschwunden sind. Das trifft auch auf den dritten Kranz zu, den die Täter am Ehrenmal liegen lassen hatten.

Nun wären die Kränze, die dort zum Volkstauertag im November im Rahmen einer gemeinsamen Gedenkstunde der Kriegsgräberfürsorge und der Stadt Bad Pyrmont abgelegt worden waren, ohnehin nicht mehr sehr lange an Ort und Stelle geblieben. „Ich hatte mit der Stadt vereinbart, dass sie bis Mitte Februar dort liegen bleiben sollen“, berichtet Eichmann. Das wäre kommende Woche. „Die Kränze sahen aufgrund der Kälte noch gut aus, es gab keinen Grund, sie schon jetzt zu entsorgen“, argumentiert er.

Den oder die Täter will er nicht ungestraft davon kommen lassen. Er hat Anzeige bei der Pyrmonter Polizei erstattet. Doch um was für einen Tatbestand es sich dabei handeln könnte, mussten die Beamten erst einmal klären. Diebstahl scheidet aus, weil die Kränze ja noch da waren. „Es kommt gemeinschädliche Sachbeschädigung in Frage“, erklärte am Donnerstag der Pyrmonter Kripochef Kriminalhauptkommissar Andreas Zoch. Es kommt laut Zoch aber auch eine Störung der Totenruhe in Frage, denn bei dem Ehrenmal handele es sich um eine öffentliche Totengedenkstätte, und die wird explizit im Strafgesetztbuch aufgeführt. „Ebenso wird bestraft, wer eine Aufbahrungsstätte, Beisetzungsstätte oder öffentliche Totengedenkstätte zerstört oder beschädigt oder wer dort beschimpfenden Unfug verübt“, heißt es in Paragraf 16. Schon der Versuch ist strafbar.

Ebenso wird bestraft, wer eine öffentliche Totengedenkstätte zerstört oder beschädigt oder dort beschimpfenden Unfug verübt.

Auszug aus Paragraf 16, Strafgesetzbuch

„Das geben wir zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft, die darüber entscheiden wird, welcher Tatbestand zutrifft“, so Zoch. Im Ergebnis wäre es für die oder den Täter aber egal, ob der eine oder der andere Straftatbestand zutrifft. In beiden Fällen sind Haftstrafen bis zu drei Jahren oder Geldstrafen möglich.

Allerdings gibt es laut Zoch bislang weder Hinweise auf die Verantwortlichen noch ist genau klar, wann die Kränze auf die Schlossgraft geworfen worden sind. „Wir würden uns freuen, wenn sich Zeugen bei uns melden“, appelliert der Ermittlungsleiter. Doch wahrscheinlicher ist, dass die Staatsanwaltschaft am Ende das Verfahren mangels Verdächtigen einstellen muss.

„Unsere Volkstrauertagsveranstaltung ist die größte im Weserbergland, die von jeher Akzeptanz und Unterstützung bekommt“, ordnet Eichemann die Bedeutung der Tat ein. „Sie leistet einen wichtigen Beitrag zu Versöhnung und Völkerverständigung. Auch ausländische Medien haben schon über uns berichtet.“ Er fordert nun von den Fraktionen des Rates und vom Bürgermeister eine öffentliche Stellungnahme. „Das sollte so nicht unkommentiert stehen bleiben.“

Mitarbeiter auf der Schlossinsel berichten, dass es immer wieder vorkommt, dass Kränze vom Ehrenmal in die Schlossgraft geworfen werden. Das bestätigt auch Stadtsprecher Wolfgang Siefert, der die Tat ausdrücklich verurteilte. „Nicht jedes Jahr, aber immer wieder, egal ob große oder kleine Kränze.“ Einen Kranz haben seinen Worten nach Pyrmonter Vereine, einen die Stadt und den dritten die Deutsch-Französische Gesellschaft Hameln bezahlt, deren Vertreter an der Gedenkstunde zum Volkstrauertag teilgenommen hatten. Zum Verbleib der Kränze konnte er bis in die Mittagsstunden des Donnerstags nichts sagen. Am Montag hatte es geheißen, dass sich das für die Schlossgraft zuständige Staatsbad darum kümmert.

Mein Standpunkt
Hans-Ulrich Kilian
Von Hans-Ulrich Kilian

Es mag kleinlich erscheinen, dass Helmut Eichmann kritisiert, dass die Kränze nicht zurück an das Ehrenmal gelegt worden sind, weil es ohnehin an der Zeit gewesen wäre sie zu entfernen. Wäre es nicht richtig und wichtig gewesen, sie noch einmal aufzustellen, um zu demonstrieren, dass die Stadt Bad Pyrmont so eine sinnlose, dumme und die Opfer der Gewaltherrschaft verhöhnende Tat nicht hinnimmt? Es mögen Betrunkene gewesen sein, die dafür verantwortlich sind, aber das schützt sie nicht vor Strafe. Ein Dummejungenstreich ist es jedenfalls nicht. Auch ein Blick ins Strafgesetzbuch reicht, um das zu erkennen.



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