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Spezielle Regelung für Kur- und Erholungsorte

Streit um verkaufsoffene Sonntage

BAD PYRMONT. Verkaufsoffene Sonntage führen immer wieder zu Diskussionen. Viele Einzelhändler in Niedersachsen kritisieren, dass sie nur an vier Sonntagen nachmittags öffnen können – und das auch nur zu bestimmten Anlässen. Anders ist das in Bad Pyrmont, denn für Kur- und Erholungsorte gelten spezielle Regeln, sagt Wolfgang Siefert von der Stadtverwaltung.

veröffentlicht am 03.04.2017 um 18:30 Uhr

Der Oktobermarkt lockte im letzten Jahr viele Besucher nach Bad Pyrmont. Auch an diesem Wochenende hatten die Geschäfte in der Stadt geöffnet. Foto: yt/Archiv

Autor:

Sophie Sommer
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Seit zehn Jahren schreibt das Gesetz diesen Orten einen besonderen Status zu. Die Geschäfte können theoretisch jeden Sonntag öffnen, die Entscheidung liegt bei den Händlern selbst. Nur von November bis Mitte Dezember muss die Stadt verkaufsoffene Sonntage zunächst genehmigen.

Wolfgang Siefert sieht darin einen klaren Vorteil: „Sonntags durch die Stadt zu schlendern und in den Geschäften stöbern zu können, macht den besonderen Flair aus.“

An drei Sonntagen allein in diesem Monat können Besucher und Kurgäste zum Beispiel beim Modegeschäft „Schwager“ einkaufen. Damit hat der Laden im April an mehr Sonntagen geöffnet als geschlossen. „Wir haben oft keine andere Möglichkeit, als sonntags zu arbeiten“, sagt Helmut Fahle, Inhaber des Modegeschäfts und Vorsitzender der Werbegemeinschaft Bad Pyrmont. Immer mehr Menschen würden ihre Kleidung im Internet bestellen und die Onlineshops seien schließlich nie geschlossen. Dementsprechend hoch sei der Wettbewerbsdruck, sagt Fahle. Auch seine Mitarbeiter würden die Notwendigkeit sehen und akzeptieren, dass sie manchmal ein verkürztes Wochenende haben. Viele von ihnen arbeiten sogar gerne am Sonntag, da sie mit mehr Stunden als Ausgleich vergütet würden, so Fahle.

Die Kunden können auch an vielen Sonntagen einkaufen. Foto: Bilderbox
  • Die Kunden können auch an vielen Sonntagen einkaufen. Foto: Bilderbox

„Wer in Bad Pyrmont im Einzelhandel arbeiten will, weiß, dass die Geschäfte oft sonntags geöffnet haben. Damit muss man sich arrangieren“, sagt Karsten Stahlhut, Geschäftsführer der Bad Pyrmont Tourismus GmbH. Er verstehe die Kritik an verkaufsoffenen Sonntagen nicht, da diese viele Touristen nach Bad Pyrmont locken würden. Das sei sehr wichtig für die Stadt, sagt Stahlhut. Er freue sich daher über jedes Geschäft, das sonntags geöffnet hat. Zu diesen Geschäften zählt auch „Engelhardt“, ein Fachgeschäft für Haushaltswaren. „Der Sonntag ist ein wichtiger, umsatzstarker Tag für uns“, sagt Inhaber Rolf Engelhardt. An den Wochenenden seien mehr Touristen in der Stadt – und damit auch mehr potentielle Kunden. Engelhardt öffnet seinen Laden daher an jedem ersten Sonntag im Monat und zu besonderen Veranstaltungen. Im Jahr sind das insgesamt rund 20 verkaufsoffene Sonntage. Das große Problem: „Das Privatleben der Mitarbeiter wird natürlich schon eingeschränkt“, sagt Engelhardt.

Deshalb fordern neben der Gewerkschaft Verdi auch die+ Kirchen und der Landessportbund weniger Ausnahmen für Kur- und Erholungsorte. So sollen weniger Sonntagsöffnungen in den Kur- und Erholungsorten genehmigt werden als bisher. Auch die verkaufsoffenen Sonntage im Advent sollen laut Verdi für den „gemeinschaftlichen Tag der arbeitsfreien Ruhe“ weichen. Der Landtag berät derzeit über eine Anpassung des Ladenschlussgesetzes. „Revolutionäres“ erwartet der zuständige Minister Olaf Lies (SPD) dabei jedoch nicht.

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