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Titus Malms nennt es „die älteste Antiquität Pyrmonts“ und beantragt Rückkehr zum Stadtjubiläum 2020

Streit über Bad Pyrmonts Riesenbett

BAD PYRMONT. Hat die Stadt Bad Pyrmont im Jahr 2004 fahrlässig ihre „älteste Antiquität“ weggegeben? Pyrmont-Kenner Titus Malms sieht das so. Jetzt sieht er das 300-jährige Stadtjubiläum im nächsten Jahr als geeigneten Anlass, den Fehler zu korrigieren und das Riesenbett des Grafen von Gleichen zurückzuholen.

veröffentlicht am 30.01.2019 um 12:31 Uhr

Wer hat recht? Im Anschluss an die Sitzung des Kulturbeirates, der sich mit der Vorbereitung des Stadtjubiläums befasst, ließ sich Dr. Dieter Alfter (li.) mit Titus Malms auf ein kurzes Streitgespräch über das Pyrmonter Riesenbett ein. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Malms (. „Damals haben wir alle gepennt und ich selber auch“) trug seine These von der ältesten Antiquität dem am Dienstagabend im Ratssaal unter Leitung von Bürgermeister Klaus Blome tagenden Kulturbeirat vor – sicherlich auch, um genügend Aufmerksamkeit zu erzeugen, denn dabei ging es um das Stadtjubiläum. Doch so ganz ausreden ließ ihn der Bürgermeister nicht, vermutlich auch, weil Malms – ohne den Namen zu nennen – auch Kritik am früheren Museumsleiter Dr. Dieter Alfter übte, dem er in der aktuellen Diskussion eine „beunruhigend arrogante Art“ vorwarf.

Malms, der über eine fundierte Bibliothek mit Büchern über die Geschichte Bad Pyrmonts verfügt, verwies darauf, dass er belegen könne, dass das Riesenbett hier über 300 Jahre lang gezeigt worden sei. In der Literatur werde die „Bettlade“ bereits 1706 erwähnt. Die Tatsache, dass die die vorhandenen erhalten gebliebenen Teile des Bettes nach 1900 zu einem vollständigen Bett ergänzt und gezeigt worden seien, habe Alfter damals veranlasst, das Stück als nun wohl weniger authentisch anzusehen, es nicht mehr auszustellen und nach Thüringen auszuleihen, sagte er im Anschluss im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ich bewerte dagegen die Tatsache, dass seit über 300 Jahren ununterbrochen die mit dem Bett verbundenen heimatgeschichtlichen Schnitzereien dem Publikum gezeigt wurden als ein identitätsstiftendes Merkmal unseres Schlosses, auf das Pyrmont keinesfalls verzichten darf.“

Er könne sich nicht erklären, wieso Dr. Alfter auf seinen Hinweis auf die lange Ausstellungsgeschichte das immer wieder bestreite. „Dabei ist er ja gewesen, der mit dieser Tradition gebrochen hat, und das muss und will er wohl auch irgendwie rechtfertigen.“

Dass es nicht wirklich das Bett des Grafen von Gleichen, in dem der Adelige gleichzeitig mit zwei Ehefrauen geschlafen haben soll, stehe fest, so Malms. Aber es trage die Wappen von Schwalenberg, Spiegelberg, Lippe und Pyrmont. „Es ist ein restauriertes Möbel aber in Gänze ein altes Stück.“

Alfter, der auch an der Sitzung teilnahm, reagierte darauf zunächst nicht, ließ sich im Anschluss aber auf ein Streitgespräch mit Malms ein. Er vertritt aber nach wie vor die Auffassung, dass es sich bei dem Bett um einen Nachbau des späten 19. oder frühen 20. Jahrhunderts handelt, der an eine mittelalterliche Geschichte des Grafengeschlechts derer von Gleichen erinnere. Auch er beruft sich dabei auf einschlägige Literatur und dass über die Herkunft des Bettes nichts bekannt sei.

Laut Malms war das 2,70 Meter lange, 2,50 Meter breite und fast 2 Meter hohe Bettgestell eine Attraktion im früheren Heimatmuseum. Als dessen Inventar Ende der 1980er Jahre in das neue Museum auf der Schlossinsel umzog, ließ es Alfter im Keller einlagern.

Eigentlich besteht durchaus Einigkeit darüber, dass es Sinn macht, das nach Thüringen ausgeliehene Riesenmöbel nach Bad Pyrmont zurückzuholen. Der Museumsverein hatte jüngst beschlossen, dass sich der Vorsitzende Klaus-Henning Demuth gemeinsam mit Alfter und möglicherweise einem Vertreter oder Vertreterin der Stadt das Bett auf der Vest Wachtenburg anschauen. „Wir müssen uns aber auch klar darüber sein, wo und wie wir es ausstellen können“, machte Bürgermeister Blome deutlich. Das Jubiläum sei in der Tat ein geeigneter Anlass.

Malms regte an, mit Kurdirektor Maik Fischer darüber zu sprechen, ob eines der leer stehenden Ladengeschäfte in der Wandelhalle für eine angemessene Präsentation infrage komme. Ergebnis: Zumindest steht sein Vorschlag im Protokoll der Beiratssitzung.



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