weather-image

Passanten bewerten Bad Pyrmont für Vergleichsstudie

Straßenumfrage: Von Note 1 bis 6 ist alles drin

BAD PYRMONT. Donnerstagvormittag, 9.30 Uhr: Noch ist es ein bisschen frisch draußen am Hylligen Born. Aber die Sonne wärmt. Ein guter Tag für eine Straßenumfrage. Stefan Ölmann spricht einen älteren Passanten an, um ihn für die Teilnahme an der Studie „Vitale Innenstädte 2018“ zu gewinnen. Doch der Mann winkt ab.

veröffentlicht am 27.09.2018 um 21:58 Uhr

Gerda Mudra-Schormann, die baim Bummeln mit ihrem Mann Wolfgang Schormann am Hylligen Born auf Stefan Ölmann getroffen ist, gibt den Angeboten in der Innenstadt mehrheitlich gute Noten. Foto: jl
Juliane Lehmann

Autor

Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Gucken Sie sich die Ruinen an, den Brandschutz, den Denkmalschutz“, sagt er, macht kehrt und geht. Und Bad Pyrmonts Kämmereileiter, der die Organisation der Umfrage von der kurzzeitigen Wirtschaftsförderin übernommen hat, sieht aus, als dächte er so etwas wie: „Da kann ja heiter werden.“

Allerdings bleiben Reaktionen wie die des Verweigerers die Ausnahme am Tag eins der Umfrage, deren Teilnahme das Kölner „Institut für Handelsforschung“ in diesem Jahr insgesamt 115 deutschen Städten verkauft hat. Diverse Passanten haben von der Studie schon in der Zeitung gelesen und opfern gern ein paar Minuten zur Benotung der Pyrmonter Innenstadt. Die Aussicht, nach der eigenen Meinung gefragt zu werden, ist ja auch schön. Denn zumindest für einen selbst ist die ja maßgeblich.

Auffällig allerdings: Interviewte, die vor ein paar Jahren aus freien Stücken in die Kurstadt zogen, scheinen Atmosphäre und Angebote grundsätzlich wohlwollender zu betrachten als manche Ur-Einheimische, denen sichtlich mehr nach Stänkern ist. Egal, ob sie nach dem allgemeinen Ambiente gefragt werden, den Einkaufsmöglichkeiten oder dem Kulturagebot – einige vergeben die Fünfen und Sechsen so generös, dass man nur hoffen kann, sie seien nie Lehrer gewesen und hätten mit derselben Genugtuung ihre Schüler abgeurteilt.

3 Bilder
Im Sitzen dauert’s eher länger: Kathleen Vierfuß befragt Besucher eines Cafés. Foto: jl

Ein älterer Mann mit eingerollter Boulevardzeitung unterm Arm hat sich seine Meinung längst gebildet. Das funktioniert offenbar auch ohne einen Blick in die Geschäfte. „Da gibt‘s nichts. Da geh‘ ich nicht ‘rein. Ich mach‘ nur online“, sagt er. Einen Zusammenhang zwischen Amazon-Shopping und Leerständen vor der Nase sieht er nicht.

Gerda Mudra-Schormann und ihr Mann Wolfgang Schormann zählen indes zu denen, die sich seit Jahren wohlfühlen in Bad Pyrmont. Wie die große Mehrheit der Interviewten blenden zwar auch sie nicht die diversen Laden-Leerstände im Zentrum aus. Aber Gerda Mudra-Schormann sieht das nicht als Pyrmont-spezifisches Problem: „So geht es doch vielen Städten“, findet sie.

Das Gros der Themen auf den lila bedruckten Fragebögen geben die Kölner Marktforscher vor. Sollte die Kur- stadt bei der Bewertung ihrer Gebäude und Fassaden schlecht wegkommen, dann wäre das kaum verwunderlich. Denn so gut wie jeder stößt sich am Zustand von Häusern wie dem ehemaligen „Hotel Keller“. Doch wie aussagekräftig ist der Fokus auf dieses oder andere Gebäude, deren suboptimale Optik den Notendurchschnitt versaut angesichts anderer, fachgerecht restaurierter Gebäude? Und welche Folgen hat die Note 6 für das Drogeriewaren-Angebot im Ort, wenn die Befragte gerade vergessen hat, dass Rossmann nach dem Umbau in einem Monat wieder öffnen wird? „Ach so. Dann 2“, sagt die Frau, und der Interviewer greift zum Radiergummi.

Die Antworten auf die Frage nach dem Lebensmittel-Angebot in der Innenstadt fallen dagegen meist ungnädig aus. Bleibt noch die Definition von „ein bisschen dürftig“. „Meinen Sie 3, 4, oder 5?“

Manche Befragung fällt übrigens deutlich langwieriger aus als üblich. So etwa, wenn mutmaßlich einsame Menschen keine Noten vergeben, aber aus ihrem Leben erzählen wollen. Da muss der Interviewer dann behutsam aufs Tempo drücken. Denn pro vierstündiger Schicht sollte jeder Befrager 25 Leute. Macht also etwa sechs Bögen à 56 Fragen pro Stunde. Das klingt einfacher, als es ist.

Am Samstag, dem letzten von zwei Umfragetagen, zwischen 10 und 16 Uhr schwärmt erneut eine Rathaus-Crew zur Befragung aus. Und egal, wie erhellend das im Frühjahr 2019 erwartete Studienergebnis für Bad Pyrmont wird – für die Kölner Marktforscher mit angeschlossener Unternehmensberatung geht die Rechnung sicher auf. Die Studie bringt dem IFH wohl eine knappe Million Euro Umsatz ein. Weil die Stadt Bad Pyrmont eigene Interviewer einsetzt, zahlt sie rund 6000 Euro plus Steuern – und damit weniger als Orte, die das Full-Service-Paket gebucht haben.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt