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Ab Mittwoch im Museum: Cartoonist Til Mette über seine Arbeit und seine Zeit in New York

Stern-Cartoonist Til Mette: „Kleine Peinlichkeiten reizen mich“

BAD PYRMONT. „Cartoons für die moralische Elite mit Bildung, Geld & gutem Geschmack“, lautet der Titel der Ausstellung mit Arbeiten des Hamburger Zeichners Til Mette, die heute um 19 Uhr im „Museum im Schloss“ eröffnet wird. Seit 1991 sein erstes Buch mit Cartoons veröffentlicht wurde, riss die Bücherfolge nicht ab. Mette, der 1956 in Bielefeld geboren wurde, und der seit 1995 exklusiv für den „stern“ arbeitet, wird selber dabei sein. Zuvor stand er für ein Interview zur Verfügung.

veröffentlicht am 06.11.2018 um 17:26 Uhr

Til Mette in seinem Atelier in Hamburg. Foto: Martina Denker/PR
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Autor

Karin Heininger Reporterin

Herr Mette, seit wann zeichnen Sie Cartoons und was war der Auslöser dazu?
Til Mette: Ich habe schon als Kind gezeichnet, bin damit aufgewachsen. Später habe ich dann für Schülerzeitungen gearbeitet. Ich habe das große Glück, dass ich beruflich nie was anderes machen musste.


Welche speziellen Voraussetzungen muss ein Cartoonist mitbringen?
Die Lust und das Interesse an gesellschaftlichen Themen, und natürlich auch Humor. Und man sollte schon ziemlich extrovertiert sein.


Wo kommen Ihnen die Ideen für Ihre Karikaturen, am Schreibtisch oder auf der Straße beim Beobachten anderer Leute?

Ich bin ein Schreibtischtyp. Mir fällt zwar unter der Dusche oder auf der Straße auch mal was ein zu einem bestimmten Thema, aber daran arbeiten kann ich dann nur am Schreibtisch.

Was ist denn zuerst da, die Zeichnung oder der Text?

Unterschiedlich, das entwickelt sich jeweils aus dem Thema.

Nehmen Sie sich auch bestimmte Politiker vor oder beschäftigen Sie sich lieber mit den „kleinen Leuten“?

Sagen wir mal so: Ich transportiere die große Politik in die Küche und beschäftige mich damit, wie die Menschen damit umgehen und auf die Geschehnisse reagieren. Das sind dann auch aktuelle Themen wie zum Beispiel Angela Merkels Rückzug.

Gibt es Themen oder Menschen, die für Sie tabu sind? Und würden Sie Tabus gegebenenfalls auch mal überschreiten?

Je größer ein Tabu, desto größer auch der Reiz und die Faszination. Und in unserer freiheitlichen Gesellschaft dürfen wir uns jedes Thema vornehmen. Allerdings würde ich gewisse Überschreitungen nie machen.


Zum Beispiel?

Bei sexistischen oder rassistischen Themen oder bei Behinderten. Ich würde mich nie über einen Rollstuhlfahrer lustig machen oder ihn als Opfer darstellen. Es gibt da einfache Anstandsregeln.

Was ist denn Ihr Lieblingsthema?
Das Verhältnis von Mann und Frau, da ist Musik drin, auch in älteren Beziehungen. Vor allem die Widersprüchlichkeit zwischen Anspruch und tatsächlich gelebtem Leben. Die kleinen alltäglichen Peinlichkeiten – die reizen mich.


Sie haben 15 Jahre in den USA gelebt. Hat Sie das beeinflusst? Und sieht man dort Karikaturen anders als bei uns?

In den USA haben Cartoons eine ganz andere Akzeptanz als hier. Während Cartoonisten bei uns eher als Witzezeichner eingestuft werden, ist es dort ein ehrenwerter Beruf. Daraus kann man Selbstbewusstsein schöpfen, und das habe ich mit nach Deutschland gebracht.


In Ihrer Biografie steht, dass Sie sich jetzt viel mit der Malerei beschäftigen und großformatige Bilder schaffen. Ist das ein Ausgleich zur Karikatur?

Ich habe nebenbei immer gemalt. Im Gegensatz zum peniblen Zeichnen hat die Malerei was Archaisches und ist in der Tat eine Erholung von den kleinen Sprechblasen. Aber Maler gibt es viele, während ich in der zeichnerischen Liga zu 100 Prozent ganz oben mitspiele.

Wir leben in einer in jeder Beziehung „verrückten“ Zeit. Beflügelt Sie das besonders
bei Ihrer Arbeit?

Eigentlich bin ich immer motiviert, weil es immer genug Themen gibt. Und wenn ich zum Beispiel an Donald Trump denke: Den zu karikieren, ist nicht einfach. Der ist ja noch verrückter, als ich es mir je ausdenken könnte!

Interview: Karin Heininger



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