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Doch das ist einfacher gesagt als getan

Stadtwerke setzen auf Wasser, Wind und Sonne

Bad Pyrmont (uk). Den Einstieg bei der „Tobi Windenergie GmbH & Co KG“ haben die Stadtwerke Bad Pyrmont den „nächsten Schritt in Richtung Energiewende“ genannt. Elf Windräder sind es vorerst, die das kommunale Unternehmen gemeinsam mit sieben weiteren Stadtwerken – unter anderem Hameln – gekauft hat (wir berichteten). „Erneuerbare Energien sind der einzig richtige Weg, um sich unabhängig von den endlichen Rohstoffen zu machen“, so Stadtwerkechef Dieter Boldt, der dabei nicht nur auf Windenergie setzt, sondern auf ein Erzeugungsportfolio, das möglichst alle alternativen Energien abdeckt – Sonne, Wasser und Bioenergien. Doch das ist einfacher gesagt als getan, wie ein Blick auf die verschiedenen Bemühungen zeigt.

veröffentlicht am 05.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 02:21 Uhr

„Die Stadtwerkekunden sparen beim Heizen“, weiß Diet
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Beispiel 1: Drei eigene Windräder wollten die Stadtwerke bei Eichenborn bauen. Doch daraus wurde nichts, denn die Planer haben die ausgeguckte Fläche als nicht geeignet gestrichen. Die Vorverträge mit den Grundstückseigentümern sind nun Makulatur. Doch aufgeben will Boldt nicht. Er verhandelt jetzt mit „fünf oder sechs“ anderen Eigentümern über eine Fläche innerhalb des jüngst vom Rat kürzlich beschlossenen Konzentrationsareals. Mindestens ein Windrad soll sich dort für die Stadtwerke drehen. Um die Akzeptanz zu erhöhen, sollen sich Pyrmonter mit Anteilen zwischen 5000 und 10 000 Euro an der 2,5 bis 3 Millionen teuren Anlage beteiligen können.

Beispiel 2: An der Dringenauer Mühle betreiben die Stadtwerke schon seit 1991 ein kleines Wasserkraftwerk. Gerade einmal ein Prozent der jährlichen Strommenge, die das Unternehmen liefert, steuert diese Turbine mit einer Nennleistung von 145 Kilowatt bei. Boldt spricht darum auch von einer „Goodwill-Aktion“ als Beitrag zum Klimaschutz. Immerhin entspricht die Strommenge dem Verbrauch von 200 Haushalten. Um ganz andere Strommengen wäre es am Inn gegangen. 20 Wasserkraftwerke mit einer Leistung von 300 Megawatt standen dort zum Verkauf. Ein Verbund aus 100 Stadtwerken – darunter auch die Pyrmonter – hätte gerne zugeschlagen, doch ein Anbieter aus Österreich bekam den Zuschlag.

Beispiel 3: Auch Photovoltaik – Stromerzeugung aus Sonnenenergie – möchte Boldt in sein Erzeugungs-Portfolio aufnehmen. Doch es ist gar nicht so einfach, an die favorisierte aufgeständerte Anlage, die sich nach dem Sonnenstand ausrichtet und hinter dem Lehrerzimmer des Humboldt-Gymnasiums aufgestellt werden soll, heranzukommen. „Die Hersteller sind nicht an der Lieferung einer einzigen Anlage interessiert, die denken in Dimensionen von 100 Anlagen“, musste Boldt erfahren. Mit 700 statistischen Sonnenstunden im Jahr ist Bad Pyrmont bekanntlich Schlusslicht in Deutschland. „Also wäre eine Anlage mit dem größtmöglichen Wirkungsgrad optimal“, so Boldt. Was bleibt, ist eine herkömmliche fest installierte Anlage auf dem Dach des Gymnasiums. Auf jeden Fall hat sich Boldt ein Pyrmonter Unternehmen als Partner geholt, das sich an der Finanzierung beteiligen wird.

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Das wäre die gewünschte Photovoltaikanlage für das Gymnasium.

Mit der Sporthalle Oesdorf und der Grundschule Holzhausen gibt es noch zwei weitere städtische Gebäude, die laut Boldt für den Bau einer Photovoltaikanlage oberste Priorität genießen. Ergänzt wird das Standortpotenzial mit vier weiteren Immobilien der Stadt. „In fünf bis sieben Jahren können wir das realisieren, abhängig davon, wie wirtschaftlich sich die einzelnen Projekte darstellen“, so Boldt.

Beispiel 4: Eine Biogasanlage kommt für Bad Pyrmont nicht infrage. Zum einen gibt es nicht genügend Anbauflächen für den Rohstoff, zum anderen passe sie nicht zu einem Kurort, so Boldt, der diese Pläne bereits vor zwei Jahren aufgeben musste, da schließlich auch der Standort an der Kläranlage in Löwensen auf Kritik gestoßen war.

Beispiel 5: Geothermie (Erdwärme) in großem Stil wird von verschiedenen Seiten immer wieder ins Spiel gebracht, laut Boldt auch ganz aktuell. Sie kann sowohl direkt genutzt werden, etwa zum Heizen und Kühlen, als auch zur Erzeugung von elektrischem Strom oder in einer Kraft-Wärme-Kopplung. Die Erkundungsbohrungen haben gezeigt, dass das zulasten unserer Heilquellen gehen würde“, beruft sich der Stadtwerkechef auf wissenschaftliche Gutachten. „Das ist vom Tisch, da sind wir uns mit dem Staatsbad einig.“ Außerdem sei die Solekonzentration zu hoch, die Wärme mit bis zu 35 Grad zu niedrig.

Effiziente Heizungen, optimale Wärmedämmungen, Wärmepumpen oder Solar- Photovoltaikanlagen für den Hausgebrauch sind auch ein Beitrag zum Klimaschutz. Mit 50 000 Euro haben die Stadtwerke auch in diesem Jahr 96 Maßnahmen gefördert. Besonders nachgefragt wurden vor allem Fenstertausch, Außenwanddämmung und Heizungsumstellung. „Das Förderprogramm wird auch 2010 wieder aufgelegt“, kündigte Boldt an.

Bislang ist der Stromverbrauch in Bad Pyrmont auf nahezu unverändertem Niveau geblieben. „Die Elektrifizierung in den Haushalten ist noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen, es kommen immer noch neue Geräte dazu“, nennt Boldt den Grund, dass die Stadtwerke auch in diesem Jahr 61 Millionen Kilowattstunden verkauft haben. Anders sieht die Entwicklung beim Erdgasverbrauch aus. „Hier stellen wir einen temperaturbereinigten Rückgang von 6 bis 8 Prozent fest“, so der Stadtwerkechef, der den Verbrauch für das Jahr 2008 auf 218 Millionen Kilowattstunden beziffert. „Die Kunden achten darauf, Energie zu sparen und auch die vielen Kaminöfen in der Übergangszeit machen sich bemerkbar.“



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