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Vorbeugender Brandschutz als Konsequenz aus Mängeln

Stadt verfügt Räumung der „Fachklinik Weserland“

veröffentlicht am 07.10.2016 um 23:21 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:08 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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„Wenn an der falschen Stelle etwas passieren würde, dann bekämen wir ein Problem“, sagt Hans-Joachim Spieker. Dem Klinikdirektor setzen die schrecklichen Bilder des vor rund einer Woche abgebrannten Krankenhauses Bergmannsheil in Bochum besonders zu. „So etwas darf nicht passieren“, sagt der 57-Jährige. Und setzt hinzu: „Safety first“. Sicherheit zuerst. Deshalb muss Spiekers Ziel jetzt ein „geordnetes Leerlaufen“ der „bis unters Dach vollen“ Herz-Kreislauf-Rehaklinik am Vogelreichsweg sein. Dafür bleiben nach aktuellem Stand zwei Wochen Zeit, sofern er in dieser Phase eine nächtliche Brandwache auf jeder der acht Schlaf-Etagen im Bettenhaus installiert. Die Ansage dazu dient laut Spieker allein dem vorbeugenden Brandschutz. Sie kam am Freitag aus dem Pyrmonter Rathaus.

Dass das verheerende Feuer von Bochum ganz offenbar die Brandschutz-kundigen Baurechtler in der Kurstadt und in der Hameln-Pyrmonter Kreisverwaltung akut alarmiert hat, wundert nicht. Denn die Schwachpunkte in dem 1972 gebauten Pyrmonter Rehaklinik-Komplex sind bekannt. Bereits vor zehn Monaten hatten Vertreter der DAK-Ersatzkasse, der die Immobilie gehört, zusammen mit der privaten Rehasan-Gruppe, die den Betrieb 2013 übernommen hatte, aufwendige Umbau- und Sanierungspläne im Rathaus präsentiert. Aktuell lässt die DAK ein neues Brandschutzgutachten erstellen. Aber umgesetzt ist es noch nicht. Und die Mängel erscheinen nun in neuem Licht: Als „konkrete Gefahr für die Sicherheit der Patienten“ werde die Situation im Rathaus betrachtet, erklärt Spieker.

„Die Heftigkeit hat uns zwar überrascht“, sagt er über die Aussage. Aber mit Blick aufs Haftungsrisiko bringt er Verständnis auf. Falls etwas passierte, müssten jene in den Aufsichtsbehörden für die Folgen geradestehen, die von den Schwachpunkten wussten, sie aber durchgehen ließen.

Aus Gründen des vorsorglichen Brandschutzes hat die Pyrmonter Stadtverwaltung am Freitag die Räumung der „Fachklinik Weserland“ verfügt. „Wir wissen noch gar nicht, welche Auswirkungen das hat“, sagt Klinikchef Spieker – hier mit Bad Pyrmont Stadtbrandmeister Maik Gödecke und dem stellvertretenden Ortsbrandmeister Udo May im Flur vor seinem Büro. Foto: jl

Ein Brandfall in der Anfang der 1970er Jahre gebauten Pyrmonter Rehaklinik ist zwar faktisch reine Theorie. Und Bad Pyrmont ist auch nicht Bochum. Dort wurden schwerst brandverletzte, traumatisierte Patienten behandelt. Hier sind es Herz-Kreislauf-Patienten.

Allerdings: Viele von ihnen sind zwischen 70 und 80 Jahre alt und – zumindest, wenn sie in Bad Pyrmont eintreffen – nicht sehr gut zu Fuß. Sie schnell zu evakuieren, wäre im Ernstfall gerade nachts ein Problem, wenn weniger Personal im Haus ist.

In Sachen Sicherheit habe die DAK zwar schon Einiges getan, sagt Spieker. Damit meint er neu eingebaute Spezialtüren oder die Brandmeldeanlage. Aber er weiß auch, dass es in dem Gebäudekomplex alte Schächte gibt. Durch die könnten sich bei einem Feuer entstehende Rauchgase mittels Kamineffekt rasch über die Etagen ausbreiten. Dann wäre Eile geboten – aber die Benutzung der Aufzüge tabu.

Eine sofortige Schließung der Rehaklinik hat am Freitag die Freiwillige Feuerwehr abzuwenden geholfen: „Weil auf die Schnelle kein Sicherheitsdienst für die nächtlichen Brandschutzwachen aufzutreiben war, hat Stadtbrandmeister Maik Gödeke binnen einer Stunde genügend Freiwillige organisiert“, sagt Hans-Joachim Spieker. „Sie opfern ihre Freizeit für die Sicherheit unserer Patienten. Das verdient ein ganz, ganz dickes Lob.“

Wie es nun mit der Klinik weitergeht, weiß auch ihr Direktor noch nicht. Denn die schriftliche Stellungnahme der Stadt Bad Pyrmont steht noch aus. Deshalb konnte er der Belegschaft – etwa die Hälfte der knapp 100 Mitarbeiter war zu dieser Zeit im Dienst – bei einer kurz nach dem Termin im Rathaus einberufenen Versammlung auch nicht allzu viel sagen. „Wir wissen noch gar nicht, welche Auswirkungen das hat“, sagt er. Ausführliche Gespräche mit der DAK stehen Montag an.

Die Patienten informierte Spieker ebenfalls am Freitag. Sie müssen die Klinik aber nicht sofort verlassen. Und wie es scheint, haben das auch längst nicht alle vor. „Ich finde es so toll hier. Ich bleibe“, sagte eine ältere Patientin am Abend. Dafür will sie auch den Umzug aus der achten Etage in Kauf nehmen. Denn der Plan sieht vor, das Bettenhaus peu-à-peu von oben nach unten zu leeren.

Spieker betont: „Ob Ärzte oder Pflegepersonal – in unserem Haus machen alle einen tollen Job. Aber die Schwächen der Immobilie können wie Menschen nicht ausgleichen.“



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