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Trotz aller Appelle der Politik

Stadt sperrt sich gegen Reinigung des Pyrmonter Bahnhofs

BAD PYRMONT. Hans-Joachim Böhnke vom Baudezernat wehrte sich mit Händen und Füßen – zumindest im übertragenen Sinn. Da half auch kein noch so dringender Appell aus den Reihen der Pyrmonter Politik. Nein, eine Reinigung des Bahnhofsgebäudes und der Bahnsteige komme für die Stadt Bad Pyrmont nicht in Betracht.

veröffentlicht am 05.12.2017 um 11:44 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 16:50 Uhr

Für den Durchgang zu den Bahnsteigen ist die Bahn verantwortlich. Sie reinigt hier einmal im Monat. Dass das nicht reicht, darüber ist man sich in Bad Pyrmont einig. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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„Diese Anlagen befinden sich nicht im Eigentum der Stadt. Da kann ich auch gleich die Kehrmaschine über den Parkplatz des E-Centers fahren lassen“, beschied der Leiter des Fachgebietes Bauverwaltung und Technische Dienste der Stadtverwaltung. Und überhaupt: Das wäre eine absolut freiwillige Aufgabe und was das bedeute, dürfte in Zeiten eines dauerhaft nicht ausgeglichenen Haushalts allen klar sein.

Der Pflegezustand des Bahnhofs ist ein altes und leidiges Thema. Vor allen Dingen der städtische Seniorenbeirat mit Annegret Webel an der Spitze hat nie nachgelassen, darauf hinzuweisen. Auf Anregung von Webel und der CDU hatte der Ausschussvorsitzende Dirk Emme das Thema nun erstmals auf die Tagesordnung eines städtischen Gremiums gesetzt.

„Immerhin trägt der Erfolg mit dem Wartehäuschen ein bisschen dazu bei, dem Bahnhof die Tristesse zu nehmen“, erklärte Webel. Das Wartehäuschen auf dem Bahnsteig war vom städtischen Bauhof in Schuss gebracht und mit Bildern von Schülern ausgeschmückt worden. Auch im Durchgang zu den Bahngleisen hängen seitdem Bilder.

„Die Bilder reichen aber nicht, es muss sich jemand für den Bahnhof zuständig fühlen“, lautete der Vorschlag der Vorsitzenden des Seniorenbeirats. „In Hämelerwald gibt es eine ehrenamtliche Rentnergruppe, in Wennigsen einen Kümmerer, der von verschiedenen Institution bezahlt wird.“ Es gehe nicht darum, die Bahn aus ihrer Verantwortung zu lassen, sondern darum, den Bauhof einmal in der Woche nach dem Rechten sehen zu lassen und Ordnung zu schaffen. „Der Bahnhof ist das Aushängeschild Bad Pyrmonts, und ich bitte inständig alle Zuständigen darum, sich noch einmal Gedanken zu machen“, appellierte sie und zog ausdrücklich das Staatsbad mit ein.

Unterstützung er hielt sie sowohl aus der Gruppe 17 als auch aus der CDU. „Einen Kümmerer werden wir dafür wohl nicht bekommen, wenn städtische Mitarbeiter wenigstens die Papierkörbe leeren, dann wäre schon etwas gewonnen“, meinte Katrin Drinkuth (CDU) und ihr Faktionskollege Rudi Leinhart erinnerte daran, dass die Stadt den Bahnhofsvorplatz ja sowieso reinige. „Was auf anderen Bahnhöfen möglich ist, sollte auch bei uns möglich sein“, meinte Hans-Herbert Webel (SPD). „Es muss wöchentlich doch nicht einmal eine Stunde sein, um hier ein wenig Ordnung zu schaffen.“

Doch Böhnke blieb bei seiner Haltung. „Der Bahnhof ist wichtig, sicher. Aber wir haben auch andere wichtige Objekte, um die wir uns kümmern müssen. Wenn hier Personal eingesetzt wird, dann fehlt das an anderer Stelle“, betonte er. Die Kosten für einen regelmäßigen Einsatz veranschlagte er auf rund 2500 Euro jährlich.

Und noch ein Argument hatte Böhnke: Höchstwahrscheinlich würde die Verkehrssicherungspflicht in diesem Bereich auf die Stadt übergehen. „Hier wäre zu prüfen, inwieweit der Kommunale Schadensausgleich als Haftpflichtversicherer der Stadt bereit wäre, diese Verkehrssicherungspflicht mitzutragen.“ Die Verantwortung für die Sauberkeit sieht er bei der Bahn. „Es ist sehr bedauerlich, wenn ein Konzern wie die Bahn nicht in der Lage ist, für einen sauberen Bahnhof zu sorgen.“

Zu einem Ergebnis kam die Runde nicht. Weitere Gespräche sollen folgen und das Thema am 12. Dezember im Bauausschuss noch einmal beraten werden.

Es muss sich jemand für den Bahnhof zuständig fühlen.

Annegret Webel, Vorsitzende des Seniorenbeirats
Mein Standpunkt
Hans-Ulrich Kilian
Von Hans-Ulrich Kilian

Natürlich ist die Bahn für ihre Haltestelle zuständig. Aber der Konzern lässt sich nun einmal nicht bewegen, mehr als die monatliche Grundreinigung zu übernehmen. Daran wird niemand etwas ändern. Bad Pyrmont ist Staatsbad und prädikatisierter Kurort und stolz darauf. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, sagt man. Was den Bahnhof angeht, scheint dieser Wille zu fehlen.

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