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Ermittlern liegen fast 20 Anzeigen angeblich Geschädigter vor / Anwältin bestreitet alle Vorwürfe

Staatsanwalt ermittelt gegen Makler Bäkmann

Bad Pyrmont. Früher waren es gekrönte Häupter, die der Kurstadt Glanz verliehen. Heute sind es Leute wie der Immobilienmakler Thomas Bäkmann. Zusammen mit seinem Lebensgefährten hat er in der Pyrmonter Hauptallee einen vor zwei Jahren mit viel Tamtam eröffneten kleinen Laden. Der hieß anfangs „Alfredo Lifestyle Boutique“. Seit der selbst ernannte Modezar Alfredo Pauly und Bäkmann keine Geschäfte mehr zusammen machen, firmiert er schlicht als „Luxus Shop“. Im Sommerschlussverkauf gibt es dort jetzt Kleidung, Accessoires, Schmuck und Nippes reduziert.

veröffentlicht am 01.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 17.01.2017 um 16:07 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Bundesweit ist Bäkmann den Seifenopern-Konsumenten aus der Sendung „Mieten, kaufen, wohnen“ beim Fernsehsender VOX bekannt. Dort besetzt er, mit protzigem Schmuck behängt, die Paradiesvogel-Rolle, wenn es gilt, die zur Schau gestellten Wohnungen und Häuser an vermeintlich reiche Kunden zu bringen. Auch Pyrmonter Immobilien flimmerten schon über die Mattscheibe.

Aktuell aber trifft das durch gewollt schrille Auftritte gepflegte Image des ebenso großzügigen wie steinreichen Bonvivants Bäkmann auf eine unangenehme Realität: Die Staatsanwaltschaft der nordrhein-westfälischen Stadt Hagen ermittelt gegen den Makler, der früher von Harsewinkel aus operierte und nun in Bad Pyrmont wohnt. Es besteht der Verdacht, dass er Anleger geprellt haben könnte. Den Ermittlern liegen Anzeigen von insgesamt fast 20 Menschen vor, die Bäkmann Betrug und Untreue vorwerfen. Um welche Summen es geht, ist noch nicht bekannt. Es könnten Millionen sein.

„Wir ermitteln aufgrund mehrerer Strafanzeigen“, bestätigte der Hagener Oberstaatsanwalt Hans-Werner Münker gestern auf PN-Anfrage. Derzeit sei man dabei, Zeugen zu vernehmen. Das werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

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  • Protzige Inszenierung: Thomas Bäkmann bei der Eröffnung der „Alfredo Lifestyle Boutique“ Ende August 2010. Foto: Archiv

Thomas Bäkmann war gestern telefonisch nicht zu erreichen. Aber seine Berliner Anwältin Olivia Holik äußerte sich: „Herr Bäkmann bestreitet die Betrugsvorwürfe grundsätzlich“, sagte sie. „Er hat noch nicht einmal eine Vorladung.“ Bisher wisse man auch noch nicht konkret, was ihm überhaupt zur Last gelegt werde.

Bekannte des Maklers werden deutlicher. Sie sprechen von Rufmord. So habe ein obskurer Schuldnerberater Bäkmanns Kunden zur Polizei geschickt, um sich an dem Makler zu rächen. Der sei wegen eigener Schulden mit dem Berater in Kontakt gekommen und selbst geprellt worden.

Doch derlei Vorwürfe beschäftigen die Ermittler aktuell nicht. Sie tragen nun die Aussagen von Bäkmanns Ex-Kunden zusammen. Einigen soll er geraten haben, Mietwohnungen für die Altersvorsorge zu kaufen. Er soll wiederholt Umschuldungen vorgenommen haben, bis die Anleger den Überblick verloren.

Einer von denen, die sich betrogen fühlen, ist Walter K.. Der heute 53 Jahre alte Hagener hatte Bäkmann in den 1990ern kennengelernt. Damals vermittelte der für die Köllner-Gruppe Wohnungen. Das Unternehmen ging 2008 nach einem Schrottimmobilien-Skandal pleite. Ein Jahr zuvor wollte K., der selbst zur Miete wohnt, eine von drei Eigentumswohnung verkaufen, in die er und seine Schwester all ihr Erspartes gesteckt hatten. „Er hat mich mit seinem Auftreten beeindruckt“, sagt der Arbeiter heute. Er will Bäkmann im Laufe von zwei Jahren insgesamt fast 100 000 Euro gegeben haben, angeblich als Sicherheiten für die Umschuldung – aber ohne Quittungen.

Der Makler soll ihm zwar Geschenke wie ein Telefon, ein Navi oder ein Laptop gemacht und auch alle sechs Monate 1200 Euro gegeben haben. „In Bad Pyrmont war ich auch mal“, erzählt K.. Der Großteil des Geldes aber sei verloren. Obendrein sitze er auf Schulden bei der Commerzbank, von denen er lange nichts wusste. Unter den Verträgen steht zwar sein Name. „Aber die Unterschriften sind nicht von mir.“

Ob sich der Verdacht gegen Thomas Bäkmann erhärtet, müssen die Ermittlungen zeigen.

Heute heißt das Geschäft an der Hauptalle an der Hauptallee „Luxus Shop“. Zu den Kunden zählen angeblich vor allem reiche ausländische Pyrmont-Besucher.

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