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„Gregorianika“ in der St.-Georgs-Kirche / Aber singen können sie

Sparsame gregorianische Ansätze

Winfried Kühne

veröffentlicht am 03.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 15:41 Uhr

Teils deutliche Intonationsirritationen liefert „Gregorian
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Bad Pyrmont. Das ist sie nun also, die Brücke zwischen der tiefen Mystik des „gregorianischen“ Mittelalters und der Gegenwart, geschlagen in der voll besetzten St.-Georg-Kirche von „Gregorianika“.

Hinter dem Namen verbirgt sich ein Ensemble von sieben männlichen Gesangssolisten aus der ukrainischen Stadt Lwiw, vielen hierzulande besser als Lemberg bekannt. Das Programm basiert auf katholischen Wurzeln, denn über 200 Jahre gehörte Lemberg als eines der Zentren im damaligen Galizien zu Österreich. In beiden Ländern war der Katholizismus Staatsreligion.

Verkleidet als Mönche im grauen Habit, dem äußeren Zeichen der Armut, ein bisschen „Ku-Klux-Klan“, spitze Kapuzen, zogen sie ein, in der Hand eine brennende Kerze. Der Dirigent und musikalische Leiter des Chores, Oleksiy Semenchuk, trug noch die knallrot lackierte Kassette mit der Abendkasse, die er in Sichtweite des geöffneten Tabernakelschreins deponierte. Da braucht man keinen Sicherheitsdienst!

Dann begann der „Abend im Kloster“, wie Pastor Walter Heinrichsrüscher meinte – oder das, was das Ensemble den Zuhörern mit seiner Show als solchen verkaufen wollte. Keine Frage, singen können sie und sie demonstrieren den Spaltklang slawischer Solistenchöre mit herausstechend lichtem Tenor, fundamentalem Bass und der Dichte in den Mittelstimmen.

Auch befinden sie sich in der Tradition slawisch sakraler Mehrstimmigkeit, die den feierlichen, vollklingenden Chorklang favorisiert. Effekte nutzen sich aber schnell ab, wenn bei über 20 Nummern jeder Schluss über die letzten Takte derart verbreitert wird.

Dass der gregorianische Choral noch seine Spiritualität nicht verfehlt, weiß jeder, der einmal eine Hore in Maria Laach, Kloster Wilten, erlebt hat. So verfehlte auch der einfache Gesang von Beispielen aus der katholischen Liturgie seine Wirkung nicht. Die offene Akustik der Kirche trug den verhaltenen Fluss der Choräle. In den mehrstimmigen Eigenkompositionen musste man gregorianische Ansätze suchen. Hier entwickelten die Sänger ein harmonisch-romantisches Ambiente, das an Bruckner oder Brahms erinnerte. Hier gab es leider deutliche Intonationsirritationen. Es ist ein Markenzeichen des Ensembles, ein oder zwei Solostimmen wirkungsvoll melodisch sich über einem gesummten Klangteppich entfalten zu lassen, Arrangements, die die Gefühlsschiene des Hörers bedienen. Da fügte sich die Zugabe nahtlos an: „Guten Abend, gute Nacht“.



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