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Vanessa Heitland zeigt sich überrascht, dass aus Personaldiskussion eine Grundsatzdebatte geworden ist

Sorgenvoller Abschied vom Bad Pyrmonter Museum

BAD PYRMONT. Die scheidende Museumsleiterin Vanessa Charlotte Heitland zeigt sich überrascht, dass aus einer Personaldiskussion eine Grundsatzdebatte über die Zukunft des Museums geworden ist. Im Gespräch mit den Pyrmonter Nachrichten anlässlich ihres Abschieds zeigte sie sich deshalb besorgt.

veröffentlicht am 22.05.2018 um 17:36 Uhr
aktualisiert am 22.05.2018 um 18:20 Uhr

Vanessa Charlotte Heitland verabschiedet sich von Bad Pyrmont. Ihren Schwerpunkt hat sie auf Kunstausstellungen gelegt. Hier steht sie neben den Bildern „Schiedersee 1 und 2“ von Anastasiya Nesterova aus der aktuellen Ausstellung „Floating“, die am S
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Vanessa Charlotte Heitland sitzt fast schon auf gepackten Koffern. Am Freitag hat die scheidende Leiterin des „Museums im Schloss“ ihren letzten Arbeitstag, am Sonntag macht sie sich auf den Weg nach Villingen-Schwennigen, wo sie am 1. Juni die Leitung der Städtischen Galerie übernimmt und am Montag folgen ihre Möbel im Umzugswagen. Dass sie mit ihrer Entscheidung, Bad Pyrmont zu verlassen, eine Diskussion über die Zukunft des von ihr seit 2015 geleiteten Museums ausgelöst hat, hätte sie nicht gedacht. „Es hat mich sehr überrascht, dass aus einer Personaldiskussion eine Grundsatzdebatte geworden ist, und der Zeitpunkt ist sehr unglücklich“, sagte sie am Dienstag im Gespräch mit dieser Zeitung und zeigte sich besorgt über die Entwicklung.

Bekanntlich hat die Gruppe 17 die Entscheidung über die Stellenausschreibung und damit über Heitlands Nachfolge mehrfach vertagt und eine grundsätzliche Diskussion über die Zukunft des Museums begonnen. Dass dabei bislang weder sie noch ihre Mitarbeiter einbezogen worden seien, sei sehr schade. „Wir wären gerne bereit, darüber zu berichten, wie das Museum funktioniert und was wir hier tun“, stellte sie fest. Aus ihrer Sicht ist das offenbar notwendig, denn die Diskussion, so stellt sie fest, sei von Personen begonnen worden, die sie in den letzten Jahren nicht im Museum gesehen habe. „Wenn wir berichten könnten, was wir hier tun, dann würde sich auch die Frage nach der Effizienz unserer Arbeit erledigen. Die empfinde ich im Übrigen als persönlichen Affront. Da fehlt die Wertschätzung gegenüber städtischen Mitarbeitern.“

Heitland verteidige, dass sie den Schwerpunkt bei ihren Sonderausstellungen auf bildende Kunst gelegt habe. Sie kennt die kritischen Töne. Das Museum habe dadurch einen neuen Aspekt bekommen und sie habe sehr viel positives Feedback erhalten – von neuen Besuchern von außerhalb wie auch von Pyrmontern. Das schönste Lob sei es gewesen, wenn Besucher dadurch Zugang zur bildenden Kunst bekommen hätten. „Es wäre gut für dieses Haus, daran anzuknüpfen“, rät sie.

Die Stadt sollte ihrem Anspruch, Kulturstadt zu sein, gerecht werden.

Vanessa Charlotte Heitland, Scheidende Museumsleiterin

Egal sei ihr eben nicht, was aus dem Museum werde. Das sei gut aufgestellt. Aber jetzt drohe durch die vakante Leitung ein Bruch. „Wenn längere Zeit nichts passiert, dann ist das nur sehr schwierig wieder aufzuholen“, warnt sie. Natürlich könne man auch über die Wirtschaftlichkeit eines Museums sprechen, aber es sei klar, dass Kultur immer ein Zuschussgeschäft sei und nicht mit den gleichen Maßstäben wie ein Wirtschaftsunternehmen gemessen werden könne. „Das Museum ist das Herzstück dieser Stadt und darüber hinaus. Es ist das Gedächtnis dieser Stadt und gäbe es das Museum nicht, dann gäbe es keinen Ort, wo die Geschichte bewahrt und in die Zukunft getragen wird. Das lässt sich nicht alleine mit Besucherzahlen rechnen“, warnt sie vor einer zu sehr finanziellen Betrachtung. Im übrigens sei es nicht richtig, in der Diskussion nur zahlende Besucher zu berücksichtigen. „Die Mitglieder des Museumsvereins zahlen zwar keinen Eintritt aber ihren Beitrag und sind für das Museum in vielfältige Weise unglaublich wichtig. Sie kann man nicht aus dieser Rechnung herausnehmen.“ Auch die Gäste mit der Premium Card, die freien Eintritt haben, müsse man einbeziehen, denn die Teilnahme an dem Programm sei eine bewusste Entscheidung gewesen, neue Besucher zu gewinnen.

Das Museum auf einen anderen Träger zu übertragen, sieht sie sehr kritisch. „Ich hätte Angst, dass die Stadt sich damit aus der Verantwortung ziehen könnte. Sie erhebt immerhin Anspruch darauf, Kulturstadt zu sein und sie sollte diesem Anspruch auch gerecht werden.“

Heitland verlässt Bad Pyrmont, weil sie in Villingen-Schwenningen eine reizvolle Aufgabe mit mehr Möglichkeiten übernimmt. Die Stadt hat gerade erst eine Diskussion über eine ehrenamtliche Betreuung der Städtischen beendet. Es war fast die gleiche Diskussion, wie jetzt in Bad Pyrmont. Jährlichen Kosten in Höhe von 350 000 Euro stehen dort 3700 Besucher pro Jahr gegenüber. Unterschied zu Bad Pyrmont: Die Kommune in Baden-Württemberg hat keine finanziellen Probleme.



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