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In Pyrmont von ihrem Vater an den Brandenburger Hof versprochen

Sophie Charlotte: Preußens erste Königin

BAD PYRMONT. Im Zeichen des 100-jährigen Jubiläums stellt der Fürstentreff-Verein in diesem Jahr sieben Frauen vor, die schon weit früher die Geschicke Europas mitgeprägt haben, auch wenn ihnen die großen Artikel in den Geschichtsbüchern versagt geblieben sind. In einer losen Folge werden bereits jetzt die einzelnen Damen, die auch in Pyrmont weilten, nacheinander vorgestellt. Diesmal geht es um die schöngeistige Sophie Charlotte von Hannover, die beim Fürstentreff von Christiane Reese dargestellt wird.

veröffentlicht am 06.05.2019 um 16:59 Uhr

Sophie Charlotte von Hannover wird beim Fürstentreff von Christiane Reese dargestellt. Foto: yt
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Autor

Carlhermann Schmitt Reporter
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Mit Sophie Charlotte, Kurfürstin von Brandenburg, Königin in Preußen, geborene Prinzessin von Braunschweig-Lüneburg, hat eine weitere wichtige Dame der Geschichte in Pyrmont geweilt. Welch immense Bedeutung die Tochter Sophies von der Pfalz und des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg hatte, zeigte sich nach ihrem Tod 1705: König Friedrich I. ließ ihr Lustschloss zu einem dynastischen Prachtbau mit der markanten Kuppel und großer Orangerie ausbauen und als Schloss Charlottenburg an die erste preußische Königin erinnern. Und Friedrich I. erhob ihre höfische Lebensart, ihr Interesse an den schönen Künsten und der Philosophie zum geradezu staatstragenden Lebensstil.

Sophie Charlotte wurde 1668 geboren und sprach bereits mit sieben Jahren fließend englisch, französisch und italienisch. Ihre besondere Begabung lag allerdings in der Musik. Schon früh spielte sie herausragend Cembalo und komponierte kleine Musikstücke.

Während eines Aufenthaltes in Pyrmont wurde sie von ihrem ehrgeizigen Vater an den Brandenburger Hof versprochen. Sie heiratete 1684 Friedrich Kurfürst von Brandenburg, um damit ihrem Vater den Weg zur Kurfürstenwürde zu ebnen. Allem politischen Kalkül zum Trotz sollte diese Ehe aber eine der erfolgreichsten Verbindungen ihrer Zeit werden. Sie begleitete als zweite Frau – die erste war an Pocken gestorben – Friedrich durch eine sehr unsichere Zeit voller familiärer und politischer Konflikte. Nach dem Tod von dessen Vater 1688 gelang es Friedrich, sich gegen seine Geschwister durchzusetzen und die Einheit Brandenburg-Preußens zu bewahren. Außenpolitisch wechselte er die Fronten, unterstützte Wilhelm von Oranien und schloss sich einer antifranzösischen Allianz an. Gemeinsam mit Sophie betrieb er die Aufwertung seines Reiches zum Königtum.

Die Idee dahinter bestand nicht nur in einer höheren Stellung in der europäischen Adelshierarchie, sondern auch darin, den innerlich zerrissenen Staat zu einen. 1701 unterstrich Friedrich I. seine Souveränität, indem er sich selbst die Krone aufs Haupt setzte und auch seine Gemahlin krönte. Zu dieser Zeit lebte Charlotte schon relativ unabhängig auf dem Gut Lietzow bei Berlin. Friedrich hatte nur Zutritt, wenn er ausdrücklich eingeladen war. Charlotte wusste Hof und Salon zu halten. Sie zog bekannte und wichtige Persönlichkeiten an, wie den Philosophen Leibnitz. Man führte philosophische und wissenschaftliche Gespräche und setzte sich auch gemeinsam für die Gründung einer wissenschaftlichen Akademie in Berlin ein, die Friedrich dann auch im Jahr 1700 auf den Weg brachte.

Ihr Mann, König Friedrich I., hatte kein enges Verhältnis zu Sophie, aber er erkannte, welch wichtige Rolle sie mit ihrer intellektuellen Aufgeklärtheit und ihrem schöngeistigen Charakter für das Staatswesen spielte. Denn auch Wissenschaft und Kunst waren Instrumente, um den Frieden zu erhalten und den Drang der Menschen hin zu neuen Ufern in fruchtbare Bahnen zu lenken.

Und obwohl er sich von seinen drei engen Beratern so sehr hatte hinters Licht führen lassen, dass sie den Staat ausplündern konnten, und obwohl seine Festlichkeiten und seine Kulturpolitik selbst den Staat schwer belasteten, hatte er sich gerade hierdurch einen nicht hoch genug zu bewertenden Verdienst errungen: „Wenn Friedrich I. Lob verdient, so geschieht es deshalb, weil er seinen Landen immer den Frieden erhalten hat, während die Nachbarn vom Krieg verwüstet wurden“, erklärte sein Enkel Friedrich II. Wie sehr Friedrich I. die Rolle Sophie Charlottes dabei schätzte, zeigte sich nach ihrem frühen Tod 1705, als er Lietzenburg in Charlottenburg umbenannte und ihr eine Beerdigung stiftete, die über 200 000 Taler kostete und mehr als 80 000 Gäste nach Berlin lockte.



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