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Das Wetter hat den Hoteliers und Wirten bislang das Geschäft verdorben / Hoffen auf den Fürstentreff

„So schlecht war es noch nie!“

Bad Pyrmont. Vergangenen Freitagmittag am Brunnenplatz – leichter Nieselregen, 14 Grad Celsius, die Innenstadt ist wie ausgestorben. Die Bestuhlung vor den Restaurants und Cafés wirkt irgendwie deplatziert. Bei dem Wetter lohnt es sich nicht einmal, die Sitzkissen und Decken rauszulegen. Tatsächlich ist kaum jemand zu sehen, der Lust hat, ein wenig zu flanieren geschweige denn im Freien zu essen oder einen Kaffee zu trinken. Und doch, zwei Unentwegte mit Regenschirm und wetterfesten Jacken haben sich auf den Weg nach Bad Pyrmont gemacht.

veröffentlicht am 03.07.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 00:41 Uhr

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Autor:

Karl-Heinz Recklebe
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Hans und Heika Visser aus Britsum in Holland machen Urlaub auf dem Campingplatz in Barntrup. Sie wollen ein bisschen die Spuren der holländischen Königinmutter Emma in Bad Pyrmont entdecken. „Bei uns zu Hause ist das Wetter auch nicht besser“ lachen sie, „gerade richtig, um die Schlossinsel und das Museum zu entdecken.“ So entspannt können es die Pyrmonter Gastronomen und Hoteliers nicht sehen. „Bis jetzt hatten wir nur zwei richtig gute Tage, den übrigen Auftakt der Saison kann man komplett vergessen“, meint dazu Hakan Yildiz, der mit viel Engagement im letzten Jahr die früheren Alleestuben wiederbelebt und unter dem Namen Violett ein Café und Restaurant in der Hauptallee betreibt. „Wir haben ein Jahr ohne Pause gearbeitet, der Juli und August müssen es jetzt bringen“, meint er etwas gestresst und blickt hoffnungsvoll auf das etwas bessere Wetter der letzten Tage.

Auch Robert Schmidt, der das Café und Restaurant in der Wandelhalle betreibt, ist deprimiert mit dem Jahr. „Dezember und Januar waren bei uns ganz schlecht. Aber es liegt nicht nur am Wetter, dass ich nicht zufrieden bin“, klagt er. Für ihn sind fehlende Angebote für Familien mit Kindern, die Nichtbesetzung der Tourist-Information in der Wandelhalle am Wochenende und der Brunnenausgabe am Sonntag gravierende Kritikpunkte. Dass die Zahl der Tagesausflügler zurückgegangen ist, führt er auch auf die seit über einem Jahr gesperrte Bad Freienwalder Brücke zurück. „Ältere Gäste, die schon öfter hier waren, finden sich nicht mehr zurecht und fahren einfach weiter“, meint er. Es sei auch sehr schwer, Bustouristen nach Pyrmont zu bringen, weil die Autobahnanschlüsse so weit entfernt seien.

Und wie sieht es in den Hotels aus? „Es ist schrecklich“, sagt Ali Kobari vom Hotel „Goethehaus“, dem Drei-Sterne-Haus in der Straße am Hylligen Born. „So schlecht wie in diesem Jahr war es noch nie! Aber wir sind immer noch besser dran als die Kollegen im Hochwassergebiet“, tröstet er sich. „Unsere Kosten laufen weiter, ob wir einen oder 100 Gäste haben“, stellt er fest und hofft auf Gäste durch die Historienveranstaltung Fürstentreff am kommenden Wochenende.

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Hans und Heika Visser aus Britsum in Holland entdecken Bad Pyrmont und lassen sich vom Regen dabei überhaupt nicht stören.

Stahlhut: „Die

Zahlen sind gar nicht so schlecht“

Für Karsten Stahlhut sieht die Situation im Übernachtungsgewerbe trotz ungünstiger Witterung gar nicht so schlecht aus. Nach seinen Zahlen ergibt sich gegenüber dem Vorjahr kein Rückgang. „Das muss man vor dem Hintergrund sehen, dass wir letztes Jahr ein Plus von 15 Prozent hatten“, gibt der Geschäftsführer der Bad Pyrmont Tourismus GmbH (BPT) Auskunft. Große Hoffnung setzt er in das von ihm eingeführte Konzept der Premium-Club-Card. Diese Club-Card bekommen die Gäste der teilnehmenden Übernachtungsbetriebe kostenlos und haben damit an bestimmten Tagen zum Beispiel freien Eintritt in die Hufelandtherme, Pyrmonter Welle, Tierpark, geführte Wanderungen, kostenloses Elektrofahrrad und einiges mehr. „Neben echten Kostenvorteilen bieten wir mit diesem Konzept nicht nur einen aktiveren, erlebnisreicheren Urlaub, sondern machen unseren Gästen auch Angebote, die nicht so sehr wetterabhängig sind“, so Bad Pyrmonts Tourismusmanager. Wichtig sei jetzt, dass die Betriebe in Bad Pyrmont dieses Konzept konsequent mit umsetzten, appelliert er und verweist auf den Erfolg mit einem ähnlichen Konzept in Oberstaufen im Allgäu. Dort konnten die Übernachtungszahlen innerhalb von fünf Jahren um 35 Prozent gesteigert werden. In Bad Pyrmont sind zurzeit 50 von 100 Gastronomen im Boot, die bisher 2320 Karten angefordert haben.

Auch Alexandra Stille-Hönig vom Hotel und Restaurant „Alte Villa Schlossblick“ verspricht sich einiges von der Club Card, denn auch sie beklagt in diesem Jahr eine unterdurchschnittliche Auslastung. „Bei diesem Wetter fehlen uns bislang die Spontanurlauber, die kurzfristig ein paar Tage buchen“, weiß sie zu berichten. Sie lobt aber auch das Kulturprogramm in Bad Pyrmont, das viele auswärtige Gäste in die Stadt bringe.

Ursula Schlichting aus Berlin hat einen längeren Aufenthalt im „Apparthotel“ von René Gruhn und Stephanie Göbel in der Seipstraße gebucht. Ihr mache das schlechte Wetter nichts aus, weil sie ein gemütliches Appartement hat, in dem sie sich auch tagsüber gerne aufhalte, versichert sie. „Wenn es schön ist, klingelt unser Telefon schon öfter für Buchungsanfragen“ so René Gruhn. „Haben wir die Gäste erst einmal hier, dann gelingt es uns unabhängig vom Wetter, ihnen einen angenehmen Aufenthalt zu gestalten. Denn der Name Bad Pyrmont hat immer noch einen guten Klang bei den Gästen.“



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