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Ein hinreißender Konzertabend mit Justus Frantz als Künstler und Lehrer

So modern ist Mozart

Bad Pyrmont. Mit straffem Schritt betritt er die Bühne, marschiert an den Bühnenrand und legt ohne Umschweife los. Und vom ersten Satz seiner Moderation an hat er das Publikum auf seiner Seite.

veröffentlicht am 28.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 14:21 Uhr

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Autor:

Rudi Rudolph
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Justus Frantz ist einer jener Pianisten mit ungeheuerem Charisma, die einen ganz direkten Kontakt zum Zuhörer bevorzugen und die von der Zuwendung aus dem Auditorium leben und daran wachsen.

Zweifellos ist Frantz ein begnadeter Künstler auf dem Steinway-Flügel, doch machte die Kombination aus Künstler und Lehrer den Charme des Abends aus. Seinem durchaus positiven Drang, den Besuchern mehr als nur Musik zu vermitteln, konnte er am Donnerstag im Konzerthaus in unterhaltsamer Weise nachgeben, indem er die Reise Wolfgang Amadeus Mozarts im September 1777 nach Paris als Aufhänger für die drei Sonaten nutzte, die er – jeweils mit didaktisch geschickt gewählten Klangbeispielen unterstützt – anmoderierte.

Die Strenge von Mozarts Vater Leopold und die Abhängigkeit von dem intriganten und verhassten Salzburger Fürstbischof Graf Colloredo waren Klammern, die Mozarts Entwicklung einengten und von denen er sich auf seiner Parisreise, ohne seinen Vater, emanzipierte.

Justus Frantz nennt daher auch die Klaviersonate F-Dur, KV 332 die „Aufbruchs- und Reisesonate“. In der begreift Mozart den Horizont seiner Welt nicht als Begrenzung, sondern als unendliche Möglichkeit. Brillante und verspielte Passagen illustrieren den Aufbruch, und, so Frantz: „Der 3. Satz ist für einen Pianisten ungeheuer kompliziert.“ Die erste Etappe auf Mozarts Reise, die er zusammen mit seiner Mutter unternimmt, ist Augsburg. Und, kaum ist der Vater nicht dabei, geschieht, was geschehen muss: Mozart verliebt sich in seine Cousine, das „Bäsle“. Die weitere Reise führt ihn nach Mannheim, wo er sich gleich wieder verliebt, diesmal in seine spätere Schwägerin, die Sängerin Aloysia Weber. Sein Vater platzt daraufhin fast vor Zorn. Er schickt den Filius weiter nach Paris, und Mozart lässt seiner Zerrissenheit zwischen den Gefühlen mit der Komposition der Klaviersonate in a-moll, KV 310, freien Lauf. Justus Frantz nennt sie die „Zornes-Sonate“, und er interpretiert sie mit donnernden Passagen, die wirklich an moderne Popmusik erinnern. „Mein Sohn behauptet, es gäbe eine Gruppe namens Supertramp“, sagt der 69-Jährige, „und Einiges von denen hat wohl schon Mozart vorweggenommen“.

Die Klaviersonate A-Dur, KV 331, geschrieben in Paris, liefert mit ihren sechs Variationen im ersten Satz den wahren Schlüssel zum Verständnis Mozarts. Zu Beginn unglaublich bewegend und gleichzeitig glücklich und traurig machend, dann im 2. Satz das vielleicht schönste Menuett, das Mozart geschrieben hat, und schließlich im 3. Satz „Alla Turca“, der berühmte „Türkische Marsch“. Ein grandioses Konzert, das vom gut gefüllten Saal mit lang anhaltendem Applaus bedacht wurde. Die Zugaben gab Justus Frantz nicht ohne Hintergedanken: Eindringlich wies er auf sein Projekt der „Philharmonie der Nationen“ hin, das er gemeinsam mit Leonard Bernstein gegründet hatte und das unter seinen Musikern Muslime, Christen und Juden vereint. Darüber hinaus lagen für das Publikum im Foyer Unterschriftenlisten aus, in denen man seine Unterschriftenaktion für eine Petition unterstützen konnte, die sich für die Vereinigung von Musikern zu einem gemeinsamen Orchester in Südostasien ausspricht und zu der „Angela Merkel nur Sympathie ausdrücken soll.“ Hier können etwa Menschen aus China, Nord- und Südkorea, Vietnam und Japan „völkerverbindend etwas für den Frieden tun“, appellierte Frantz an das Publikum.

Justus Frantz weiß, wie man das Publikum fesselt. Das gelingt ihm im Pyrmonter Konzerthaus denn auch im Nu. ar



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