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Fürstentreff greift Wahlrecht auf

Sieben starke Fürstinnen

BAD PYRMONT. An den Wahlen zur verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 konnten Frauen zum ersten Mal aktiv und passiv teilnehmen. An diese einschneidende Errungenschaft, für die die Frauen so lange kämpften will der Pyrmonter Verein „Fürstentreff“ in diesem Jahr erinnern.

veröffentlicht am 06.01.2019 um 12:50 Uhr

Die Mitglieder des Fürstentreffs, die sich für dieses Foto auf dem Brunnenplatz eingefunden haben, freuen sich auf das kommende Jahr. Foto: yt ...
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Carlhermann Schmitt Reporter
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„Vor 100 Jahren haben sich Frauen zum ersten Mal aktiv und auch passiv an Wahlen in Deutschland beteiligt, politisch aktiv waren sie aber schon viel länger, wenn ihr Wirken auch hinter den Kulissen stattfand, oder von den Geschichtsschreiben einfach ignoriert wurde“, erklärte die Vorsitzende des Fürstentreffs Christiane Richter das Motto des diesjährigen großen Sommerfestes am ersten Juli-Wochenende: „Starke, schöne und einflussreiche Fürstinnen in Pyrmont“.

Sieben Frauen sollen in kleinen szenischen Stücken den Besuchern des Fürstentreffs im Juli vorgestellt werden. „Wir wollen an verschiedenen Orten die Adligen Damen durchaus amüsant und vergnüglich präsentieren. Dabei soll aber durchaus deutlich gemacht werden, wie wichtig ihr Wirken für die Gesellschaft und für die politische Entwicklung war.“

Christiane Richter nimmt Kurfürstin Dorothea Sophie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg zum Beispiel: „In zweiter Ehe mit dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg verheiratet erwarb sie sich großes Ansehen dadurch, dass sie nicht nur als Beraterin des Kurfürsten sowohl an den Feldzügen beteiligt war, sondern auch auf Augenhöhe mit ihm Politik gemacht und alle staatstragenden Pläne diskutiert hat.“ Richter weist darauf hin, wie duch die nachgerade reißerischen Memoiren des langjährigen Kammerherrn Karl-Ludwig von Pöllnitz das Geschichtsbild über die Kurfürstin nach ihrem Tode verzerrt worden sei. Er beschrieb die Staatsfrau als intrigant und habgierig und als Karikatur einer schwarzen Stiefmutter, die auch vor Giftmord nicht zurückschreckt. Vielleicht hoffte er, an die Shakespearschen Tragödien wie Hamlet oder Macbeth anknüpfen zu können. Und während er zwar von seinen Zeitgenossen nicht ernst genommen wurde, machte es immerhin sogar auf Theodor Fontane Eindruck, der in seinen „Wanderungen“ daraufhin ins selbe Horn blies.

Das war auch spannender, als eine Staatsfrau darzustellen, die volkswirtschaftliche Zusammenhänge verstand und zu ihrem und ihrer sechs Kinder Nutzen – aber auch zum Nutzen der Bevölkerung – zu beeinflussen verstand. Und das über 50 Jahre vor der Geburt von Adam Smith, der als Vater der klassischen Nationalökonomie gefeiert wird. Mit geschickten Investitionen und innovativer Steuergesetzgebung befeuerte die Kurfürstin gdas Wirtschaftswachstum, was das Volksvermögen und die Staatswirtschaft förderte.

„Auf Plakaten und mit Flyern wollen wir jeden Monat eine Frau vorstellen, die letztlich die Welt veränderten, wie Dorothea“, verkündet Christiane Richter die große Aufgabe, der sich der Fürstentreff in diesem Jahr widmen will. „In dem Jahr, in dem sich die erste Wahl, an der Frauen in Deutschland teilnehmen durften, zum 100. Mal jährt.“

Gleich zwei Anliegen will der Verein mit diesem Motto bedienen: „Wir wollen zum einen damit zeigen, dass es sich lohnt, auf Frauen zu hören, und zwar noch deutlich mehr, als es bislang der Fall ist, in der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft noch immer männerdominiert ist. Und wir wollen zeigen, dass es trotzt aller Widrigkeiten, denen Frauen bislang noch gegenüberstehen, für sie lohnt, zu kämpfen und sich für ihre Ideale einzusetzen.“ So könnten die Portraits der starken Frauen, die der Fürstentreff in diesem Jahr zeigen will, vielleicht auch Grundlage sein für ein Vorbild, das zeigt, dass Aufgeben keine Option ist.



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