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Alles begann 1867 durch einen privaten Unternehmer

Seit 150 Jahren wird in Bad Pyrmont Gas produziert

BAD PYRMONT. Am Samstag werden in der Kurstadt die Uhren, ja die Kalender zurückgedreht, und zwar um 150 Jahre. So lange werden die Menschen in Bad Pyrmont mit Gas versorgt. Man schrieb das Jahr 1867, als nach jahrelangen politischen Forderungen nach einer technischen Modernisierung der Stadt mit der Gründung des ersten und zunächst privaten Gaswerkes alles begann.

veröffentlicht am 16.06.2017 um 14:39 Uhr
aktualisiert am 16.06.2017 um 16:54 Uhr

Das alte Bad Pyrmonter Gaswerk mit einem dazu gehörenden Wohnhaus auf einer Fotografie von 1910. Foto: Stadtwerke Bad Pyrmont/Archiv
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Damals war es der Unternehmer Plate, der in der altehrwürdigen Badestadt durch Kohlevergasung Gas produzierte, welches dann zur Beleuchtung von Wohnungen und Straßen genutzt wurde. Bis dahin gab es in dem Kurort weder Gas noch Elektrizität oder Wasserleitungen. Bereits sieben Jahre zuvor hatte der damalige Kreisrat Neumann gefordert, eine Gasversorgung in Bad Pyrmont sicherzustellen – doch schon damals dauerte die eine oder andere Neuerung eben etwas länger.

Im März 1867 wurde dann der Vertrag unterzeichnet, im Dezember 1867 das Gas-Unternehmen am Bad Pyrmonter Waisenhof in Betrieb genommen. Nur drei Jahre später kaufte die Stadt Bad Pyrmont das Gaswerk für 20 500 Taler. Gasdirektor Plate hatte sich für die Gründung des Gaswerkes hoch verschuldet, jedoch zu wenig Kundschaft und Einnahmen, konnte die Zinsen nicht bezahlen – sodass sein Unternehmen „ohne großes Zögern“ – wie es in der Bad-Pyrmont-Chronik von Wilhelm Mehrdorf und Luisa Stemler von 1985 heißt – versteigert wurde. Die Firma Samuel Israel ersteigerte das Gaswerk, verkaufte es aber direkt an die Stadt weiter. Die Stadtwerke Bad Pyrmont feiern diese Übernahme des einstigen Privatunternehmens durch die Stadt als Geburtsstunde der Stadtwerke. Im Besitz des Gaswerkes ist die Stadt seit dem 9. November 1870.

Heute gehören die Stadtwerke Bad Pyrmont zu den wirtschaftlichen Stützen der Kurstadt Bad Pyrmont: Sie beschäftigen 100 Mitarbeiter, haben 13 000 Strom-, 10 000 Wasser- und 4000 Erdgaskunden, erwirtschaften knapp 30 Millionen Euro Jahresumsatz. Geschäftsführer Uwe Benkendorff ist sich über den Stellenwert, aber auch die Verantwortung des Unternehmens im Klaren: „Wir liefern pro Jahr 600 000 Megawattstunden Strom, 200 000 Megawattstunden Gas und 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser an unsere Kunden. Bei Strom und Gas haben wir hier vor Ort einen Marktanteil von 90 Prozent, das liegt weit über dem Bundesdurchschnitt.“

Bad Pyrmonts Stadtwerke-Geschäftsführer Uwe Benkendorff hat den wirtschaftlichen Turn-around geschafft: Die Stadtwerke haben sich aus den roten Zahlen in die Gewinnzone gearbeitet. Foto: Martin Stamm/©Stadtwerke Bad Pyrmont/PR
  • Bad Pyrmonts Stadtwerke-Geschäftsführer Uwe Benkendorff hat den wirtschaftlichen Turn-around geschafft: Die Stadtwerke haben sich aus den roten Zahlen in die Gewinnzone gearbeitet. Foto: Martin Stamm/©Stadtwerke Bad Pyrmont/PR

Unter dem Strich und nach Steuern haben die Stadtwerke im letzten Jahr 525 000 Euro Gewinn gemacht. Stadtwerke-Chef Benkendorff kann sich und seinen Mitarbeitern auf die Schulter klopfen. „Wir sind zufrieden“, sagt er mit Blick auf das Jahresergebnis für 2016. Die Energiebranche ist seit vielen Jahren in einem permanenten Umbruch, und ohnehin haben es die kleineren Stadtwerke schwer im Gerangel auf dem Energiemarkt: Neben den drei, vier Großen der mittlerweile europaweit agierenden Branche ist der Einkauf von Gas, Wasser und Strom für die Verbraucher auch ein Online-Geschäft geworden. Viele Anbieter, die ihre Energie ins Weserbergland liefern, haben gar keine Geschäftsstelle vor Ort – aber die Stadtwerke, die vor Ort verwurzelt sind, hier ihre Historie haben, denen die Menschen vor Ort häufig auch sehr treu sind. Benkendorff, der auch schon bei größeren Versorgern gearbeitet hat, ist ein Verfechter der regionalen Anbieter – und will deshalb auch weiterhin vor Ort investieren: „Wir planen in den nächsten zehn Jahren Investitionen von etwa 25 Millionen Euro“, sagt der Geschäftsführer. Der größte Teil dieser Summe wird über die kommenden Jahre in die Netze und deren Modernisierung investiert.

Mein Standpunkt
Thomas Thimm
Von Thomas Thimm

Die Stadtwerke Bad Pyrmont haben allen Grund zum Feiern. Nicht nur wegen 150 Jahren Gasversorgung. Sondern vor allem, weil das Unternehmen wieder Geld verdient. 2014 noch mit 350 000 Euro in den roten Zahlen, wird jetzt wieder Gewinn gemacht.



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