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Von Bach bis Cage: Die jüngste „Oesdorfer Abendmusik“ war für Akteure und Zuhörer eine Herausforderung

Sehnsucht nach Stille

Bad Pyrmont. „Ich wünsche dir Stille, denn dein Tag ist zu laut, und sein Lärm bringt dir Pein. Es gelingt dir nicht mehr, bei dir selber zu sein“, zitiert Sprecherin Heike Kreienmeier die Dichterin Elli Michler. Dabei steht sie im Altarraum der dunklen Kirche und wird nur von einem gelben Licht angestrahlt, das ihren Schatten unter dem Kreuz an der Wand erkennen lässt. Nachdem Grillengezirpe von Baumaschinen übertönt wird, sehnt sich der Hörer danach, dass dieses dröhnende Geräusch endlich verstummt.

veröffentlicht am 13.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 07:41 Uhr

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Autor:

Claudia Guenther
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Ob bei „Ein Lied aus Stille und aus Septemberlicht“, „Gesänge in der Stille geboren“ oder „Sei stille müd gequältes Herz“ – einzeln oder gemeinsam stehen dabei die vier Sprecher im Altarraum. „Stille hat verschiedene Facetten“, beschreibt Kantor und Chorleiter Christoph Burkhardt die Intention des Sprecherteams der Kirchengemeinde Falkenhagen zu dieser Licht-Ton-Installation. Wegen der Bauarbeiten an der St.-Petri-Kirche findet die jüngste „Oesdorfer Abendmusik“ in der katholischen St.-Georgs-Kirche Unterschlupf.

Die Zusammenstellung des Programms: „Schweigen – meine Seele ist stille“ besteht aus kurzen Texten und Gedichten, Geräuschen, Musik, Stille, dem Spiel mit Licht, Dunkelheit und Schatten. Die Texte und die Musik bildeten dabei eine harmonische Einheit. Bach und Improvisationen auf dem Stage-Piano sowie das Eichendorff-Lied „O Du stille Zeit“ fanden darin ebenso ihren Platz, wie zwei Psalmen in Gebärdensprache, vorgetragen von Uwe Sundermann.

„Ich dachte, das Stück beginnt mit Stille“, bekennt eine Zuhörerin über ihre schweifenden Gedanken während des im wahrsten Sinne des Wortes stillen Stückes „4‘33“ des amerikanischen Avantgardisten John Cage. Doch nur die drei aufeinanderfolgenden Farben Rot, Blau und Gelb durch das Scheinwerferlicht unterteilten das Werk in drei Abschnitte. „Ich habe dann einen Zugang dazu gefunden“, meint die Frau. „Das war eine Herausforderung für die Lichttechnikerin“, meint Burkhardt schmunzelnd. Kurz vor dem Konzert war die programmierte Licht- und die Tontechnik abgestürzt und muss nun manuell geregelt werden, wovon die Besucher jedoch nichts bemerken.

Weniger ist mehr, so sagt man. Und die Stille kommt wohl wirklich bei den Besuchern an, die in den dunklen Bänken nicht nur der Kälte wegen ruhig dasitzen. Heinrich Bölls Kurzgeschichte „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“, beträgt nur drei aneinandergeklebte Tonbandminuten, weil die Menschen so wenig schweigen. Wer die Facetten der Stille verpasste, hat Gelegenheit, sie am Ewigkeitssonntag in Falkenhagen einzufangen.



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