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Kantorei der Christuskirche studiert Oratorium „Die letzten Dinge“ ein

Schon bei der Probe Gänsehaut

BAD PYRMONT. „Es haben mindestens drei Leute nicht geguckt – ich ertappe euch alle.“ Stadtkantor Dirk Brödling wirbelt auf der kleinen Bühne im evangelischen Gemeindehaus der Christuskirchengemeinde zwischen Flügel und Bühnenrand hin und her, gestikuliert und formt mit dem Mund lautlose Worte. Ihm gegenüber die Gruppe von über 20 Menschen der Kantorei der Christuskirche, die ihn konzentriert beobachtet und am Sonntag um 18 Uhr in voller Perfektion das zur Aufführung bringen will, weshalb sie hier ist: das anspruchsvolle Oratorium „Die letzten Dinge“ des großen Geigenvirtuosen und Komponisten Louis Spohr.

veröffentlicht am 20.11.2018 um 17:33 Uhr
aktualisiert am 20.11.2018 um 20:30 Uhr

Die Kantorei der Christuskirche probt unter der Leitung von Dirk Brödling für das Oratorium. foto: rr
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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Bei der Aufführung werden sie ergänzt durch die Kantorei Bodenwerder, wo Christiane Klein das Werk einstudiert, sowie durch vier Gesangssolisten und das Ensemble Antico. Brödling führt die Probe mit ungeheurem Engagement, es ist förmlich Schwerstarbeit, die er leistet. Das Anspielen am Flügel, der exakte Einsatz, das Singtempo und die Modulation, alles wird von ihm registriert und Fehler dürfen sich nicht einschleichen. „169 noch mal, mit Anlauf und wieder im Stehen“, fordert er, und die Chormitglieder folgen präzise. Mit manchen Ausführungen ist der Leiter nicht einverstanden. Mal ist der Tenor zu laut, und Dirk Brödling gibt Anweisungen. „Ihr müsst euch entspannen und loslassen“, oder „Wenn man schon lange forte war, ist nichts mehr drin.“ Damit meint er, dass ein langer Einsatz in lauter und kräftiger Manier am Ende nicht mehr steigerungsfähig ist.

Also müssen sich die Sänger an einer bestimmten Stelle etwas zurücknehmen, um zum Schluss noch eine Steigerungsreserve aufbieten zu können. Viele haben einen Stift in der Hand, machen sich Bemerkungen in die Noten hinein. Für die Vokalisten der Kantorei sind die Korrekturen selbstverständlich, denn sie haben durch ihre zahlreichen bisherigen Aufführungen von Oratorien und sakralen Werken bewiesen, dass sie vollendet moduliert singen, immer mit hervorragender Artikulation und mit äußerst sensibler Stimmführung. Das ist diesen Proben zu verdanken, die volle Konzentration verlangen, die Einsätze auf den Punkt bringen und die durch unermüdliche Wiederholungen Sicherheit geben.

Textteile werden zunächst gesprochen, man singt manche Passagen zunächst nur mit der Silbe „nan“, damit die Modulation stimmt, später wird stattdessen der Text intoniert, und immer wieder besteht für Dirk Brödling die Notwendigkeit, einzugreifen. Und hat er ein „kultiviertes Mezzoforte“ erreicht, nicht zu laut, nicht zu leise, dann strahlt er. „Ich glaube, ich habe einen anderen Chor – das war gut!“

Stadtkantor Dirk Brödling führt die Probe mit ungeheuerem Engagement, es ist förmlich Schwerstarbeit, die er leistet. foto: rr
  • Stadtkantor Dirk Brödling führt die Probe mit ungeheuerem Engagement, es ist förmlich Schwerstarbeit, die er leistet. foto: rr
Die Proben verlangen von den Sängern volle Konzentration. foto: rr
  • Die Proben verlangen von den Sängern volle Konzentration. foto: rr

Insgesamt kann er aber doch mit der Leistung sehr zufrieden sein, denn die Sänger gehen voll auf ihn ein, akzeptieren seinen hohen Anspruch und haben ihn selbst verinnerlicht. In dieser Kantorei mitzusingen, ist sicherlich ein Privileg, und wer einmal ein Oratorium wie „Die letzten Dinge“ mitgesungen hat, zehrt wohl sein ganzes Leben davon.



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