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Jörg Schade und Jonas Oppermann finden die Balance zwischen Ernst und Heiterkeit

Schmunzeln im Bestattungshaus

BAD PYRMONT. Dass der Schauspieler und Regisseur Jörg Schade das Thema „Abschiednehmen“ für eine Lesung im Bestattungshaus Webel & Eggert zwei Tage vor Totensonntag gewählt hat, bot sich zwar an, musste aber nicht zwangsläufig traurig stimmen. Vielmehr war der leise, oft ironische Humor, der bei aller Melancholie in vielen der Gedichte und Geschichten mitschwang, ein herzerwärmender Trost, getreu dem Satz von Theodor Storm „Hinter allen Winterleiden liegt ein ferner Frühlingstag“.

veröffentlicht am 27.11.2017 um 08:54 Uhr

Jörg Schade und Jonas Oppermann: Im Bestattungshaus durfte auch geschmunzelt werden. Foto: Hei
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Karin Heininger Reporterin
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Dass Tante Jolesch das Rezept ihrer himmlischen Krautfleckerln nie verraten hat und nun mit ins Grab nimmt, ist an sich kein großes Unglück – sieht man von denen ab, die diese Mehlspeise, süß oder pikant, so geliebt haben. Und dass ein alter Mann die letzte Liebe seines Lebens begraben muss, nachdem er einen Abschiedsbrief erhalten hat, soll auch öfter vorkommen.

Und dennoch: Es sind gerade die kleinen, aber wichtigen Dinge des Lebens, die uns Menschen bewegen. So wie es Friedrich Torberg und Alfred Polgar in ihren Texten treffend beschrieben haben. Dass der Schauspieler und Regisseur Jörg Schade das Thema „Abschiednehmen“ für eine Lesung im Bestattungshaus Webel & Eggert zwei Tage vor Totensonntag gewählt hat, bot sich zwar an, musste aber nicht zwangsläufig traurig stimmen. Vielmehr war der leise, oft ironische Humor, der bei aller Melancholie in vielen der Gedichte und Geschichten mitschwang, ein herzerwärmender Trost, getreu dem Satz von Theodor Storm „Hinter allen Winterleiden liegt ein ferner Frühlingstag“.

„Gestorben wird immer“, aber: „Das Leben geht weiter“. Den Wahrheitsgehalt dieser an sich banalen, oft zitierten Sprüche bündelt der Kabarettist und Autor Günther Neumann in seinem Text „In dieser Stunde“. Da überfressen sich einige und andere verhungern. Kinder werden gezeugt und Alte beerdigt, Ehen geschlossen und wieder geschieden. Mit dem Unausweichlichen, dem Sterben, auch dem eigenen, haben sich gerade Humoristen wie Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Robert Gernhardt oder Werner Fink oft beschäftigt. Gemurmelte Alltags-Kommentare der Trauergäste am Grab, die Vorstellung von der passenden gewünschten Musik oder die sarkastische Bemerkung „Ich bin mich endlich los“ (Tucholsky): Jörg Schade traf stets den richtigen Ton, um die oft auch skurrile Komik solcher Situationen zu schildern, ohne sie lächerlich zu machen.

Jonas Oppermann, Schades 18-jähriger Sohn und ein schon sehr versierter Querflötist, umrahmte die lebendige Lesung mit stimmiger Musik von Georg Philipp Telemann, Ludwig van Beethoven, Claude Debussy und anderen. Eine sehr schöne musikalische Darbietung, die in ihrer Mischung aus Leichtigkeit und Nachdenklichkeit genau zu der Balance der Lesung zwischen Ernst und Heiterkeit passte.

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