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Kritik am Kurdirektor auf offener Bühne

Schmidt-Gertenbach fühlt sich vor die Tür gesetzt

BAD PYRMONT. Der langjährige Berater und Partner für die Sinfoniekonzerte des Staatsbades Pyrmont, der Musiker und Dirigent Volker Schmidt-Gertenbach, hat die Bühne des Neujahrskonzertes im Konzerthaus zu einem Angriff auf und Kritik an Kurdirektor Maik Fischer genutzt. Der 77-Jährige fühlt sich vor die Tür gesetzt.

veröffentlicht am 04.01.2019 um 16:50 Uhr
aktualisiert am 04.01.2019 um 17:40 Uhr

Der Musiker und Dirigent Volker Schmidt-Gertenbach. Foto: rr
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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War das Neujahrskonzert der Reihe Pyrmont Symphonics unter dem Titel „Europa, wie es singt und lacht“ am Donnerstagabend im Konzerthaus ein musikalischer Leckerbissen, so war ein gewaltiger Misston doch nicht zu überhören. Denn während die Slowakische Sinfonietta Zilina unter der Leitung von Oliver von Dohnányi schwungvoll und elegant agierte, sorgte Volker Schmidt-Gertenbach, der diesmal nicht den Taktstock schwang, sondern moderierte, für den Aufreger des Abends. Der 77 Jahre alte Musiker und Dirigent nutzte die Bühne für einen Angriff auf und Kritik an Kurdirektor Maik Fischer.

Ein unüberhörbares Raunen ging durch den großen Saal, als er etwas bitter behauptete, dass dieses Neujahrskonzert hier nun das letzte dieser Art sei. Aufgeregte Gespräche im Publikum, Fragen nach dem Wieso und Warum. Schmidt-Gertenbach konnte sich den Seitenhieb nicht verkneifen, dass alles dem Sparzwang untergeordnet sei, sogar der Franz Lehár, dessen „Gold und Silber“-Walzer sowie die Arie aus der Oper „Giuditta“ „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ seit drei Tagen GEMA-frei seien und nichts kosteten. „Dass es das letzte Neujahrskonzert ist, ist beschlossene Sache,“ sagte er und meinte damit, dass ihm aus Kostengründen quasi vom Staatsbad der Stuhl vor die Tür gesetzt worden sei. Damit, so hatte es den Anschein, wurde ihm nach 43 Jahren, in denen er sich mit zahlreichen hochklassigen Orchestern hier auf hohem Niveau präsentiert hatte, einfach der Hahn zugedreht. Seine rhetorische Frage, wo denn der Kurdirektor sei, der ja bei Konzerten ohnehin so gut wie nie anwesend sei, sodass man seinen Stuhl ja auch aus Kostengründen verkaufen könne, sorgte für Gelächter.

Während die ehemaligen Kurdirektoren Heinz-Gustav Wagener und Heinz-Hermann Blome dem Konzert und auch Schmidt-Gertenbach ihre Referenz erwiesen, hatte der aktuelle zu diesem letzten Neujahrskonzert nicht einmal einen Stellvertreter entsandt. Ausgesprochen peinlich wirkte es, dass zum Abschluss des Konzertes die Mezzosopranistin Kayo Hashimoto, der Trompeter Stanislaw Masaryk und der Dirigent Oliver von Dohnányi mit Blumen bedacht wurden, Schmidt-Gertenbach aber nicht. Er wurde nicht einmal erwähnt, war allerdings auch nicht auf die Bühne zurückgekehrt.

Auf Nachfrage erklärte Fischer am Freitag jedoch, dass Schmidt-Gertenbach keineswegs der Stuhl vor die Tür gesetzt worden sei, sondern dass sich im Jahr 2019 drei Konzerte in der Organisationsobhut der von Schmidt-Gertenbach betriebenen Agentur VSG Management befänden. Der Kurdirektor versicherte, dass es keine Pläne gebe, die Reihe der Sinfoniekonzerte zu verändern. Was 2020 geplant werden könne, orientiere sich alleine an der anstehenden Renovierung des Konzerthauses. Im Übrigen fände er es richtig, so Fischer, wenn sich Vertragspartner an das Vertragsgeheimnis halten.

Dass „nur“ das Neujahrskonzert künftig dem Rotstift zu Opfer fallen und durch ein anderes Format ersetzt werden soll, wie Schmidt-Gertenbach behauptet, kam jedenfalls beim Publikum nicht gut an, weshalb schon in der Pause und besonders am Schluss des Konzertes das meistgebrauchte Wort „Pfui!“ war.

Die Pyrmonter hatten sich in der Vergangenheit erfolgreich gegen die Kürzung der Sinfoniekonzerte per „Fußabstimmung“ gewehrt und ihrer Konzertreihe die Stange gehalten, nun fühlten sie sich, als habe man ihnen eine Ohrfeige verpasst. Das Konzerthaus war voll besetzt und das zeigte die Wertschätzung der aktuellen Konzertstruktur. Viele Gäste des Abends befürchteten, dass durch Kostensenkungen das künstlerische Niveau sinkt.

Ach ja, das Konzert war erstklassig und endete traditionell mit dem Radetzkymarsch, obwohl einige Besucher meinten, der „Valse triste“ von Jean Sibelius hätte besser gepasst.



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