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„DB Station & Service AG“ ignoriert Bedarf

Scheitert auch Bad Pyrmonts Rathaus an der Rampe?

BAD PYRMONT. Es könnte so einfach sein mit der Barrierearmut: Damit künftig auch Menschen in Elektro-Rollstühlen, mit Rollator oder Kinderwagen und schwerem Gepäck gut in alle auf dem Pyrmonter Bahnhof haltenden S-Bahnen gelangen, bräuchte es nur eine fest installierte Rampe. Doch die Bahn ignoriert den Bedarf.

veröffentlicht am 05.09.2018 um 21:31 Uhr

Im Hamelner Bahnhof ist eigens eine Rampe installiert, die den Spalt zwischen Zug und Bahnsteigkante überbrückt. In Bad Pyrmont ist diese Kluft zwar etwas schmaler. Aber auch hier sind schon diverse Rollifahrer steckengeblieben. Nur die Bahn leugnet
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Die Forderung nach einer stationären Klapprampe dürfte keine unzumutbare Härte für die Verantwortlichen der Bahn darstellen. Denn warum sollte ausgerechnet in einer Kurstadt mit zahlreichen Reha-Patienten nicht installierbar sein, was zum Beispiel auf dem Hamelner Bahnhof seit Jahren vorgehalten wird?!

Dass der Bedarf auch in Bad Pyrmont besteht, ist unstrittig bei allen, die bisher für ein solches Hilfsmittel gekämpft haben und weiter kämpfen: Sowohl der Behindertenbeirat als auch der Seniorenbeirat versuchen seit Jahren zu erreichen, dass künftig kein Mensch mehr auf dem Bahnsteig zurückbleibt oder nicht aus der S-Bahn kommt, nur weil zwischen Zug- und Bahnsteigkante ein Spalt klafft, in dem sich die kleinen Stützräder von Rollstühlen verkanten.

Nachdem sich die Ehrenamtlichen bisher erfolglos an dem Thema abgearbeitet haben, ist nun auch die Stadtverwaltung aktiv geworden. Das hatte die Mehrheitsgruppe aus SPD, WIR, Grünen, FDP und Linkem beantragt.

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Kein Problem, sollte man meinen. So eine einzelne Einstiegshilfe kostet schließlich kein Vermögen. Aber offenbar beißt man auch im Rathaus auf Granit im ersten Anlauf, das Problem zu lösen. Jedenfalls hatte Thomas Goretzki aus der Bauverwaltung am Dienstagabend im Pyrmonter Verkehrsausschuss keine guten Nachrichten für die Politiker. Wie er berichtete, sieht die „DB Station & Service AG“ in der Situation auf dem Pyrmonter Bahnhof kein Problem. Das Tochterunternehmen der Bahn hat jedenfalls die Bitte aus der Kurstadt abgelehnt, den Antrag der Verwaltung zur Anschaffung einer stationären Klapprampe bei der dafür zuständigen Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) zu unterstützen.

Die magere Begründung von „Station & Service“: Alle S-Bahnen hätten Klapptritte oder mobile Rampen. Und die Lokführer seien „angewiesen, Rollstuhlfahrer mit diesen Einrichtungen beim Ein- und Ausstieg zu unterstützen“. Daher sei eine stationäre Rampe „nicht erforderlich“. Bei Problemen „im Einzelfall“ bitte man um Information.

Die Realität am Bahnhof ist bekanntlich eine andere: Weil die „Klapptritte“ den Spalt zwischen Zug- und Bahnsteigkante keineswegs überbrücken, sind in der 15-Zentimeter-Kuft schon diverse Rollifahrer steckengeblieben. Unter den Betroffenen waren sowohl Berufspendler mit Handicap als auch Kurgäste (wir berichteten). Bad Pyrmonts Feuerwehr musste ebenfalls schon mehrfach Rollifahrern auf dem Bahnhof helfen, wie Stadtbrandmeister Maik Gödeke berichtete.

Annegret Webel vom Seniorenbeirat, die an der Sitzung im Rathaus teilnahm, fand zunächst nur zwei Worte für ihren Zorn: „Ungehörig“ und „verlogen“ nannte sie die Argumentation der Bahn. Und appellierte an die Verwaltung: „Wir sollten uns mit so einem Schreiben nicht abfinden.“

Anita Bechtloff vom Behindertenbeirat sieht ihre in diversen Briefwechseln mit der Bahn gesammelten eigenen Erfahrungen in der Antwort aus Hannover bestätigt: „Bei der Bahn läuft man gegen Wände“, sagte sie. „Die Rollifahrer werden mit ihren Problemen völlig alleingelassen.“

Übrigens: Inzwischen hat die Bahn auch noch die Notrufsäule auf dem Bahnsteig demontiert.

Baurat Goretzki wird das Pyrmonter Anliegen wohl weiter mit Nachdruck verfolgen müssen, auch direkt bei der LNVG. Denn Bürgermeister Klaus Blome (parteilos) erklärte: „Ich glaube nicht, dass wir diejenigen sein werden, die die Rampe errichten.“



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