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Kunst und Krempel im Angebot

Schatzsuche im Hotel „Sonnenheim“

Bad Pyrmont. Es steht etwas abseits in einer Ecke, verdeckt von der geöffneten Tür. Seine Erscheinung ist alles andere als makellos: In der Mitte klafft ein Loch, der Stuckrahmen ist oben rechts lädiert. Und dennoch: Das Ölbild strahlt eine gewisse Faszination aus inmitten von unzähligen Kaffee- und Speisegedecken, Weingläsern, Bestecken und vielen Dingen mehr, die im Rahmen der Auflösung des Hotels „Sonnenheim“ einen neuen Besitzer suchen. Ist das Gemälde mit den beiden Kähnen und den im Wind wiegenden Birken vor dem reetgedeckten Gehöft vielleicht trotz aller Unzulänglichkeiten der kleine, unerwartete Dachbodenschatz, der nur darauf wartet, geborgen zu werden?

veröffentlicht am 08.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Wasser bestimmt nicht nur die mit dem Pinsel festgehaltene Küstenlandschaft. Das feuchte Element hat auch dem Gemälde und dem ganzen Hotelbetrieb sehr zugesetzt. Ein Wasserrohrbruch im Winter 2012 bedeutete das Aus für das traditionsreiche Pyrmonter Gästehaus an der Bahnhofstraße. „Der Rohrbruch hat damals zu immensen Schäden in allen vier Etagen geführt – und das kurz vor der Ostersaison-Eröffnung“, erzählt Cordula Karadensky, die gemeinsam mit ihrem Mann Stefan das Traditionshaus vor 20 Jahren übernommen hatte.

Der hervorragenden Zusammenarbeit von Stadt, Staatsbad und Tourist-Information war es zu verdanken, dass die Eheleute kurzfristig das „Haus Oldenburg“ pachten und ihre Gäste in den darauf folgenden Monaten dort beherbergen konnten. Nun steht auch das Ausweichquartier zum Verkauf – und damit die Zukunft der Karadenskys in den Sternen.

Zeitgleich konnte die Familie aber auch ihr Hotel „Sonnenheim“ an der Bahnhofstraße verkaufen. „Das ist wie ein zukunftsweisendes Zeichen: Die Kinder sind aus dem Haus und wir haben jetzt mit Mitte 50 noch einmal die Möglichkeit, etwas ganz Neues zu beginnen“, erklärt Cordula Karadensky den Hintergrund der Hotel- und Haushaltsauflösung, während sie die unzähligen Gegenstände mit kleinen farbigen Klebepunkten versieht. Der rote Punkt sollte 50 Cent einbringen, der grüne einen Euro und so weiter.

Auch die Einrichtungen der Gästezimmer und die Hotelküche stehen zum Verkauf. „Ich möchte keine falschen Erwartungen wecken. Hier gibt es keine Schätze und nichts Antikes, aber einiges Ältere und Alltagsgegenstände“, ist sich Cordula Karadensky beim Gang vorbei an aufgereihten Gästemülleimern und Gartenmöbeln sicher. Bis – ja, bis sie eine E-Mail von Bad Pyrmonts Museumsleiter Dr. Dieter Alfter in den Händen hält.

Die hatte ihren Ursprung in einer PN-Recherche, denn das lädierte Bild weckte die Neugierde der Autorin. Cordula Karadensky hatte nämlich keine weiteren Informationen zu dem Gemälde. Sie wusste nur, dass es schon bei der Übernahme vor 20 Jahren zum Inventar des Hotels gehörte. Deshalb wurde erst einmal kurzerhand das Internet angezapft. Dort wiesen gleich mehrere Quellen den anhand der Signatur vermuteten Urheber Otto Wild als Hamburger Maler aus – was Dr. Alfter auf Anfrage bestätigte. „Die Signatur stammt von Otto Wild (1898-1971). Nun ist das Gemälde in einem schlechten Zustand, ganz besonders der Rahmen. Aber einen besseren Eindruck erhält man ohnehin erst, wenn man das Original untersucht. Unabhängig von dieser Frage darf man aber den Wert des Gemäldes nicht allzu hoch einschätzen – nach meinem ersten flüchtigen Eindruck könnte der Verkaufswert bei 300 bis 400 Euro liegen“, schreibt der Museumschef.

„Für einen solchen Betrag habe ich gar keinen Punkt vorgesehen“, entfährt es Cordula Karadensky völlig überrascht angesichts des verkannten Schatzes. Das Bild steht übrigens nicht mehr zum Verkauf – nicht nur in Ermangelung eines Preispunktes. Familie Karadensky möchte jetzt erst einmal in Ruhe überlegen, was mit dem Gemälde geschehen soll. Übrigens: Heute von 10 bis 17 Uhr besteht noch einmal die Möglichkeit zur Schatzsuche m Hotel „Sonnenheim“.

Christa Podewski und ihre Tochter Nicole Suhr (v. li.) haben ihre ganz persönlichen Schätze bei der Hotel- und Haushaltsauflösung bereits gefunden. sbr



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