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Vorstand des Pyrmonter Reitervereins kämpft mit Hinterlassenschaften der Vorgänger / Reitturnier abgesagt

Ritt auf dünnem Boden

BAD PYRMONT. Christine Röder blickt nach vorne. Etwas anderes bleibt ihr auch nicht übrig, will sie den Pyrmonter Reiterverein wieder in die Spur bringen. Seit dem 1. Januar ist sie wieder Vorsitzende und versucht zu retten, was zu retten ist. Der alte Vorstand habe den Verein fast ruiniert, sagt sie.

veröffentlicht am 23.05.2019 um 15:18 Uhr
aktualisiert am 23.05.2019 um 21:20 Uhr

Den Hallenboden muss die Vorsitzende Christine Röder austauschen lassen, weil der alte Vorstand dafür völlig ungeeigneten Sand verwendet hat. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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„Der alte Vorstand hat die Brocken am 20. Dezember hingeschmissen und den Verein in einer katastrophalen finanzielle Situation hinterlassen“, berichtet sie.

Eine der ersten Entscheidungen, die sie als Vorsitzende mit ihrem komplett neuen Team treffen musste, war die Absage des diesjährigen Reitturniers in den Rennwiesen zu Pfingsten. „Das tut weh, denn das ist eigentlich für uns immer eine wichtige finanzielle Einnahmequelle gewesen. Doch wir haben seit Januar so viel zu tun, dass wir es in diesem Jahr einfach nicht schaffen das Turnier zu organisieren“, nennt sie den Grund für die Absage. Und auch die finanzielle Lage spiele dabei eine Rolle. Doch geplant sei, das Turnier 2020 auf jeden Fall wieder stattfinden zu lassen.

Offenbar war es eine Mischung aus Unvermögen und Großmannssucht, mit der der alte Vorstand den Verein fast ruiniert hat. „Die Reitanlage in Löwensen ist in einem desolaten Zustand“, berichtet Röder. Weil am Bodenbelag für die Reithalle in Löwensen – „das ist immerhin das Herzstück unseres Vereins“ – gespart werden sollte, sei ein großer finanzieller Schaden entstanden. „Statt dafür den für diesen Zweck geeigneten Spezialsand zu verwenden, wurde normaler Bausand für 250 Euro genommen, den wir jetzt für 12000 Euro austauschen müssen.“

Christine Röder – hier mit einem Schulungspferd des Vereins – kann schon wieder lachen. Dabei hat es die alte und neue Vorsitzende des Pyrmonter Reitervereins immer noch mit einer schwierigen Situation zu tun. foto: uk

Bei der Stadt hat der Verein einen Zuschuss beantragt. Nicht nur für die Sanierung des Hallenbodens, sondern auch für die Beseitigung der Schäden am Hallendach, der Sanierung der Beregnungsanlage in der Halle und der Auffüllung des Außenreitplatzes mit Hackschnitzeln. Die Gesamtkosten beziffert der Verein auf rund 25 000 Euro. 5000 Euro haben Pyrmonts Politiker diese Woche bewilligt, aber endgültig wird über die Verteilung erst Ende des Jahres entschieden, wenn die Stadt einen Überblick über alle Zuschussanträge von Vereinen hat. Außerdem hofft Röder auf Mittel des Landessportbundes, doch auch die kommen frühestens im nächsten Jahr.

Von Großmannssucht geprägt war der Versuch, das frühere Pfingstreitturnier als „Pyrmonter Outdoor“ zu einem „Klein-Aachen“ zu machen, wie Rudolf Dreischer sich ausdrückt, der insgesamt 20 Jahre Vereinsvorsitzender war und das Amt 2014 an Christine Röder abgegeben hatte. „Dieser größenwahnsinnige Gedanke hat natürlich nicht funktioniert, das war von vornherein ein tot geborenes Kind“, betont er. „Ein Spitzenreiter wie Ludger Beerbaum, den ich persönlich kenne, wäre vielleicht für eine Show hierhergekommen, aber nicht für einen Wettkampf.“ Für die Turniere im letzten und vorletzten Jahr habe der damalige Vorstand einen Toilettenwagen mit rotem Teppich und Türme für die Wertungsrichter gemietet und höhere Preisgelder ausgeschrieben. „Dieser Aufwand stand in keinem Verhältnis und hat den Verein viel Geld gekostet“, ärgert sich Dreischer, der von einer „Schnapsidee“ spricht; schon alleine, weil der Boden der Rennwiesen für Turniere der Spitzenklasse nicht geeignet sei. „Ich habe immer davor gewarnt, aber leider hat der damalige Vorsitzende nicht auf mich gehört“, betont er. Laut Christine Röder hat das Turnier im letzten Jahr ein Defizit von 10 000 Euro hinterlassen.

Mit den Folgen haben die Vorsitzende und ihr komplett neues Team – der alte Vorstand hat samt Pferden das Weite gesucht – nun zu kämpfen, erschwert durch das Fehlen einer „anständigen Buchführung“, wie Röder sagt. Da die Mitglieder dem alten Vorstand die Entlastung versagt hätten, sei immer noch eine Tür offen, um ihn vielleicht für die Folgen seines Tuns zur Verantwortung zu ziehen. „Das prüfen wir noch.“ Mit dem Futterhändler hat der Vorstand ein Arrangement getroffen, mit dem Finanzamt über ausstehende Steuern gesprochen und Honorarkräfte für den Reitunterricht organisiert. Derzeit versucht Röder, die alte Villa neben der Reithalle zu verkaufen, um Geld in die Kasse zu bekommen und die Renovierungskosten für das Gebäude zu sparen. Ganz aus der Welt sei die Gefahr einer Insolvenz noch nicht, aber die Stimmung im Vorstand sei zuversichtlich. Schon für diesen Herbst ist ein Reitturnier geplant, auch wenn es nur ein Kleines ist.



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