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Hindernis blockiert Schott des Pyrmonter Wasserkraftwerks

Riesen-Baumteil lässt Fluss fast trockenfallen

BAD PYRMONT. So viel Stau war selten: Fast über die komplette Solbadstraße hinweg reichte die Fahrzeugschlange in Richtung Lügder Straße am Montagvormittag. Wer Pech hatte, brauchte eine halbe Stunde für kaum einen Kilometer. Der Grund: Die namenlose kleine Brücke über dem Wasserkraftwerk war nur halb zu gebrauchen.

veröffentlicht am 20.08.2018 um 21:37 Uhr

Während der mühsamen Operation vor dem Wasserkraftwerk an der Dringenauer Mühle staut sich der Verkehr fast die ganze Solbadstraße entlang. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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BAD PYRMONT. So viel Stau war selten: Fast über die komplette Solbadstraße hinweg reichte die Fahrzeugschlange in Richtung Lügder Straße zeitweilig am späten Montagvormittag. Wer Pech hatte, brauchte eine halbe Stunde für nicht einmal einen Kilometer. Aus den anderen Richtungen sah es kaum besser aus. Auch stadteinwärts ging phasenweise kaum noch etwas. Der Rückstau reichte bis weit in die Thaler Landstraße. Wer aus Richtung Bahnhof oder Lügde kam und nach links in die Solbadstraße abbiegen wollte, kam ebenfalls nur mühsam voran, weil Autos aus allein Richtungen einander gegenseitig blockierten.

Der Grund: Die namenlose kleine Brücke über dem Wasserkraftwerk der Stadtwerke war nur halb zu gebrauchen. Ein Gutteil der Stadteinwärts-Fahrspur wurde von einem großen Lkw blockiert. Für Autos auf der Solbadstraße, die die Grünphase an der Ampel verpassten, hieß das: Bis hinter den grünen Laster zurücksetzen, um die entgegenkommenden Wagen passieren zu lassen. Für Verdruss sorgte das vor allem bei Eiligen und weniger Geübten hinterm Steuer. Aber die meisten Wartenden nahmen‘s gelassen und kamen irgendwann heil ans Ziel, auch ohne Verkehrsregelung durch die Polizei.

Der Ladekran stand allerdings weder aus Jux noch aus Dickfälligkeit im Weg. Sondern: am einzigen Punkt, von dem aus der Pyrmonter Holztransport-Unternehmer Ebo Kropp mit der Baggerschaufel seines Fahrzeugs Zugriff auf ein großes Hindernis bekam, das sich im halboffenen Schott des von den Stadtwerken betriebenen Wasserkraftwerks an der Dringenauer Mühle verkeilt hatte. Ebenfalls an der ungünstigsten Stelle, weil äußerst schlecht zu erreichen. „Mein Greifer ging gerade so dazwischen“, sagt Ebo Kropp nach der Operation. Denn die riesige Wurzel einer Weide mit vier Meter langem Stamm daran war zunächst kaum zu fassen. Aber sie musste weg. Denn mit weiterhin zwangsgeöffnetem Schott hätte die aufgrund ausbleibender Regenfälle ohnehin wenig Wasser führende Emmer regelrecht trockenfallen können.

Das Baumteil, das der Greifer hier aus dem Wasser hebt, bildet nur die Vorhut. Die Lindenwurzeln samt Stamm, die sich im geöffneten Schott verkeilt hat, ist doppelt so groß – und schwer zu bergen. Foto: jl
  • Das Baumteil, das der Greifer hier aus dem Wasser hebt, bildet nur die Vorhut. Die Lindenwurzeln samt Stamm, die sich im geöffneten Schott verkeilt hat, ist doppelt so groß – und schwer zu bergen. Foto: jl

Ein Blick auf die Internetseite pegelonline des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zeigt: Zwischen 8 und 10.30 Uhr sank der Wasserstand am Pegel Bad Pyrmont, der Messstation an der Heemsteder Brücke, von 3,18 Meter auf 2,42 Meter. Zum Vergleich: 3,01 Meter verzeichnen die LNWKN-Fachleute als niedrigsten Emmer-Wasserstand überhaupt. Der mittlere Wasserstand beträgt 3,25 Meter.

Dabei hatten die Stadtwerke-Mitarbeiter das Schott am Montagfrüh nur ganz kurz öffnen wollen, weil das vor der kleinen Kraftwerksanlage stehende Wasser des Emmer-Abzweigs schon etwas faulig roch. „Doch dann klemmte sich der Baum dort ein, und das Schott ging nicht mehr zu“, berichtet Stadtwerke-Strommeister Joachim Jaron.

Der 3-Tonnen-Koloss muss irgendwann irgendwo stromaufwärts vom Ufer in den Fluss gestürzt und von einem Hochwasser weitergetragen worden sein. Bis zur Bad Freienwalder Brücke. „Er hat sicher schon eine Weile in der Emmer gelegen. Aber sehen kann man ihn erst, seit das Wasser so niedrig ist“, sagt Jaron weiter.

Entwarnung gab‘s dann um kurz nach 13 Uhr. Da war der Baum aus dem Weg geräumt, das Schott geschlossen, und der Pegel stieg wieder. Den Nachmittag verbrachte die Stadtwerke-Crew dann mit dem weiteren Zersägen der Linde, um die Teile mit eigenem Gerät bergen zu können. Und die Emmer hatte um 20 Uhr wieder ihren derzeit normalen Wasserstand erreicht.

„Das war schon ein bisschen heftig“, sagte Strommeister Jaron über die Aktion. „Im Rechen unseres Wasserkraftwerks sammelt sich zwar viel.“ Mit angeschwemmten Baumstämmen hätten sie es immer wieder zu tun. „Und auch einen großen Strohballen hatten wir hier schon.“ Ein so großer Baum wie der am Montag ist ihm aber in 20 Jahren nicht untergekommen.



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