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AOK unbeeindruckt von Arzt-Attest

Reha-Antrag erst genehmigt, dann abgelehnt

BAD PYRMONT. Wie kann es sein, dass die Krankenkasse eine vor neun Monaten nach einem Schlaganfall genehmigte, aber dann nach einem Beckenbruch aufgeschobene Kur nach erneuter Antragsstellung ablehnt? Diese Frage stellen sich derzeit die Pyrmonterin Ilse A. (88, Name geändert) und ihre Tochter.

veröffentlicht am 14.05.2018 um 22:20 Uhr

Wann ist eine stationäre Reha erforderlich? An dieser Frage scheiden sich im Fall von Ilse A. die Geister. Symbolfoto: dpa
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Ihr Hausarzt Dr. Hans-Hermann Zimny kann die Entscheidung der AOK ebenso wenig nachvollziehen. „Die stationäre Reha wurde unter ganz ähnlichen Voraussetzungen bereits einmal genehmigt“, sagt er. Übernähme die Kasse die Reha-Kosten für seine Patientin, dann sähe der Mediziner eine „sehr reelle Chance, dass Frau A. wieder in ihre Wohnung kann“. Zimnys Prognose: So könnte ihr „ein langes Leiden im Pflegeheim ohne die Möglichkeit, sich adäquat zu bewegen, erspart bleiben“. Das hatte er bereits in seinem Attest im März geschrieben. Aber das hatte offenbar kein Gewicht für die Entscheider. Nach zwei Anfechtungen des ablehnenden Bescheids und dessen Bestätigung durch den von der Kasse angerufenen Widerspruchsausschuss begründet die AOK auch die jüngste Zurückweisung des Reha-Antrags damit, „dass eine günstige Rehabilitierungsprognose nicht gesehen wird“.

Was das Urteil des Widerspruchsausschusses beeinflusst haben könnte: Ilse A.s Aufenthalt vom 16. bis 24. August in der m & i-Klinik ist in den Papieren als letzte Reha vermerkt. Dabei blieb sie dort mit ihrem Beckenbruch nur deshalb so lange, bis ein Kurzzeitpflegeplatz zu finden war. Nach Hause konnte sie mit ihrer Verletzung damals nicht.

Ihr Beckenbruch ist längst verheilt. Weil sie sich seit Mitte August nicht bewegen durfte, sitzt Ilse A. nun aber im Rollstuhl – und will wieder auf die Beine kommen. Umso schockierter sind sie und ihre Tochter über die Ablehnung.

Doch der Slogan „Reha vor Pflege“ scheint für sie nicht zu gelten. „Sie sitzt da immer noch in der Pflegestation im Keller, und da passt sie nicht hin“, sagt Dr. Zimny. Diesen Eindruck sieht er durch die Einschätzung einer Geriatrie-Fachkraft bestätigt, die Frau A. zuletzt im April besuchte.

Bei der AOK sieht man das anders. „Der veränderte gesundheitliche Zustand von Frau A. ist ursächlich dafür, dass eine Maßnahme, die im August 2017 empfohlen wurde, so heute nicht mehr sinnvoll ist“, heißt es auf Anfrage aus der AOK-Pressestelle in Hannover. „Die im August 2017 angedachte Rehabilitationsmaßnahme hatte hauptsächlich die Abmilderung der Folgen des Schlaganfalls zum Ziel. Aus heutiger Sicht wäre dieser Schwerpunkt inhaltlich gar nicht mehr sinnvoll.“

Diese Sicht fußt im Wesentlichen auf einer Begutachtung der alten Dame durch eine Anfang November 2017 vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) ins Heim geschickte Gutachterin. Die Krankenschwester schrieb damals: „Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes und eine daraus resultierende Zunahme der Selbstständigkeit ist nicht zu erwarten.“ Das klingt allerdings endgültiger als ihre Eintragungen in den tabellarischen Checklisten zum Zustand der Betroffenen. Der AOK-Sprecher schließt aus dem Gutachten auf eine „zunehmende Demenz und Desorientierung“.

Der Hausarzt indes hat einen anderen Eindruck von seiner Patientin: „Wenn ich sie besuche, begrüßt sie mich immer mit meinem vollen Namen. Verwirrt wirkt sie nie.“

Die Betroffene und Ihre Tochter können und wollen die Entscheidung nicht akzeptieren. „Ich bin sicher, dass meine Mutter wieder auf die Beine kommen kann“, sagt die Tochter. „Ich kenne sie und ihren eisernen Willen.“



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