weather-image
12°

Viele Regeln und Gebote

Rabbiner Benyamin Wolff erklärt interessiertem Publikum das Judentum

BAD PYRMONT. Vielleicht war es eher eine rhetorische Frage von Dr. Hans-Hermann Zimny, da ihm die Antwort aufgrund seiner Reisen nach Israel möglicherweise bekannt sein dürfte: „Wieviel Gebote gibt es eigentlich im Judentum?“ Spontan gab dieser an, es seien ursprünglich 613, was die fast 40 im Hospiz-Vortragsraum Anwesenden erstaunt raunen ließ.

veröffentlicht am 10.03.2019 um 19:39 Uhr

Rabbiner Benyamin Wolff informiert über das Leben im Judentum. Foto: ti
Avatar2

Autor

Klaus Titze Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Eine ganze Reihe dieser Gebote beträfen den Ablauf des Shabbat, jenen jüdischen Ruhetag, den die Christen durchaus mit ihrem Sonntag vergleichen können. „Der Shabbat ist eine Pause vom Alltag, für 24 Stunden eine Oase im Leben,“ erläuterte der Rabbi. Und diese Ruhezeit werde von den Gläubigen zur Rückbesinnung auf Gott genutzt.

Bereits die Vorbereitungen begännen am Donnerstag bis in den Freitag hinein und mit dem Sonnenuntergang am Freitagabend fänden keine Arbeiten mehr statt. Der eigentliche Shabbat sei der Samstag. Es gebe köstliche Speisen, man ziehe sich feiner als im Alltag an und der Tag werde eher festlich begangen. Der Ruhetag diene dazu, dem Menschen die Möglichkeit zu geben, sich als Geschöpf Gottes zu sehen und sich darauf zurückzubesinnen.

Das Stichwort Speisen ließ sodann die Zuhörenden aufhorchen, denn insbesondere was man essen darf, wie es zubereitet werden soll und was nicht zusammen gehört, soll schon sehr verwirrend sein. Doch damit wollte sich Rabbi Wolff nicht lange aufhalten und lenkte die Aufmerksamkeit eher mit dem Bemerken ab: „Es sind nicht unbedingt logische Aspekte, die diesen Geboten zugrunde liegen. Es ist eher eine Glaubenssache und vermittelt mehr den Eindruck, dass dadurch die Speisen reiner oder kontrollierter sind. Es hat weniger mit medizinischen und gesundheitlichen Aspekten zu tun.“

Dafür zählte er Tätigkeiten auf, die am Shabbat verboten sind. Dazu gehöre zum Beispiel das Autofahren oder Telefonieren. Das habe eben damit zu tun, möglichst ohne Geschäftigkeiten des Alltags den Tag zu begehen. „Besteht jedoch für jemanden eine lebensbedrohliche Situation, zum Beispiel eine Erkrankung, ein Unfall oder ähnliches, dann kann selbstverständlich dieses Verbot umgangen werden,“ beruhigte Wolff Skeptiker. Diese Handlungsalternative ließe sich auch davon ableiten, dass Gott das Leben des Menschen als wichtiges Gut ansehe.

Hierzu gehöre auch jede noch so kleine Handlung, denn als Gottes Geschöpf habe man es sozusagen im Namen Gottes getan. Anders ausgedrückt bedeute dies, jede Anstrengung, sei sie auch noch so klein oder unbedeutend, lohne sich, denn der Mensch müsse sich den Inhalt und Verlauf, seines Lebens selbst erarbeiten. „Sich also nur im Gebet auf Gottes Hilfe zu verlassen, reicht demnach nicht.“ Das Lernen und Arbeiten dient dem Segen Gottes. Dies habe Gültigkeit für alle Handlungen des Menschen, denn tue er etwas Gutes, dann verändere er auch die Welt zum Guten hin. Das gelte auch für das Böse.

Dabei sollten die Menschen nicht vergessen, dass sie in dieser Welt nur Gäste sind, die sich vorübergehend hier aufhalten. „Wenn wir es so betrachten, dann verstehen wir auch, dass wir uns hier nicht wie der Chef des Hauses benehmen können, der genau weiß, wie die Welt funktioniert,“ ließ Rabbi Wolff wissen und sorgte mit dieser Aussage für ein munteres Lachen. Nach dem jüdischen Glauben lenke Gott jeden Einzelnen, kümmere sich um jede Situation. Den Menschen habe er in dieser Welt nur eine vorübergehende Rolle zugedacht. Nur so könnten wir auch Glück oder Tragödien akzeptieren und lernen, damit umzugehen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt