weather-image
Welche Sorgen die Änderung für das Projekt am Altenauplatz bei Anliegern schürt

Quellen und Häuser in Gefahr?

Bad Pyrmont. „Wir möchten da was richtig Tolles machen“, sagte Dieter Hilpert im Herbst 2014. Da hatte der Lügder Unternehmer gerade zwei alte Häuser am Pyrmonter Altenauplatz gekauft: das „Kurhaus am Park“ und das „Haus Rieth“. Das Areal mit den beiden denkmalgeschützten Gebäuden vermittelte dem Möbel-Importeur (Bega-Gruppe) der Lügder Bauunternehmer Uwe Stumpe.

veröffentlicht am 21.02.2016 um 13:50 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:43 Uhr

270_008_7835779_pn110_2002_3sp_jl_Altenauplatz_Haeuser_3.jpg
Juliane Lehmann

Autor

Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Plan:

Von Anfang an war klar: Dieter Hilpert will die beiden nach jahrelangem Leerstand hinfälligen historischen Häuser abreißen und durch ein einziges großes Gebäude ersetzen lassen. Die Pläne für dieses „Palais“ mit voraussichtlich acht Wohnungen samt Penthouse für die Eigentümer sowie einer Tiefgarage stellte die Hamburger Architektin Frauke Herrmann vor acht Monaten im Pyrmonter Bauausschuss vor.

Die Sicht der Politik:

Dass der neue Eigentümer auch mehrere teils mächtige alte Bäume vor den Häusern abholzen und den halben Altenauplatz samt Straßenführung umgestalten lassen will, gefällt zwar nicht allen Politikern. Aber ihren Beschluss zur dazu notwendigen Änderung des Bebauungsplans – weg vom bisher stets verpflichtend „kurdienlichen“ Zweck zumindest der unteren Geschosse – hat das nicht beeinflusst. Sie sind froh, dass sich nach Jahren des Verfalls am Platz endlich ein finanzstarker Investor gefunden hat. Deshalb wollten die Entscheider das Verfahren möglichst zügig über die Bühne bringen. Die Planänderung haben sie einstimmig bei einer Enthaltung in einem beschleunigten Verfahren auf den Weg gebracht. So entfällt die in regulären Änderungsverfahren verpflichtende Umweltprüfung. Mit Hinweis auf die beiden maroden Leerstände heißt es in der amtlichen Bekanntmachung vom 11. Dezember, die Änderung solle dem dringenden Handlungsbedarf Rechnung tragen, „diesen städtebaulichen Niedergang zu stoppen“.

Das Verfahren:

Nachdem der Entwurf für die Planänderung nun einen Monat lang im Pyrmonter Rathaus auslag, haben – neben einigen Behörden und andere betroffenen Stellen – auch eine Handvoll Bürger ihre Meinung zur beabsichtigten Planänderung abgegeben. Laut Baudezernent Matthäus Schmidt sichtet und bewertet nun der Architekt Wolfgang Hein die Stellungnahmen. Dass ein vom bauwilligen Investor beauftragter Planer ein Bauleitplanverfahren durchführe, sei durchaus üblich. Die Stadtverwaltung achte dann bei der von Hein erarbeiteten Abwägung auf die rechtliche Komponente. Dann könne der Bauantrag gestellt werden. „Da ist auch der Heilquellenschutz ein Thema“, sagt Schmidt. „Da haben wir als Stadt natürlich ein Auge drauf.“

Aus der Übertragung der Abwägung an den Planer könne man „keine Parteilichkeit ableiten“, ergänzt Bürgermeister Klaus Blome. Mit Blick auf das Thema Heilquellenschutz sagt er: „Wenn die Einwände entkräftet werden können, bin ich dafür.“ Für die Rechtssicherheit hafte der Architekt gegenüber seinem Auftraggeber und „wird im Zweifel aus eigenem Interesse dafür sorgen“.

Anlieger:

Der Blick auf einige Bürger-Stellungnahmen – eine davon mit 40 Unterschriften – zeigt: Das Stimmungsbild ist nicht so einheitlich wie in der Politik.Vor allem Anlieger aus der Gegend haben Bedenken. „Unsere größte Sorge ist die Verdrängung von Grund- oder auch Quellwasser (vielleicht auch CO2) in Kellerräume und Fahrstuhlschächte“, heißt es in einer Stellungnahme. In der Altenaustraße 8 sei von 1987 bis 1996 eine Quelle im Fahrstuhlschacht gewesen, die täglich habe trockengelegt werden müssen. Dass – vermutlich infolge der Probebohrungen 2015 auf dem Baugrund am Altenauplatz – neue Risse in diesem Haus aufgetreten seien, sehen die Unterzeichner als ein „Zeichen dafür, dass zwischen Altenaustraße und -platz eine Verbindung besteht“. Deshalb müsse für die umstehenden, über 200 Jahre Häuser möglichst erschütterungsarm gearbeitet werden, denn keines habe tiefe Fundamente. Ergäben sich durch Eingriffe ins Quellgefüge negative Auswirkungen auf Schüttung und Vorhandensein der Quellen, „wäre das nicht auszudenken“, schreiben die Autoren.

Einige der Einwender haben ihre Bedenken nicht nur schriftlich erklärt, sondern auch dem Bürgermeister. In ihrer Sorge um die Quellen blicken Sigrid Bennefeld und Marlene Zetzsche auf geltendes Recht: Auf dem in der engsten Schutzzone IIa liegenden Altenauplatz müssen sämtliche Bodeneingriffe, die tiefer als 1,50 Meter reichen, extra genehmigt werden. „Die ganzen alten Häuser sind genau deshalb nicht unterkellert“, erklären sie. Bennefeld: „Wir haben alle nur ein Souterrain, dessen Fundament in 1,50 Tiefe beginnt.“

Mit dem von ihnen befürchteten Aushub für die Garage werde das Tiefen-Limit um ein Mehrfaches überschritten. Beim Gedanken an das vermutete Gewicht des Palais’ samt Tiefgarage erinnert Bennefeld an „Bausünden der Vergangenheit“: „Als damals der Betonklotz in der Bathildisstraße gebaut wurde, haben wir in unserem Garten eine Quelle dazubekommen.“ Das ganze Gebiet sei doch voller Quellen.

Ein anderer Einwender nennt den trotz geplanter massiver Eingriffe in den Baugrund beschlossenen Verzicht auf die Umweltprüfung ein „in keiner Weise verantwortungsvoll angedachtes Vorgehen“. Das beschleunigte Verfahren sei somit eigentlich ausgeschlossen. Und er betont: „Heilquellen sind Arzneimittel und bedürfen eines ganz besonderen Schutzes.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt