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App verfolgt Container in Echtzeit

Pyrmonter Unternehmen will Transportlogistik vor Millionenschäden schützen

BAD PYRMONT. Ob nun Übersee-Container, Euro-Paletten, Sattelauflieger oder Obst- und Gemüseboxen – jährlich verschwinden Tausende von sogenannten Ladungsträgern aller Art, sie gehen verloren oder aber kaputt. Häufig werden sie auch schlichtweg geklaut, weil sie bares Geld einbringen. „Der Schaden für Unternehmen aus allen Branchen geht in die Hunderttausende“, sagt Unternehmer Stephan Collisi. Zusammen mit Martin Nether und Helge Plehn hat er eine App geschaffen, mit deren Hilfe man all diese großen und kleinen Transportkisten in Echtzeit verfolgen kann.

veröffentlicht am 22.06.2017 um 14:54 Uhr

Auch Wirtschaftsminister Olaf Lies (li.) interessiert sich für das neue Bad Pyrmonter Unternehmen poolynk. Auf der Cebit-Messe informierte sich Lies bei Stephan Collisi (Mi.) und Martin Nether. Foto: Wirtschaftsministerium Niedersachsen
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Da sie damit auch Geld verdienen wollen, haben die drei eine Firma gegründet, die poolynk GmbH mit Sitz in Bad Pyrmont. Als Kunden kommen für die Firma so gut wie alle in Frage: Produzenten, Spediteure, Logistik-Dienstleister, Händler. Versender von Waren wie beispielsweise Großbäckereien oder Fleischereien, jedes Transportunternehmen, jede Spedition und alle Empfänger wie Supermärkte und Großhändler können mit der neuen App namens poolynk nachvollziehen, wer von wem wie viel Leergut zurückbekommt oder wem schuldet. „Bislang wird das alles auf Papier dokumentiert. Das ist nicht mehr zeitgemäß – deshalb haben wir eine App entwickelt, die das alles in Echtzeit kann“, sagt Logistikexperte Nether, der in Bad Pyrmont geboren wurde.

Die poolynk GmbH hat sich mit ihrer App also auf IT-basierte Lösungen im Bereich Logistikmanagement spezialisiert. Gegründet wurde das Unternehmen im Oktober 2016 von den jetzigen Geschäftsführern Collisi, Nether und Plehn, die gemeinsam 80 Prozent der Gesellschafteranteile halten. Mit jeweils zehn Prozent sitzen auch die Stadtsparkasse Bad Pyrmont und die MWN Equity Investment GmbH mit im Boot. Wie hoch die Investitionssumme gewesen ist, damit will Nether auch auf Nachfrage nicht herausrücken: „Die Summe liegt im unteren siebenstelligen Bereich. Genau möchten wir das aber nicht benennen.“

Das Unternehmen poolynk GmbH beschäftigt sieben Mitarbeiter. Die Programmierung geht auf das Konto von IT-Profi Plehn: „Die große Herausforderung war es, ein Programm zu entwickeln, das von jedem Unternehmen, ob klein oder groß, branchenübergreifend genutzt werden kann.“ Herausgekommen sei ein Programm, das über den Apple App Store oder GooglePlay Store kostenlos aufs Smartphone oder Tablet geladen werden kann. „Mir kommt es so vor, dass die Branche sehnsüchtig auf unsere Lösung gewartet hat“, sagt Nether. Der Logistikexperte hat sich auf Ladungsträger spezialisiert und verantwortet das Marketing des jungen Unternehmens. Waren es im November zum Firmenstart 15 000 Ladungsträger, die über das System verfolgt wurden, gibt es nach einem halben Jahr „nun schon pro Monat rund 120 000 bis 150 000 Transaktionen“. Pro Ladungsträger, das ein Unternehmen mithilfe der App über Smartphone oder iPad verfolgt, berechnet poolynk einen Viertel-Cent.

50 Sprachen bildet die Logistik-App poolynk ab

Mit poolynk räumen die drei Gründer mit einem jahrzehntealten Problem auf. Im Zeitalter von Smartphone und Cloud Computing wurde dies möglich. Zuvor mussten Unternehmen in teure Soft- und Hardware investieren, unternehmensübergreifende Standards fehlten – mit der heutigen Technik konnte das Problem quasi über Nacht gelöst werden. Nether sagt, das Unternehmen müsse aufgrund der globalen Warenströme „weltweit denken“. Deshalb gebe es die App auch in 50 Sprachen. Nether: „Wir müssen global verfügbar sein. Unser aktueller Vertriebsschwerpunkt liegt derzeit aber in Europa.“ Und wo sieht Nether das Unternehmen in fünf Jahren? Er sagt: „Wir spüren schon jetzt, dass unsere App eine gute Idee ist. In 18 bis 36 Monaten wissen wir, ob wir damit auch Geld verdienen.“

Collisi, Nether und Plehn fühlen sich wohl am Standort in Bad Pyrmont. „Es muss ja nicht immer das hippe Silicon Valley sein, wenn man ein Unternehmen gründet“, sagt Nether. poolynk ist aber auch dort vor Ort, wo Container, Kisten und Paletten sichtbar in Bewegung sind. In Hamburg hat das Unternehmen eine Außenstelle eröffnet.

Der Ansporn für Collisi, Nether und Plehn ist groß: Sie wollen nicht weniger, als die Logistikbranche umkrempeln. Positiv dürfte sein, dass die Großen der Branche auf poolynk aufmerksam geworden sind. Trendscouts von DB Schenker und die Lkw-Sparte von Daimler haben sich bereits mit den Gründern in Verbindung gesetzt. Aus den Händen geben wollen sie ihre Idee aber nicht. „Wir freuen uns, dass sich die großen Player für unser Programm interessieren“, sagt Nether. „Wir wollen aber, dass poolynk für alle zugänglich bleibt.“

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