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Im Quäkerhaus wurde die Monooper „La voix humaine“ mit viel Beifall aufgenommen

Pyrmonter Salon wagt Tragödie

BAD PYRMONT. Mit der Aufführung einer gesungenen Tragödie wagte Luisa Islam-Ali-Zade, Vorsitzende des „Pyrmonter Salons“, ein Experiment, das seitens des Publikums im gut besuchten Quäkerhaus mit viel Beifall und Zustimmung aufgenommen wurde.

veröffentlicht am 19.06.2017 um 19:07 Uhr

Luisa Islam-Ali-Zade (r.) und Dinara Grigoryan, am Flügel Sachie Furuya. Foto: rr
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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In einer eigenen Inszenierung hatte sich die auf großen internationalen Bühnen präsente Mezzosopranistin der Monooper „La voix humaine“ von Francis Poulenc angenommen und diese in die Gegenwart transferiert.

Das zur Gattung der Literaturoper zählende Werk, das Poulenc nach einem 1930 erschienenen Theaterstück von Jean Cocteau geschrieben hatte, und das 1959 in der Opéra-Comique in Paris uraufgeführt wurde, enthält neben einer orchestralen Fassung auch eine parallele Klavierfassung, auf die häufig zugunsten der größeren Intimität zurückgegriffen wird. Diesen Part übernahm am Samstagabend Sachie Furuya, die als Solokorrepetitorin am Landestheater Detmold wirkt, mit großer Intensität und Empathie.

Schließlich fiel ihr die Rolle zu, die ungeheuere Bandbreite an Emotionen zu illustrieren, mit denen die Protagonisten in dieser Oper konfrontiert sind. Davon erlebt man üblicherweise nur eine Sängerin, die am Telefon verzweifelt versucht, ihren Geliebten, der sie verlassen hat, zurückzugewinnen. Doch Luisa Islam-Ali-Zade hatte der an deutschen Theatern regelmäßig gespielten Oper mit Dinara Grigoryan in der Rolle der Mademoiselle Marthe eine weitere Sängerin hinzugefügt, und auch der üblicherweise unsichtbare Mann am anderen Ende der Leitung trat mit dem Tänzer Gennady Bondarenko in Erscheinung.

Auf der Bühne tobten die Gefühle, und beide Sängerinnen spielten die hohen musikalischen Anforderungen an Stimme, Emotionen und darstellerischer Kompetenz höchst vital aus, während Bondarenko eher zurückhaltend und nonverbal den Geliebten gab. Im Bühnenbild trat die Zerrissenheit durch eine Zweiteilung zutage, die links die Wohnung des Geliebten mit seiner neuen Partnerin, im rechten Teil die Wohnung der Verlassenen umfasste. Das Geschehen wogte hin und her, schwankte zwischen Verzweiflung, Stärke, Angst und Beschwörungen, dramatisierte einen Selbstmordversuch, Lügen und Manipulationen und endete in der gemeinsamen Katastrophe zweier toter Frauen.

Doch getragen wurde das Stück eher durch die große stimmliche Präsenz von Luisa Islam-Ali-Zade und Dinara Grigoryan. Und auch wenn der französisch gesungene Text sicherlich nicht alle Besucher erreichte, zog doch jeden die enorme gesangliche und darstellerische Präsenz in den Bann, so dass der Beifall nicht enden wollte. Diesen hatte sich auch der 15-jährige David Thomas verdient, der die Oper mit der „Improvisation in a-Moll“ und der Novelette in e-Moll“ virtuos umrahmte.

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