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Anca Miruna Lazarescu ist gefragte

Pyrmonter Regisseurin dreht für Netflix

BAD PYRMONT. Anca Miruna Lazarescu ist gerade richtig gefragt. Die aus Bad Pyrmont kommende Regiesseurin (Silent River, Reise mit Vater, Hackerville) dreht jetzt auch für den Streamingdienst Netflix. Im Januar kommt sie nach Bad Pyrmont, um ihren neuen Film „Glück ist was für Weicheier“ vorzustellen.

veröffentlicht am 19.11.2018 um 15:00 Uhr
aktualisiert am 19.11.2018 um 17:29 Uhr

Anca Miruna Lazarescu (re.) mit den beiden Hauptdarstellern ihres aktuellen Films „Glück ist was für Weicheier“, Martin Wuttke („Tatort“) und Ella Frey. Der Film ist eine Koproduktion mit dem ZDF. Foto: obs/ZDF/Kenneth Macdonald
Hans-Ulrich Kilian

Autor

Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite

Anca Miruna Lazarescu stammt aus Rumänen, kam im Alter von elf Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland und wuchs in Bad Pyrmont auf, wo ihre Mutter noch heute lebt und wo sie immer noch Freunde und Bekannte hat. Die heute mit Mann und zwei Kindern in Dachau lebende 39 Jahre alte Absolventin der Hochschule für Fernsehen und Film in München ist gerade als Regisseurin richtig gefragt.

Ihre Abschlussarbeit für die Filmhochschule mit dem Titel „Silent River“ war nach deren Veröffentlichung auf über 300 Festivals zu sehen. Mit einem der Berlinale-Bären, für den sie 2011 nominiert war, hat es zwar nicht geklappt, dafür heimste ihre Geschichte über eine Flucht aus Rumänien über 80 nationale und internationale Preise ein. Bis heute zählt „Silent River“ zu den am häufigsten ausgezeichneten Kurzfilmen aller Zeiten.

Mit „Glück ist was für Weicheier“ – einer Koproduktion mit dem ZDF – wurden im Oktober die renommierten Hofer Filmtage eröffnet, die schon Starregisseur Wim Wenders beim Karrierestart geholfen haben. Die Zeitschrift „Die Welt“ vermutete danach gar, dass Anca Miruna Lazarescu die Hoffnung des deutschen Kinos sein könnte, die Süddeutsche Zeitung bescheinigte ihr großes Erzähltalent und der Bayerische Rundfunk „eine Filmsprache, die die Menschen bewegt“. Dass ihr Film „Glück ist was für Weicheier“ zur Eröffnung der Hofer Filmtage gezeigt wurde, ist schon ein Erfolg an sich. Das sieht auch die Regisseurin so. „Ich habe mich irrsinnig darüber gefreut.“ Das sei großartiges emotionales Kino, lobte der künstlerische Leiter der Filmtage, Thorsten Schauman.

Die Regisseurin mit ihrem Team nach dem Dreh eines Stunts für „Glück ist was für Weicheier“ am Flugplatz in Kleinenberg. Foto: yt
  • Die Regisseurin mit ihrem Team nach dem Dreh eines Stunts für „Glück ist was für Weicheier“ am Flugplatz in Kleinenberg. Foto: yt

Für den deutschen Bezahlsender TNT drehte sie als Koregisseurin das Cyber-Crime-Drama „Hackerville“, eine Koproduktion mit HBO, die vergangene Woche anlief, und für das Streaming-Portal Netflix arbeitet sie an einer neuen Serie. Um was es dabei genau geht, darf sie nicht verraten, nur soviel: „Es wird eine deutsche Serie sein. Netflix plant eine Großoffensive mit fünf deutschen Serien, eine davon darf ich drehen.“ An Streaming-Portalen kommt auch ein leidenschaftlicher Kinofan wie Anca Miruna Lazarescu nicht vorbei. „Wenn ich auf diese Weise Millionen von Menschen erreichen und begeistern kann, dann lasse ich mir so eine Chance nicht entgegen“, betont sie. Dennoch gehöre ihr Herz dem Kino. „Wenn der Vorhang sich öffnet und 300 Leute sich gemeinsam auf den Film freuen, dann ist das einfach großartig. Kino ist und bleibt die höchste Kunst der Verführung.“ Und davon lässt sie sich auch nicht abbringen. Aktuell arbeite sie an der Vorbereitung von zwei Kinofilmen, erzählt sie.

Mit Glück hat das alles nichts zu tun. Sie ist zielstrebig, hartnäckig und kann begeistern. Und sie hat Stehvermögen bewiesen. Ihr Film „Reise mit Vater“, an dem sie sieben Jahre gearbeitet und in dem sie auch ihre eigene Geschichte verarbeitet hat, war finanziell ein Desaster. „Da fängt man schon an, sich zu überlegen, sich noch Regisseurin zu nennen“, stellte sie in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung fest. Sie jobbte danach wieder als Lokaljournalistin (was sie als junge Frau schon für die Pyrmonter Nachrichten getan hat) und unterrichtete an der Uni Passau Film und Regie. Damals habe sie entschieden, das auszusitzen. „Ich kann einfach nicht ohne Kino sein. Filme machen sei für sie wie die Luft zum Atmen, sagt sie. „Ich muss einfach Geschichten erzählen. Ich muss Leute verführen, sie zum Lachen oder Weinen bringen, und ich habe noch so viele Geschichten, die ich erzählen will“, sprudelt es aus dem Filmjunkie heraus.

Für ihren Film „Glück ist was für Weicheier“ konnte sie den bekannten Schauspieler Martin Wuttke (Tatort) und die 14-jährige Nachwuchsschauspielerin Ella Frey – ein echter Glücksgriff – gewinnen. Ella spielt ein Mädchen, das versucht das Leben ihrer großen Schwester zu retten, Wuttke ihren überforderten Vater. Gedreht wurde vorwiegend in Bad Salzuflen, Bielefeld, Herford, Rinteln – und auf der Straße von Kleinenberg zum nahen Flugplatz, die für einen Stunt mit einem Auto gesperrt wurde. Auf ihren Besuch in Bad Pyrmont freue sie sich sehr, betont sie. Am Freitag, den 18. Januar wird sie auf Einladung von Kinochef Torben Scheller um 19.30 Uhr in den Kronen-Lichtspielen ihren Film vorstellen.



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