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TNT-Krimiserie „Hackerville“ ausgezeichnet / Jury lobt „volle Dosis an Anderssein“

Pyrmonter Regisseurin Anca Miruna Lazarescu erhält Grimme-Preis

Die aus Rumänien stammende und in Bad Pyrmont aufgewachsene Filmregisseurin Anca Miruna Lazarescu erhält an diesem Freitag im Stadttheater Marl einen renommierten Grimme-Preis. Sie wird damit für ihre sechsteilige Krimi-Serie „Hackerville“ ausgezeichnet, die für den Pay-TV-Sender TNT Serie produziert wurde.

veröffentlicht am 04.04.2019 um 12:05 Uhr
aktualisiert am 04.04.2019 um 17:00 Uhr

Anca Miruna Lacarescu ist ein Temperamentbündel: Hier freut sie sich mit dem Chef der Kronen-Lichtspiele Torben Scheller, dass im Januar so viele Fans in das Pyrmonter Kino kamen, die ihren Film „Glück ist was für Weicheier“ sehen wollten. Foto: jl
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Erneut stellt sie damit eine Verbindung zwischen Rumänien und Deutschland her, so wie schon in ihrem ersten Langfilm „Die Reise mit Vater“ aus dem Jahr 2016. Es geht um die Spezialistin für Internetkriminalität Lisa Metz, (Anna Schumacher), die vom Bundeskriminalamt nach einen Hackerangriff auf eine Großbank in der rumänischen Stadt Timisoara geschickt wird. In der Stadt liegen auch ihre Wurzeln. Vor Ort soll sie mit dem Polizisten Adam Sandor und dessen Team zusammenarbeiten, doch der sieht seine eigenen Ermittlungen durch Lisas Ankunft gefährdet. Doch dann wird ihnen klar, dass der Hacker ein 14-jähriger Junge ist (Voicu Dumitras). Cipis Ausnahmetalent ist auch einer Organisation aufgefallen, die Geld mit Cyberkriminalität macht. Sie versucht, das Kind zu kidnappen.

Lazarescu, die sich in der Regie mit Igor Cobileanski abwechselte, der ebenfalls einen Grimme-Preis bekommt, konnte für ihren Film auch die beiden Schauspieler Ronald Zehrfeld („Der Staat gegen Fritz Bauer“) und die aus dem „Tatort“ bekannte Nina Kunzendorf gewinnen können. Viele Rolle werden zudem von rumänischen Darstellern gespielt. Ausdrücklich würdig die Grimme-Jury diese binationale Besetzung. Weite Teile der Handlung werden auf Rumänisch mit deutschen Untertiteln gezeigt.

„Während große historische Fernsehproduktionen die deutsche Geschichte heute am Drehort Osteuropa nachstellen, ist Hackerville interessiert an der Gegenwart. Während im Fernsehen reihenweise deutsche Schauspieler als Einheimische verkleidet an tourismusträchtigen Orten ermitteln, mutet Hackerville dem Zuschauer die volle Dosis an Anderssein seines Schauplatzes zu – und zieht daraus eine Kraft, die sich im Soundtrack des rumänischen TripHop-Künstlers Silent Strike grandios verdichtet“, heißt es auszugsweise in der Begründung der Jury. Insgesamt hatten vier Kommissionen in vier Kategorien unter 850 Vorschlägen zu entscheiden. Der Grimme-Preis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für Fernsehsendungen in Deutschland.

Eine Szene aus „Hackerville“: Lisa Metz (Anna Schumacher) versucht, das Vertrauen des genialen Programmierers Cipi Matei (Voicu Dumitras) zu gewinnen. Foto: TNT/HBO Europe

Die heute in Dachau lebende Mutter zweier Kinder zeigte sich überglücklich. Vor allem die Normierung im Februar sei angesichts der Vielzahl von guten Produktionen eine Überraschung gewesen. „Das ist die bislang größte Auszeichnung meiner Karriere. Das ist wie der Emmy in den USA“, stellte sie fest und freute sich darüber, dass erst gerade Martin Wuttke, der in ihrem Film „Glück ist was für Weicheier“ den Vater der Hauptdarstellerin spielt, für den Schauspielpreis „Lola“ nominiert worden ist. Den Film hatte sie im Januar in den voll besetzten Pyrmonter Kronen-Lichtspielen vorgestellt.

Der Grimme-Preis ist für die gebürtige Rumänin auch eine große Genugtunung, weil er der Beweis sei, dass alle Menschen die gleiche Chance haben. „Mein Vater hat sich als Rumäne immer als Mensch zweiter Klasse gesehen. Ansonsten sei so eine Auszeichnung eine schöne Sache, „aber wirklich interessiert bin ich an der Arbeit mit den Schauspielern und meinen Filmen“, versichert sie. Immerhin verhelfen Auszeichnung dazu, dass Filmangebote nun frei Haus geliefert werden, ihnen die Regisseurin nicht mehr hinterherlaufen muss. „Im Moment läuft es ganz gut“, bemerkt sie nüchtern. Ihr Film „Glück ist was für Weicheier“ eröffnete vergangenes Jahr die 52. Internationalen Hofer Filmtage. Schon das war eine Auszeichnung für sich.

Die 37-jährige Regisseurin, einst als Schülerin Autorin der Dewezet und Pyrmonter Nachrichten, ist viel beschäftigt. Aktuell dreht sie in Köln für den Streamingdienst Netflix die Serie „Die Welle“. „Das wird ein Projekt, dass wegen seiner Aktualität internationale Aufmerksamkeit haben wird“, ist sie sich sicher. Der Start ist für dieses Jahr geplant, sehen werden sie aber ausschließlich Netflix-Kunden.

Zwei Filme hat sie bislang mit öffentlich-rechtlichen TV-Sendern realisiert, jetzt ist sie bei den neuen Medien angekommen. Das hat den Vorteil, wirtschaftlich abgesichert zu sein sich nicht mehr um die Fianzierung eines Projektes selber kümmern zu müssen. Aber wie sieht es mit der künsterischen Freiheit bei einem Auftraggeber aus, der Geld verdienen will? Grundsätzlich lobt Lazarescu die Möglichkeit, auf diese Weise Filme drehen zu können. „Für uns Kreative bieten diese neuen Player ein neues, unfassbar spannendes Spielfeld. Und Netflix fordert noch viel mehr als die Öffentlich-rechtlichen, die ja auch vor allem auf die Quote gucken, dazu auf, mutig zu sein und mutig zu erzählen“, sagt sie. Zumindest bei „Hackerville“ hat Anca Lazarscu bewiesen, dass sie das kann und das sie das will. Also bis zum nächsten Preis.

Die von der Fernsehjournalist Dunja Hayali moderierte Verleihung der 55. Grimme-Preise wird heute von 3sat ab 22.25 Uhr im Fernsehen ausgestrahlt. Bereits ab 19.10 Uhr überträgt der Sender die Preisgala per Livestream auf www.3sat.de.



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