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Seit Winnenden wurden insgesamt 42 Pistolen, Revolver und Gewehre zur Vernichtung abgegeben

Pyrmonter Rathaus wird zur Waffenkammer

Bad Pyrmont (uk). Rainer Schlingmann sammelt Waffen – rein dienstlich und für einen ganz bestimmten Zweck. Die Pistolen, Revolver, Karabiner oder Kleinkalibergewehre werden vernichtet. Ihre bisherigen Eigentümer wollen mit den Waffen nichts mehr zu tun haben. Sie nutzten den Aufruf der Behörden nach dem Amoklauf von Winnenden und lieferten sie im Rathaus ab. Seit April dieses Jahres sind auf diese Weise 42 Schusswaffen zusammengekommen, deutlich mehr als in anderen Jahren.

veröffentlicht am 19.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 11:41 Uhr

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Gemeinsam mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft, hatten die Waffenbehörden ein gemeinsames Vorgehen abgestimmt, um denjenigen, die Waffen abgeben möchten, das Verfahren zu erleichtern. Die Vernichtung, für die die Polizei zuständig ist, ist kostenlos. Die ordnungsgemäße Aufbewahrung dagegen relativ kostspielig. „Viele Waffenbesitzer scheuen die Ausgaben für einen Waffenschrank“, weiß Schlingmann. Schränke für Langwaffen schlagen mit rund 180 Euro zu Buche, die für Kurzwaffen können noch teurer sein. „Gemessen am Wert der Waffe, ist es ihnen das nicht wert.“

Auch für Erben gilt das Waffenrecht

„Nach und nach schreiben wir alle Waffenbesitzer an und fragen sie nach der Aufbewahrung“, so Schlingmann. Rund 600 gibt es davon in Bad Pyrmont. Ihnen wird zwingend vorgeschrieben, wie diese Lagerung – auch von Munition – auszusehen hat. Wer sich daran nicht hält und bei einer Kontrolle erwischt wird, muss auf jeden Fall mit einer Strafe rechnen.

Auch wer zum Beispiel als Erbe in den Besitz einer Waffen gekommen ist, muss sich an das Waffenrecht halten. Wer diese Waffen nicht für die Jagd oder einen anderen Zweck nutzen will, sie aber trotzdem behalten möchte, muss ein mit einem Zahlencode versehenes elektronisches Sicherungsschloss anbringen lassen. „Einen Waffenschrank braucht der Eigentümer aber trotzdem“, so Schlingmann. Der Besitz von Munition ist tabu.

Die Bereitschaft, eine Waffe abzugeben, wird auch durch die Zusicherung der Straffreiheit gefördert, denn auch wer illegale Waffen zu Hause hat und diese freiwillig abgibt, soll nicht bestraft werden. „Diese Amnestie gilt noch bis Ende dieses Jahres“, so Schlingmann. Straffrei geht auch der aus, der sich nicht sicher ist, ob der Besitz einer Waffe nicht schon eine Straftat darstellt, wenn man den Besitzübergang nicht rechtzeitig angezeigt hat.

Wer sich trotzdem von seinem Schießprügel nicht trennen und ihn funktionsfähig halten will, der benötigt eine Waffenbesitzkarte. Dafür prüfen die Behörden die Zuverlässigkeit und die Eignung des Antragstellers und fragen diese bei diversen Registern und Datenbanken ab. Ein Ausschlusskriterium für den Besitz einer Waffe kann zum Beispiel ein Strafverfahren sein. „Jede Waffe, die sich nicht mehr im Umlauf befindet, reduziert auch die Gefahr eines unrechtmäßigen Umgangs“, betont Bad Pyrmonts Bürgermeisterin Elke Christina Roeder. Sie appelliert darum an jeden Waffenbesitzer in Bad Pyrmont, Waffen, die nicht mehr benötigt werden beziehungsweise aus einer Sammlung herausgelöst werden können, abzugeben.

Die Waffen landen dann in einem Hochofen, wo sie eingeschmolzen werden. Wiedersehen ausgeschlossen.

Bei Rainer Schlingmann, Sachbearbeiter für Waffenrecht, landen die zur Vernichtung bestimmten Waffen. Foto: uk

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