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Pyrmonter Paritäten setzen sich für Unterschiedlichkeit ein

Bad Pyrmont (uk). Bürgermeisterin Elke Christina Roeder bekannte, dass sie das Wort Inklusion kannte, aber nicht seine Bedeutung. Die Idee der Inklusion besteht darin, dass kein Behinderter mehr als „andersartig“ angesehen werden soll, dass die Unterschiedlichkeit einer Gesellschaft völlig normal ist und dass darum auch niemand integriert werden muss. Die Pyrmonter Paritäten wollen dafür sorgen, dass die Idee in der Kurstadt an Bedeutung gewinnt, auch wenn die Inklusion nicht nur Chancen sondern auch Risiken birgt.

veröffentlicht am 07.01.2011 um 14:42 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 21:41 Uhr

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Was der Alltag mit einem behinderten Kind bedeutet, machten drei Mütter beim Neujahrsempfang der Paritäten deutlich. Michaelis Calaminus, Julia Niemann und Steffi Maltzahn haben Söhne im Alter von 9 bis 13 Jahren mit verschiedenen Behinderungen. Sie setzten in die Inklusion Hoffnungen, haben aber auch Befürchtungen. Sie berichteten von pikierten, empörten („Wenn das meiner wäre, dann bekäme er Dresche“) oder sogar entsetzten Reaktionen, die ihre Söhne beim Einkaufen im Supermarkt oder beim Gang durch die Brunnenstraße auslösen, von ihren Bemühungen, die Situation zu erklären und dabei immer gut drauf zu sein. „Wer hat schon Lust auf eine Mutter, die schlecht drauf ist“, stellte Michaelis Calaminus fest. „Als Familie fallen wir auf, dabei stehen wir nicht gerne im Mittelpunkt.“

Die drei Mütter ließen keinen Zweifel, dass in Bad Pyrmont schon viel erreicht ist, dass es viele gemeinsame Angebote für behinderte und nicht behinderte Kinder gibt, nicht nur das Turnen des MTV Bad Pyrmont. Michaelis Calaminus Sohn Lukas (13), der mit dem Down-Syndrom lebt, ist Messdiener in der Pfarrgemeinde St. Georg und spielt in der Jugendfußballmannschaft auf dem Hagen – und zwar mit regulärem Spielerpass. „Die Frage ist nicht, ob die Gesellschaft in der Lage ist, mehr auf Behinderte zuzugehen, sondern die Frage ist, ob sie das auch will“, meinen die Mütter. Bislang komme es oft auf das Engagement Einzelner an. Ihr Fazit: „Von einer inklusiven Gesellschaft sind wir noch weit entfernt.“ 

Ihre Sorge, dass das Land die Förderschulen abschaffen werde, versuchte ihnen die Landtagsabgeordnete Ursula Körtner (CDU) zu nehmen. „Die Schulen werden als zusätzliches Angebot erhalten bleiben“, versicherte sie.

Inklusion birgt Chancen aber auch Risiken. „Inklusion könnte dazu genutzt werden, die sozialen Strukturen zu zerstören“, befürchtet Olaf Heilig, Geschäftsführer des Sozialzentrum Hameln-Pyrmont in Löwensen. „Diese Gefahr besteht, wenn nicht mehr der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Vordergrund steht, sondern wenn angeordnet wird, was gut für ihn ist.“ Schützenhilfe könne die vor vier Jahren von den Vereinten Nationen verabschiedete Konvention über die Rechte für Menschen mit Behinderungen leisten. „Die hat den Status eines Völkerrechts und kann auch für ganz alltägliche Dinge angewandt werden“, betonte Heil, etwa wenn es um die Frage gehe, warum zur Bibliothek nur eine Treppe führe.

Damit traf er einen wunden Punkt, denn das trifft noch immer auf die Stadtbibliothek in Bad Pyrmont zu. Elisabeth Krause, Leiterin der paritätischen Dienste in Bad Pyrmont, nutzte die Steilvorlage für einen spontanen Beschluss. In Absprache mit Paritäten-Geschäftsführer Norbert Raabe bot sie Bürgermeisterin Roeder eine Rampe an, mit der Rollstuhlfahrer zumindest das Erdgeschoss der Bibliothek erreichen können. Roeder griff erfreut zu, auch wenn die Details noch geklärt werden müssten. Sie habe sehr viel gelernt, sagte Roeder und betonte. „Wir alle sollten viel mehr Verständnis füreinander aufbringen.“



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