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„Bonsai ist Kunst“

Pyrmonter mit internationalem Bonsai-Preis ausgezeichnet

BAD PYRMONT. Ein Bonsai ist nicht einfach irgendeine Pflanze neben vielen anderen im Garten oder auf der Fensterbank. „Bonsai ist Kunst.“ Das sagt Dieter Arndt, der in diesem Jahr geehrt wurde mit dem „European Bonsai Association Merit Award“ für sein Lebenswerk.

veröffentlicht am 14.12.2017 um 17:41 Uhr
aktualisiert am 14.12.2017 um 19:50 Uhr

Dieter Arndt wurde in diesem Jahr mit dem „European Bonsai Association Merit Award“ für sein Lebenswerk geehrt. Foto: yt
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Autor

Carlhermann Schmitt Reporter
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Der nunmehr 73-jährige Bad Pyrmonter hat sich seit 1973 der Bonsai-Kunst verschrieben. „Ich habe auf der damaligen internationalen Gartenbauausstellung in Hamburg einen Vortrag über Diskusfische besucht. Auf dem Weg zum Vortragsort bin ich an ein paar dieser Miniaturbäume vorbeigekommen“, erinnert er sich. „Ich habe noch nie zuvor etwas Vergleichbares gesehen und war sofort Feuer und Flamme.“

Über persönliche Kontakte und im Umgang mit eigenen Pflanzen, die er sich als Babybäume aus dem Wald holte, lernte er die Zucht und sich angemessen den Pflanzen zu nähern. „Damals gab es noch keine Literatur in Deutschland über Bonsai.“ Aber schon damals war ihm klar, dass es auch um den Respekt vor der Pflanze ging: „Einen wirklich schönen Baum kann man nur schaffen, wenn man erkennt, was in ihm schlummert.“ Ähnlich wie bei einem Menschen, der Talente in sich hat, die gefördert werden wollen. Erst 1985 schaffte es Dieter Arndt, den Arbeitskreis Lippe Südost zu gründen, als der Bonsai auch in Deutschland an Popularität gewonnen hatte.

Bereits im gleichen Jahr hat ein Baum von Arndt einen bedeutenden europäischen Preis gewonnen, auch wenn der mittlerweile Wolf-Dieter Schudde gehörte. Klar war, dass Arndt die Vorzüge des Baums schon herausgearbeitet hatte. Es gab weitere Preise. So wurde ein Bäumchen aus Arndts ersten Anfängen 1999 zu Deutschlands schönster Linde gekürt. Dennoch, es hätten mehr Preise sein können, das weiß auch Dieter Arndt: „Aber ich habe mich dem Trend verweigert, unsere Minibäume im asiatischen Stil zu züchten.“

Die Japaner, von ihnen stammt das Wort Bonsai, was auf Deutsch so viel heißt wie Anpflanzung in der Schale, die haben ihrerseits diese Kunst aus China importiert. Dort werden die kleinen Bäume bezeichnet als Landschaft oder Szenerie in der Schale. Und diese Szenerie wird möglichst dramatisch dargestellt. Gerne wie ein Baum, der einen Blitzeinschlag überlebt hat, einen Taifun oder in Japan ein Erdbeben. Und was immer so nett als Harmonie zwischen den Gewalten bezeichnet wird, sieht oftmals aus wie schlichtes Überleben in der Dystopie.

„Ich habe immer Bäume geschaffen, die unsere Natur widerspiegeln, die längst nicht so lebensfeindlich ist wie in Asien.“ Für Puristen ist das ein Problem, die sich längst an den Originalen aus Japan orientieren. Dass andererseits Dieter Arndt mit seinen Bäumen dennoch viel Beachtung erhält, liegt daran, dass er es schafft, auch die deutschen Bäume, deren Lebensumfeld gegenüber den japanischen geradezu langweilig erscheint, charaktervoll und einzigartig darzustellen. Seine Bäume wurden in renommierten Fachzeitschriften vorgestellt und auch im Fernsehen hat er mehrfach seine Bäume präsentiert. Er wurde als Richter zu lokalen und überregionalen Ausstellungen eingeladen.

Sein Ritterschlag war indessen, dass seine Linde es sogar in das Schloss Bellevue schaffte, wo sie bei einer Ausstellung im Amtssitz des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck zu sehen war. Nun steht seine Linde als Dauerleihgabe auf dem Walk of Fame. Dass, was für Schauspieler der Stern auf dem Trottoir in Los Angeles ist, ist für die Bonsai-Künstler in Deutschland ein Baum in der Straße der Ehre in einer Bonsaischule. Und mit der Ehrung für sein Lebenswerk hat Dieter Arndt nun auch den Olymp der Europäischen Bonsai-Künstler erklommen.

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