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Ohne weitere Vorstandsmitglieder droht Auflösung

Pyrmonter Kinderschutzbund setzt Hilferuf ab

BAD PYRMONT. Es ist schon so etwas wie ein Hilfeschrei, den Manuela Groth und Britta Schröder da gerade absenden. „Für unsere Aufgaben sind wie einfach nicht genug Leute“, sagen sie.
Aktuell sind die Vorsitzende und die Schriftführerin die beiden einzig verbliebenen ehrenamtlichen Frontfrauen des Pyrmonter Kinderschutzbunds.

veröffentlicht am 14.03.2019 um 22:37 Uhr

Die Vorsitzende Manuela Groth (li.) und Schriftführerin Britta Schröder hoffen, dass sich möglichst schnell weitere Ehrenamtliche finden, die dabei helfen, den Kinderschutzbund in Bad Pyrmont zu erhalten. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Das Gros der übrigen Vorstandsmitglieder hatte seine Ämter vor zwei Jahren nur unter der Prämisse angetreten, sie wieder niederzulegen, sobald sich Ersatz fände. Nur ist der aktuell nicht in Sicht.

Seit der bisherige Schatzmeister aus Bad Pyrmont verzogen ist, kümmert sich eine externe Unterstützerin amtierend um die Finanzen. Aber ein Dauerzustand soll und darf das nicht sein, betont Britta Schröder. „So sind wir im Grunde nicht geschäftsfähig“, ergänzt Manuela Groth, die den Vorsitz seit zwei Jahren innehat. „Deshalb hoffen wir auf ehrenamtliche Unterstützer, die uns helfen, den Fortbestand des Kinderschutzbunds zu sichern.“

Sowohl Groth als auch Schröder sind bereit, bei den im Frühjahr anstehenden Vorstandswahlen erneut zu kandidieren. Aber beide haben für die anfallenden Vorstandsaufgaben nicht unendlich Zeit. „Jede von uns ist in Vollzeit berufstätig“, sagt die Diplom-Pädagogin sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Groth, die nebenher noch an ihrer Doktorarbeit schreibt.

Wenn sich drei oder vier weitere Ehrenamtliche für den Vorstand finden, kann es weitergehen. Vakant sind der stellvertretende Vorsitz sowie die Ämter des Schatzmeisters oder der Schatzmeisterin und eines Beisitzers oder einer Beisitzerin.

Einen Brief an die rund 100 KSB-Mitglieder hat die Rest-Vereinsspitze in der vergangenen Woche abgeschickt. Und hinter den Kulissen sind die beiden Frauen auch nicht untätig. Ein paar Gespräche mit möglichen Kandidatinnen und Kandidaten hat es schon gegeben. Und doch hoffen sie, durch den Schritt an die Öffentlichkeit nun weitere Menschen für den Kinderschutz interessieren zu können, denen das Thema ebenso wichtig ist wie ihnen. „Blieben wir still, dann würden die Leute vielleicht denken: ,Die kriegen das schon hin‘“, sagt Manuela Groth. Aber das werde auf Dauer nicht möglich sein.

Das Eingeständnis, dass ausgerechnet im 40. Jahr nach der Gründung in Bad Pyrmont am 26. März 1979 „schlimmstenfalls die Auflösung“ drohe, geht den beiden nicht leicht von den Lippen. Denn vorstellen möchten sie sich das nicht. Schließlich gibt es eine ganze Reihe von Kindern und Familien in der Kurstadt, um die sich die hauptamtliche Mitarbeiterin Silvia Groth (die Mutter der Vorsitzenden) sowie mehrere Hausaufgabenhelfer, Projektmitarbeiter und Ehrenamtliche kümmern.

Liefen die diversen KSB-Angebote aus, dann ginge den Mädchen und Jungen mehr verloren, als ein paar Freizeitangebote. Denn ohne den Kinderschutzbund ginge eine wichtige Anlaufstelle für Familien verloren. „Das wäre richtig traurig“, sagt Manuela Groth. „Der Kinderschutzbund ist den Familien ein vertrauenswürdiger Beratungspartner.“ Jeder, der Unterstützung brauche, könne mit seinen Anliegen und Fragen kommen.

Welche Bedeutung der Verein erlangen kann, erfuhr die Öffentlichkeit erst vor rund sechs Wochen. Da wurde im Zusammenhang mit den mutmaßlich mehr als 1000 Missbrauchstaten durch zwei Dauercamper im Lügder Ortsteil Elbrinxen bekannt, dass sich ein Pyrmonter Vater 2016 hilfesuchend an den KSB gewandt hatte. Dessen Mitarbeiterin gab seinen Missbrauchsverdacht gegen den heutigen Hauptbeschuldigten laut Verein umgehend ans Jugendamt und die Polizei weiter. Dass diese wohl recht eindeutigen Hinweise folgenlos blieben und das Treiben des mutmaßlich pädokriminellen Verdächtigen Andreas V. und seines Helfers Mario S. nicht beendeten, dürfte an fatalen Fehleinschätzungen der mit dem Fall befassten Mitarbeiter in den Behörden gelegen haben.

Manuela Groth stand damals noch nicht an der Vereinsspitze. Aber für sie steht fest, dass auch der Pyrmonter Verein seine Lehren aus dem Fall ziehen werde. Kürzlich sagte sie im Gespräch mit dieser Zeitung, in Zukunft werde man sich nicht mehr mit der Auskunft zufriedengeben, dass sich eine Behörde „kümmere“.

Aber das Nachhalten dürfte in solch heiklen Fällen eher nicht zu den Aufgaben neuer Vorstandsmitglieder zählen. Von denen erhoffen sich Groth und Schröder erst einmal einfach nur frischen Wind. „Wir bieten viel Raum für Eigeninitiative“, betont die Vorsitzende. Maßstab seien nur die Leitlinien des Kinderschutz-Bundesverbandes.

Bis auf den Mangel an Vorständlern steht der Verein aktuell im Grunde nicht schlecht da. „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren eine ganze Menge erreicht“, sagt Manuela Groth. „Je präsenter der Kinderschutzbund wieder in der Öffentlichkeit geworden ist, desto höher ist auch die Nachfrage nach unseren Angeboten geworden.“

Anders als ihre Vorgänger hätten sie die Projekte bisher auch nicht heruntergefahren. So sei ein demnächst startender Eltern-Kind-Kurs fast ausgebucht. Die Hausaufgabenhilfe in der Herderschule und der Holzhäuser Grundschule funktioniere gut, und die Nachfrage für die Kinder-Schwimmkurse und die Deeskalationstrainings sei ebenfalls groß. Auch die Eltern-Kind-Gruppe erreiche die Familien.

Außerdem biete der Verein – nach einer ersten erfolgreichen Ferienfreizeit im Harz 2018 – auch in diesem Sommer einen Kurzurlaub für Kinder an. Diesmal soll die Tour in ein Kreativ- und Abenteuercamp nach Walsrode führen.

Die Planungen für die eigentlich vorgesehene große Geburtstagsfeier des Kinderschutzbundes liegen dagegen einstweilen auf Eis. Denn aktuell sieht es noch nicht nach einem guten Grund zum Feiern aus.

„Wir haben auch noch viele andere Ideen, aber eben nicht genug Leute“, räumen die beiden Frontfrauen ein – in der Hoffnung, dass ihr Hilferuf erhört wird von anderen Pyrmontern, denen der Kinderschutz ebenso viel bedeutet wir ihnen.


Wer den Vorstand verstärken möchte, erreicht den Kinderschutzbund unter Telefon 05281 / 609505 oder per E-Mail an info@kinderschutzbund-badpyrmont.de.



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