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„Ein schwieriger Job“ für die Ortsvorsteher

Pyrmonter Bergdörfer im Abseits?

PYRMONTER BERGDÖRFER. Werden die Pyrmonter Bergdörfer von der Stadt Bad Pyrmont vernachlässigt, wie offenbar nicht wenige Dorfbewohner meinen? So weit wollen die Ortsvorsteher nicht gehen. Aber dennoch wünschen sie sich mehr Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit vom Rathaus. Drei von ihnen berichten von ihren Erfahrungen.

veröffentlicht am 10.08.2018 um 15:30 Uhr
aktualisiert am 10.08.2018 um 18:50 Uhr

Zwei der fünf Pyrmonter Bergdörfer – Großenberg (vorne) und Kleinenberg – auf der Hochebene. Sie liegen schön aber auch etwas abgelegen. Foto: mar
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Der Glockenturm in Baarsen, die alte Schuluhr in Großenberg, eine ungemähte Böschung an einem Spielplatz, zu hoch stehende Gullydeckel oder ein ausgefahrener Wirtschaftsweg in Kleinenberg haben eines gemeinsam: Eigentlich hätte die Ausbesserung, Pflege oder Erneuerung dieses städtischen Eigentums schon längst erledigt sein können. Wer durch die Pyrmonter Bergdörfer spaziert und mit den Bewohnern ins Gespräch kommt, der hört einen Satz immer wieder: „Für die dort unten sind wir wohl nicht wichtig genug, damit sie sich um uns kümmern.“ Mit denen dort unten ist die Stadtverwaltung in Bad Pyrmont gemeint.

Als Interessensvertreter der gut 1100 Dorfbewohner fungieren fünf Ortsvorsteher, die jeweils für fünf Jahre vom Rat gewählt werden. „Die Ortsvorsteherin oder der Ortsvorsteher hat die Belange der Ortschaft gegenüber den Organen der Gemeinde zur Geltung zu bringen und im Interesse einer bürgernahen Verwaltung Hilfsfunktionen für die Gemeindeverwaltung zu erfüllen“, beschreibt die Niedersächsische Kommunalverfassung deren Aufgaben. Und weiter: „Sie oder er kann in allen Angelegenheiten, die die Ortschaft betreffen, Vorschläge unterbreiten und von der Hauptverwaltungsbeamtin oder dem Hauptverwaltungsbeamten Auskünfte verlangen.“ So weit so gut. Doch offenbar klaffen Theorie und Praxis auseinander. Wenn man Ortsvorsteher darauf und auf die Stimmung in der Bevölkerung anspricht, dann macht sich im Lauf des Gesprächs eine gehörige Portion Frust bemerkbar. „Auf der einen Seite stehen die Dorfbewohner mit ihren Erwartungen, auf der anderen Seite steht die Stadtverwaltung und dazwischen wir“, sagt Melanie Brankov-Stein, Ortsvorsteherin in Kleinenberg, die von einem „schwierigen Job“ spricht.

„Einmal im Jahr bereist der Bürgermeister die Dörfer und schreibt alles auf, was so anfällt und was erledigt werden muss. Aber wenn er ein Jahr später wieder kommt, dann sind 90 Prozent dieser Dinge noch nicht abgearbeitet“, berichtet Baarsens Ortsvorsteher Paul von der Heide. „Wir wissen, dass wir nicht der Nabel der Welt sind, aber ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit wünschen wir uns schon“, sagt Großenbergs Ortsvorsteher Dirk Wöltje.

Thoren Schmidt hat schon seit Anfang Mai ein Baugerüst vor seinem Haus stehen. Grund sind Arbeiten an der früheren Schuluhr. Foto: uk
  • Thoren Schmidt hat schon seit Anfang Mai ein Baugerüst vor seinem Haus stehen. Grund sind Arbeiten an der früheren Schuluhr. Foto: uk
Die ungemähte Wiese unter dem Großenberger Spielplatz ist ein Beispiel für die Sichtweise der Einwohner auf die Stadt. Foto: uk
  • Die ungemähte Wiese unter dem Großenberger Spielplatz ist ein Beispiel für die Sichtweise der Einwohner auf die Stadt. Foto: uk

Jeder der drei kann auf Anhieb Themen nennen, die nicht gut gelaufen oder auch nach Jahren nicht erledigt sind. Die alte aus dem Jahr 1906 stammende Schuluhr in Großenberg zum Beispiel, die auf automatischen Betrieb umgestellt werden sollte, weil sich die alte Schule mittlerweile in Privatbesitz befindet. Dabei stellt sich heraus, dass der kleine Turm erneuert werden musste. Das sollte ursprünglich im Mai 2016 geschehen. Passiert ist lange nichts, aber seit Mai diesen Jahres steht ein Baugerüst vor dem Privathaus. „Vom Rathaus sind wir immer wieder vertröstet worden“, berichtet Dirk Wöltje von 20 Gesprächsrunden, die zu nichts geführt hätten. Ende dieses Monats sollen die Arbeiten nun erledigt sein.

Ein anderes Beispiel ist der Ausbau der Toilette in der Grundschule Baarsen. Der ist zwar mittlerweile erledigt, doch die Erfahrungen damit waren offenbar ernüchternd. „Wir haben uns gemeinsam um Lösungsvorschläge gekümmert. Aber wir haben immer nur gehört, was alles nicht geht, statt einmal ein Dankeschön“, erinnert sich Paul von der Heide. „Vielleicht sind die Bergdörfer doch nicht so wichtig“, fragt er sich.

Große Sorgen macht allen Ortsvorstehern, dass die Stadt sie in Sachen Arbeitssicherheit im Regen stehen lasse. „Auf der einen Seite werden wir darauf hingewiesen, dass beim Einsatz von ehrenamtlichen Helfern – zum Beispiel der Hackgruppen – oder der Beschäftigung von Minijobbern für die Grünpflege die Ortsvorsteher persönlich für die Einhaltung des Arbeitsschutzes verantwortlich sind, aber auf der anderen Seite ist kein Geld für die vorgeschriebene Ausrüstung vorhanden“, berichtet Wöltje.

Dem städtischen Bauhof machen die Ortsvorsteher, die großen Wert auf ihre überparteiliche Zusammenarbeit legen keinen Vorwurf und auch einzelnen Mitarbeitern der Verwaltung nicht. Der Bauhof habe schon genug zu tun und zu wenig Personal, meinen sie. Und sie zeigen Verständnis, wenn sich das eine oder andere nicht so schnell erledigen lasse, wie sie sich das vielleicht vorstellen. Aber sie fordern mehr Kommunikation aus dem Rathaus heraus. „Es geschieht leider immer wieder, dass ich keine Rückmeldung erhalte und ich darum auch nicht planen kann“, so Kleinenbergs Ortsvorsteherin.

Große Erwartungen setzen alle fünf Ortsvorsteher in das Dorferneuerungsprogramm, für das sie sich sehr engagiert haben. Doch wie geht es damit weiter? Brankov-Stein und ihre Kollegen wissen, dass sich Skepsis in der Bevölkerung breitmacht. Die Verwaltung müsse jetzt den nächsten Schritt gehen und kleinere Projekte in den einzelnen Dörfern anschieben, um zu zeigen, dass sich etwas bewegt, so ihre Vorstellung.



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