weather-image

Pyrmont gedenkt und erinnert an das Unfassbare

Bad Pyrmont (Hei). Das geschehene Leid werde nicht vergessen, aber ohne Anklage wolle man gemeinsam auf eine gute Zukunft hoffen: Das wünschte sich der Vorsitzende der russisch-jüdischen Gemeinde Bad Pyrmont, Alexander Medwetski, bei einer Gedenkstunde zur Pogromnacht 1938 vom Zusammenleben mit seinen deutschen Mitbürgern.

veröffentlicht am 09.11.2009 um 20:41 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 09:41 Uhr

pogrom
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Bad Pyrmont (Hei). Das geschehene Leid werde nicht vergessen, aber ohne Anklage wolle man gemeinsam auf eine gute Zukunft hoffen: Das wünschte sich der Vorsitzende der russisch-jüdischen Gemeinde Bad Pyrmont, Alexander Medwetski, bei einer Gedenkstunde zur Pogromnacht 1938 vom Zusammenleben mit seinen deutschen Mitbürgern.
 Wie alljährlich hatte der „Arbeitskreis 27. Januar“ zu diesem Gedenken auf den jüdischen Friedhof in der Bombergallee eingeladen. Bürgermeisterin Elke Christina Roeder sagte, ein Schleier der Trauer liege über dem 9. November 1938 und über der Erinnerung an das Unfassbare, was den Juden angetan wurde, während gleichzeitig andere Menschen in Deutschland ihrem alltäglichen Leben nachgegangen seien. „Unsere Generation ist verpflichtet, das Gedenken an dieses Unrecht wach zu halten, als eine Mahnung, dass so etwas nie wieder passieren darf. Es liegt in unserer Verantwortung, jeden Anfängen von Diskriminierung einzelner Bevölkerungsgruppen entgegen zu treten“. Als Sprecher des Arbeitskreises erinnerte Klaus Titze namentlich an einige Familien, die während der Nazizeit in Bad Pyrmont lebten, in das sogenannte „Judenhaus“ in der Bahnhofstraße umgesiedelt und von dort deportiert wurden. Zum Abschluss der Gedenkstunde wurde das jüdische Totengebet Kaddish in hebräischer, deutscher und russischer Sprache gelesen.
 Der Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom schilderte anschließend im Quäkerhaus, wie jüdische Kinder aus dem Landkreis die schlimme Zeit erlebten, auf welche demütigende Weise sie diskriminiert und von anderen Kindern ausgegrenzt wurden. Vielen von ihnen sei die Flucht nach Palästina gelungen, während ihre Eltern deportiert und im Konzentrationslager umgekommen seien. „Es war keine körperliche Gewalt, die diesen Kindern in ihrem Heimatort angetan wurde, aber es waren schwere seelische Grausamkeiten, die sie erdulden mussten“, machte Gelderblom deutlich.
 Die Musik, die Ulrike Dangendorf mit ihrem Akkordeon spielte, berührte sehr. Es waren bekannte, eigentlich fröhliche Kinderlieder, die durch musikalische Brüche und im Kontext zu dem Erzählten ihre Unschuld verloren. So ging das Leid der jungen Menschen besonders unter die Haut. Pastor Hans Christoph Müller vom Arbeitskreis verband den Dank an die Mitwirkenden mit einem Ausblick auf die nächste Gedenkstunde: Dann wird man das Thema Zivilcourage behandeln.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare