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Staatsanwaltschaft Hannover wirft 16-Jährigem wegen Angriffs auf seinen Lehrer versuchten Totschlag vor

Prozessauftakt 18 Monate nach Würgeattacke

18 Monate nach der Würgeattacke gegen seinen Lehrer muss sich ein ehemaliger Pyrmonter Gymnasiast ab heute wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Hannover verantworten.Der damals 14-Jährige soll den Pädagogen wegen eines abgenommenen Handys mit einem Schnürsenkel stranguliert haben. (jl)

veröffentlicht am 11.04.2016 um 17:46 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:54 Uhr

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Autor:

von juliane Lehmann
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Bad Pyrmont. Am späten Abend des 24. September 2014 soll der damals 14 Jahre alte Gymnasiast Anton A. (Name geändert) während einer Klassenfahrt in Goslar seinen Lehrer mit einem Schnürsenkel zu erwürgen versucht haben. Die brutale Attacke gegen den damals 33 Jahre alten Pädagogen erregte bundesweite Aufmerksamkeit.

Eineinhalb Jahre später muss sich der inzwischen 16-Jährige ab heute vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft dem Ex-Gymnasiasten versuchten Totschlag vor. Als der Lehrer sich aus der Strangulation zu befreien versuchte, erlitt er zudem einen Sehnenabriss an einem Finger. Als andere Schüler dem Opfer zu Hilfe eilten, nahm der 14-Jährige Reißaus. Die Polizei griff ihn später in der Goslarer Innenstadt auf.

Der Angriff im Treppenhaus der Goslarschen Jugendherberge markierte das für den Pädagogen kurzzeitig lebensbedrohliche Ende einer Auseinandersetzung um das Smartphone von Anton A. Der 14-Jährige wollte damit einen angeblichen Hygienemangel in der Jugendherberge fotografieren und das Bild im Internet veröffentlichen. Daraufhin nahm ihm der Lehrer das Telefon offenbar vor versammelter Mannschaft im Speisesaal ab. Während eines weiteren Streits am Abend verließ Anton A. den Saal. Der Lehrer und eine Kollegin folgten ihm. Kurz darauf soll der 14-Jährige seinem Lehrer den Schnürsenkel von hinten über den Kopf geworfen und zugezogen haben.

Um heranwachsenden Tatverdächtigen die Folgen ihres Handelns zeitnah deutlich zu machen, streben die Strafverfolgungsbehörden in der Regel beschleunigte Verfahren an. Dazu kam es im Fall von Anton A. jedoch nicht. Im Frühjahr 2015 soll er aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie geflohen sein und sich dann nach Russland abgesetzt haben. „Der Grund seiner Ausreise war aber nicht, dass er sich diesem Verfahren nicht stellen wollte“, sagt sein Verteidiger Vyacheslav Varavin auf Anfrage und dementiert damit den anders lautenden Bericht einer Boulevardzeitung. Fakt sei: Anton A. wurde im Sommer 2015 in Russland festgenommen. Bis zu seiner Überstellung nach Deutschland im Februar saß er dort im Gefängnis. Seitdem sitz er in U-Haft in der Jugendanstalt in Tündern.

Nach dem für heute um 9 Uhr angesetzten Prozessauftakt vor der 2. Großen Jugendkammer des Landgerichts sind drei weitere Termine angesetzt. Das Verfahren ist nicht öffentlich.

Laut Gerichtssprecher Dr. Stephan Loreit wäre im Falle einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren möglich.



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