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Saint-Exuperys „Kleiner Prinz“ als Musical im Konzerthaus ruft gemischt Gefühle hervor

Projektion contra Poesie

Bad Pyrmont. Ein kleiner Prinz verzaubert die Welt. Woher er kommt, auf welchem Planeten er lebt, wo er seine Rose pflegt und seine Vulkane versorgt – das alles bleibt sein Geheimnis. Und das Geheimnis seines Schöpfers Antoine de Saint-Exupery, der mit seinem poetischen und philosophischen Märchen „Der kleine Prinz“ Weltruhm erlangte.

veröffentlicht am 15.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 15:41 Uhr

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Autor:

Karin Heininger
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Der Schriftsteller und Pilot stürzte im Zweiten Weltkrieg bei einem Aufklärungsflug nahe der Insel Riou bei Marseille an der französischen Mittelmehrküste ab. Er wurde nur 44 Jahre alt. Und auch sein berühmtestes Buch basiert auf einem Flugzeugabsturz. In der Sahara begegnet der Pilot eben jenem kleinen Prinzen, der die „großen“ Leute mit ganz einfachen Fragen in Verlegenheit bringt und der gemeinsam mit seinem Freund, dem Fuchs, nachdenkenswerte Sätze sagt wie „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar“ oder „Du bist für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“

Immer wieder haben auch bekannte Schauspieler den berührenden Text von Saint-Exupery vorgetragen, und es kam, wie es kommen musste: Die boomende Musical-Branche, die kaum ein Thema auslässt, wurde aufmerksam. Die prominente Sängerin Deborah Sasson komponierte die eingängige, wenn auch nicht gerade abwechslungsreiche Musik, das Libretto und die Liedtexte schrieb Jochen Sautter, der auch Regie führte in der Produktion, die am Freitagabend im Pyrmonter Konzerthaus über die Bühne ging.

Der Aufführung sieht und hört man mit gemischten Gefühlen zu. Es gibt in der Begegnung des kleinen Prinzen mit der vernünftigen, materiellen Welt der Erdenmenschen und mit den tierischen Wesen unseres Planeten vor allem im zweiten Teil durchaus romantische, witzige, wehmütige Momente. Sie sind choreografisch ansprechend inszeniert und fantasievoll ausgestattet. Aber immer wieder wird die Handlung unnötig überfrachtet von einer aufwendigen Video-Animation auf einer riesigen Leinwand im Hintergrund. Das macht sich für die Weite des Sternenhimmels und der Wüste zwar gut, aber ansonsten passt es nicht wirklich zu dem Stoff. Und wenn die Aufführung so etwas braucht, um zu wirken, warum dann ein Musical – statt eines intimeren Rahmens?

Hinzu kommt, dass die Hauptdarstellerin Isabel Waltsgott als kleiner Prinz ziemlich blass bleibt. Die zierliche Musical-Darstellerin ist zweifellos niedlich anzusehen. Der darstellerisch und stimmlich fehlt der Zweitbesetzung der Produktion die nötige Ausstrahlung.

Johanna Mucha als Fuchs, Nicole Ciroth als Schlange und Christina Schulz als Rose machen ihre Sache gut, während Benoit Pitre als Pilot etwas zu gefühlsbetont agiert. Ari Gosch ist ein überzeugender Geograf und König. Da die Band vor der Bühne sitzt, lässt sich die Professionalität der Musiker gut beobachten.

Zunächst will der Funke auf das Publikum nicht überspringen, der Szenenbeifall bleibt verhalten. Immerhin: Am Ende bezeugen die Zuschauer mit lebhaftem Applaus, dass es ihnen gefallen hat.

Hauptdarstellerin Isabel Waltsgott bleibt als kleiner Prinz ziemlich blass.

Foto: Hei



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