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Nur fünf in Niedersachsen: Spitzenverbände bescheinigen Adipositasschulung eine hohe Qualität

Programm für dicke Kinder nimmt hohe Hürde

Bad Pyrmont (uk). „Das tut den Kindern und dem Staatsbad gut!“ Prof. Dr. Wolf-Rainer Cario bringt es auf den Punkt. Seit zwei Jahren kümmert sich das Staatsbad gemeinsam mit dem Kinderarzt um übergewichtige Kinder (und um diejenigen, die es möglicherweise werden) und macht dabei auch wirtschaftlich eine gute Figur. 100 000 Euro Umsatz jährlich und die Sicherung von zwei Arbeitsplätzen kann Kurdirektor Heinz-Hermann Blome als Geschäftsführer des Staatsbades damit verbuchen. Jetzt ist das Staatsbad von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) und der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) als ambulantes Therapiezentrum zertifiziert worden.

veröffentlicht am 11.11.2010 um 16:26 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 00:21 Uhr

Projektleiter Carsten Detering (li.) und der Kinderarzt Prof. Dr
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Selbstverständlich ist das nicht. „Die Hürden sind außerordentlich hoch“, macht Prof. Cario deutlich. Doch das Adipositasschulungsprogramm „Gesunde Jugend im Weserbergland“ hat es geschafft. Laut Zertifizierungskommission erfüllt die Therapieeinrichtung alle Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualitätskriterien, auf die sich die Spitzenverbände der Krankenkassen, das Bundesgesundheitsministerium und die AGA vor sechs Jahren geeinigt haben. „Unser Ziel ist es, von den Krankenkassen eine generelle Kostenerstattungszusage für alle Patienten zu bekommen“, macht Staatsbad-Therapieleiter Werner Streicher deutlich. Denn bislang musste für jedes einzelne der gut 80 Kinder im Alter von 8 bis 16 Jahren, die das Schulungsprogramm seit 2008 durchlaufen haben, eine individuelle Kostenübernahme vereinbart werden.

Den Krankenkassen geht es in erster Linie um den wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit. Prof. Cario, aus dessen Praxis die 80 Kinder stammen, hat keinen Zweifel, diesen Nachweis führen zu können. Zwei Drittel der Kinder habe man erfolgreich geschult, bei einem Drittel sogar sehr erfolgreich, berichtet er. „Bei einem Drittel der Kinder spielen andere Gründe für ihr Übergewicht eine Rolle, die wir nicht beeinflussen können.“

Für den Kinderarzt hat die ambulante gegenüber der stationären Schulung den Vorteil, dass sie eine Langzeitmethode ist. Ein Jahr dauert das Schulungsprogramm, dem sich eine einjährige Nachbeobachtung anschließt. „Die Kinder lernen, dass sie mit Ausdauer etwas erreichen“, betont Cario den pädagogischen Ansatz. Doch neben dem Wissen über Ernährung geht es auch um Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit. Das sind Eigenschaften, die messbar und darum auch vergleichbar sind. „Das tun wir vorher und nachher“, berichtet der Projektleiter des Schulungsprogramms, Carsten Detering. Der Sport-Wissenschaftler begleitet die Kinder gemeinsam mit einem Team aus Sportlehrern, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten und Ernährungsberatern. „Die Bewegungstherapie sowie Theorie und Praxis in den Bereichen Psychologie und Ernährung stellen die Hauptbestandteile dar“, so Detering, der sich auch darum bemüht, die Kinder für eine Sportart in einem Verein zu begeistern.

Das Staatsbad ist nach dem Gesellschaftervertrag des Landes zwar der Gesundheit der Niedersachsen verpflichtet und widmen sich dieser speziellen Aufgabe laut Blome mit einigem Herzblut, doch gibt es auch betriebswirtschaftliche Gründe für dieses Engagement, denn mit der Erschließung neuer Märkte will das Staatsbad versuchen, den Rückgang bei den ambulanten Badekuren auszugleichen. „Wir haben das Personal und wir haben die Therapieeinrichtungen“, so der Kurdirektor. Die hätten andere Orte wohl auch, doch bislang ist Bad Pyrmont in Niedersachsen der einzige Kurort, der eine ambulante zertifizierte Adipositaseinrichtung für Kinder und Jugendliche unterhält. In ganz Deutschland und Österreich sind es laut Prof. Cario zurzeit 42, in Niedersachsen fünf. Geht es nach den Pyrmontern, wird sich das ändern. Geschäftspartner sollen das Schulungsprogramm auch in anderen Orten nutzen können, denn übergewichtige Kinder gibt es nicht nur in Bad Pyrmont. Doch einfach ist das nicht, lässt Blome wissen. „Mal fehlt ein Schwimmbad, mal ein Psychologe“, macht er die praktischen Probleme deutlich. „Aber wir arbeiten dran.“

Weitere Informationen zu dem Schulungsprogramm erhalten interessierte Familien beim Staatsbad Pyrmont unter der Telefonnummer 05281/15-1515.



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