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„Parkpalais“ vs. Denkmalschutz

Pranger zwischen Häusern ist weg – und das Bauprojekt ruht

BAD PYRMONT. Still ruht der Altenauplatz. Könnte man meinen. Aber etwas ist anders: Die Schandtafel zwischen den Häusern 2 und 3 mit der Bürger-Eingabe ist weg. Warum der Eigentümer der beiden historischen Pensionshäuser „Kurhaus am Park“ und „Haus Rieth“ die im Mai 2016 aufgestellte Tafel demontieren ließ:

veröffentlicht am 27.01.2017 um 19:04 Uhr
aktualisiert am 27.01.2017 um 19:40 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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„Das Schild haben jetzt alle gesehen“, sagt der Lügder Möbel-Großhändler Dieter Hilpert auf Anfrage. „Das macht keinen Sinn mehr.“ Außerdem betrachte er die Kritik der Bürger nun nicht mehr als zentrale Bremse für sein Bauprojekt. Gebremst sieht er das „Parkpalais“ nun eher von den Behörden, wie er sagt. Denn plötzlich mache der Denkmalschutz wieder Vorgaben, die er längst als erledigt betrachtet habe. „Nun heißt es, die Bäume müssen bleiben, oder an derselben Stelle müssen neue gepflanzt werden, der Bürgersteig muss bleiben, wo er ist und wir sollen kleinräumiger bauen“, zählt er auf.

Fakt ist: Das Altenauplatz-Ensemble steht als „denkmalwerte Gruppe baulicher Anlagen“ seit 1988 unter Schutz. Die Bäume stehen zwar auf Privatgrund, denn auch der Gehweg gehört zu den Grundstücken 2 und 3. Zugleich aber ist der Bürgersteig Teil des öffentlichen Raums und des denkmalgeschützten Platzes, der nicht erheblich beeinträchtigt werden sollte.

Im Pyrmonter Rathaus hält sich Baudezernent Matthäus Schmidt auf Anfrage mit einer Auskunft zurück. „Das Verfahren läuft“, sagt er. „Wir sind dabei, diese Punkte zu klären.“

Im Landesamt für Denkmalpflege erklärt dessen stellvertretender Leiter Dr. Reiner Zittlau auf Anfrage grundsätzlich: „Es geht darum, mit Baudenkmalen so umzugehen, dass sie nicht beeinträchtigt werden.“ Wenn von der Denkmalpflege vor Ort eine Entscheidung getroffen werde, dann auf Basis des Denkmalschutzgesetzes.

Seine Kompromissbereitschaft sieht Dieter Hilpert von dessen Vorgaben deutlich überstrapaziert. „Ich bin nicht bereit, wieder bei Null anzufangen“, betont er. „Da steckt schon jetzt ein sechsstelliger Betrag an Planungskosten drin.“ Aus seiner Sicht ruhe das Projekt deshalb derzeit „ganz tief im Keller“. Auch, weil ihn der Neubau einer Möbel-Ausstellungshalle in Lügde genug fordere.

Hilperts Einschätzung nach hat die im Pyrmonter Rathaus angesiedelte Untere Denkmalschutzbehörde die Stellungnahme aus dem Landesamt für Denkmalpflege in Hannover zwar zu berücksichtigen. Die Entscheidung könnten die Pyrmonter aber selbst treffen. Von der Abwägung der Bedenken durch Stadtverwaltung und Politik erwartet er: „Die müssten sagen: ,Wir setzen uns darüber hinweg‘.“ Denn eigentlich sei es nach wie vor seine feste Absicht, am Altenauplatz zu bauen und dort auch einzuziehen. „Aber ich will bauen, was ich mir vorgestellt habe.“ Zumal er schon erhebliche Abstriche gemacht habe. „Zwischen der ersten Planung und heute liegen Welten“, betont Hilpert. Ursprünglich hätten etwa die Türmchen viel schöner werden sollen. „Mit polnischem Stuck.“

Schon vor zwei Jahren habe er in Gesprächen mit dem Landesamt für Denkmalpflege den Kompromiss erzielt, der später in den städtebaulichen Vertrag eingeflossen sei, sagt Hilpert. „Dass dieser Kompromiss nun plötzlich nichts mehr Wert sein solle, nehme er nicht hin. „Auf der Zusage aus dem Amt habe ich meine ganze Planung aufgebaut.“

Zur Erinnerung: Die ursprüngliche Planung für das große „Palais“ anstelle der beiden alten Pensionshäuser war außerhalb der Politik nicht nur auf Begeisterung gestoßen. Dass 40 Pyrmonter vor einem Jahr eine kritische Stellungnahme an den Bürgermeister zu den Ausmaßen des Vorhabens und der zunächst avisierten Bautiefe im Heilquellenschutzgebiet unterschrieben hatten, ärgerte Hilpert so sehr, dass er das Schreiben, quasi als Pranger, plakatieren ließ. „Von Pyrmonter Bürgern verhindert“ stand darüber. Der Brief war im Zuge der Bürgerbeteiligung im Rahmen der Bauleitplanung im Pyrmonter Rathaus eingegangen.

Der Pranger wurde Stadtgespräch: Die einen empörten sich mit Hilpert über die Bedenken der Unterzeichner angesichts seines ehrgeizigen Bauprojekts. Andere zeigten sich erbost von der als unzutreffend und verunglimpfend betrachteten Schuldzuweisung des Eigentümers, aber auch vom lockeren Umgang der Stadt mit dem Datenschutz. Denn als Hilpert in den Besitz des Schreibens gelangte, hatte er den städtebaulichen Vertrag mit der Stadt noch nicht unterzeichnet.

Seine Unterschrift darunter würde nun für ihn auch keinen Sinn mehr ergeben, „weil der Vertrag keine Basis mehr hat“, sagt Hilpert heute. Denn die Umgestaltung der Verkehrsführung und des Platzes, über deren Finanzierung er und die Stadt uneins waren, sei nun gar nicht mehr gewollt. „Dabei kommt doch das Prachtgebäude nur zur Geltung, wenn auch der Platz davor richtig gut aussieht“, ist der Kastenmöbel-Importeur überzeugt.

Von einer größeren Tiefgarage unterm Palais habe er sich übrigens verabschiedet. „Das wäre sehr, sehr teuer geworden“, sagt er rückblickend. „Deshalb haben wir gesagt, die Garage machen wir kleiner und legen noch Parkplätze im hinteren Bereich des Grundstücks an.“



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