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Nachdenken über Alternativen – in Absprache mit Denkmalpflege

Pilz bedroht Buchsbäume im Kurpark

BAD PYRMONT. Ein Pilz, der die Gartenbesitzer verzweifeln lässt, stellt auch den Bad Pyrmonter Kurpark vor ein Problem. Das Übel hat mit Cylindrocladium buxicola einen komplizierten Namen, die Schäden sind aber auf den ersten Blick zu erkennen. Erst verfärben sich die Triebe an den Buchsbäumen, bevor sie absterben. Ein wirksames Gegenmittel gibt es nicht.

veröffentlicht am 21.06.2017 um 16:38 Uhr

Buchsbaumhecken gelten im Palmengarten als architektonisches Element. Doch die Schäden, die Gärtnermeister Michael Mäkler zeigt, sind unübersehbar. Die Hälfte der Buchsbäume musste bereits gerodet werden. Foto: cb
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Gegenmittel für das Buchsbaumtriebsterben? Gärtnermeister Michael Mäkler, für die Parkpflege verantwortlich, schüttelt den Kopf. „Nicht wirklich“, beruft er sich auf die gängige Fachmeinung. Sobald der Pilz die Pflanze befallen habe, sei es eigentlich zu spät: „Die Krankheit führt zum Exitus.“ Rund die Hälfte der aus Buchsbäumen bestehenden Beeteinfassungen im Palmengarten sei bereits gerodet worden. Und die andere Hälfte von insgesamt rund 500 Metern? Eine Frage der Zeit.

Diese schwerwiegende Erkrankung sei in Deutschland im Jahre 2004 erstmals dokumentiert worden und habe inzwischen „immense Bedeutung erlangt“, heißt es dazu sogar von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Sowohl in Baumschulen als auch in privaten und öffentlichen Gartenanlagen, in Parks und auf Friedhöfen trete diese „Erkrankung in teilweise verheerendem Ausmaß auf“, warnt die Kammer. Was für stolze Gartenbesitzer zwar teils bitter, aber von den Folgen her überschaubar ist, verändert wesentlich das Bild von renommierten Parkanlagen. „Aus einigen historischen Gärten in Deutschland und Österreich ist der Buchsbaum inzwischen schon verschwunden“ – so hieß es unlängst im Magazin der Herrenhäuser Gärten. Dort gelten die immergrünen, vielseitig formbaren Schnittgehölze in Ornamenten als Blickfang.

„Bei uns zum Glück nur als Beeteinfassung“, sagt Bad Pyrmonts Gärtnermeister über den erst 2003 neu angelegten Palmengarten. Einfach nur Buchsbäume nachpflanzen? Keine Lösung, sagt Mäkler. Noch klaffen Lücken an den Rändern der Blumenbeete, Reste der Buchsbäume ließen die Parkpfleger trotz optischer Einbußen stehen. „So lange, bis wir eine Alternative haben“, meint er.

Und die müsse in dem Kurpark als Gartenbaudenkmal wohlüberlegt sein. In der ursprünglich als französischer Garten geplanten Anlage kommt den Buchsbäumen ein architektonisches Element zu. Das Landesamt für Denkmalpflege behält sich eine Mitsprache vor. Und: „Jeder Schaden löst viele Mechanismen aus“, sagt Mäkler. Schnell müssten dann mit Blick auf die Zukunft nicht nur die Wegeeinfassungen, Hecken oder Brunnentechnik berücksichtigt werden, sondern ebenso die Pflege der Pflanzen vom Schnitt bis zur Bewässerung.

Auch Hobbygärtner sollten über andere Pflanzen nachdenken.

Michael Mäkler, Leiter Parkpflege, Staatsbad

Der Buchsbaum hat ausgedient. Das glaubt nicht nur der Gärtnermeister, sondern gilt gleichzeitig als gängige Meinung der meisten Experten. In Absprache mit den Gartendenkmalpflegern werde über Alternativen im Kurpark nachgedacht. Drei Versuchspflanzen seien im Gespräch. Dazu zählten die Böschungsmyrthe, zwar anspruchslos, die aber häufiger geschnitten werden müsste, oder die Zwerg-Stechpalmen, die hingegen bestimmte Böden benötigten.

Dass auch ein historischer Kurpark sich im steten Wandel befindet, macht Mäkler in einem anderen Bereich des Palmengartens deutlich. Dort haben die Mitarbeiter eine Zypressen-Allee neu angelegt. Vorher wuchs dort Wacholder – bis auch dieser von einem Pilz befallen wurde.

Und so rät der heimische Experte den privaten Gartenbesitzern zu Gelassenheit und Flexibilität. „Sie sollten lieber über andere Pflanzen nachdenken“, lautet seine Empfehlung.

Mit chemischen Mitteln sollten sie schon gar nicht experimentieren. „Sie richten mehr Schaden an“, warnt er. Rose, Rhododendron, Buchsbaum – das sei für viele der Inbegriff des Gartens. Beispielsweise der Rhododendron, auch im Kurpark sehr bewundert, dürfe nicht fehlen, obwohl „er sehr spezielle Ansprüche hat“ und einen hohen Aufwand erfordere. Dabei gebe es Zehntausende Alternativen. Mäkler, dessen privater Garten übrigens von seiner Frau als kindgerechte Anlage („Da wächst die Kartoffel direkt neben dem Klatschmohn“) gehegt wird, empfiehlt Freude statt Frust: „Lieber nach Pflanzen suchen, die mich glücklich machen.“

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