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Verurteilter Pyrmonter beantragt Revision beim Bundesgerichtshof

Pillenmafia-Urteil: Warten auf den BGH

veröffentlicht am 05.10.2016 um 21:20 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:08 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Über die Gründe für den Revisionsantrag wollte der Hamburger Wahlverteidiger des aus St. Petersburg (damals noch Leningrad) stammenden Pyrmonters am Mittwoch telefonisch keine Auskunft geben.

Beim Bundesgerichtshof (BGH) ist die Akte allerdings noch nicht eingegangen. Von dort hieß es auf Anfrage, sie liege vermutlich noch beim Generalbundesanwalt. Etwas Zeit ist allerdings noch: Eine Revisionsentscheidung kann bis zu einem Jahr nach der Urteilsbegründung gefällt werden.

Der Einschätzung der Ermittler, wonach dem Endzwanziger keine Schlüsselrolle in der Bande zuviel, teilte später auch das dortige Landgericht Essen: Der 27-Jährige wurde im Mai dieses Jahres wegen Beihilfe zum Handeltreiben mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln unter Verstoß gegen die Apothekenpflicht zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Laut Gericht betreute er als „Junior-Webmaster“ die Internet-Auftritte der Pillenmafia-Bande. Die soll über zahlreiche, augenscheinlich deutsche Shops wie „Potenzpharma“ oder „Potenz-Shops“ Schlankheits- und Potenzpillen, aber auch Antibiotika, Schmerz- und Schlaftabletten sowie Antidepressiva und Beruhigungsmittel verkauft haben. Das Geschäft mit den vorwiegend aus Indien stammenden Medikamente lief blendend. Schätzungen zufolge flossen in guten Monaten mehrere Hunderttausend Euro auf 25 Konten der Täter. Ob durch die Einnahme jemand zu Schaden kam, ist nicht bekannt.

Die Drahtzieher, ein Duisburger (43) und ein Niederländer mit indischen Wurzeln (35), wurden zu je fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Ein Gelsenkirchener (32) bekam zwei Jahre und neun Monate. Die drei Männer sitzen ihre Strafen ab. Der Pyrmonter sowie zwei weitere Männer warten derweil auf die Revisionsentscheidung.

Hochgegangen war die Gruppe bereits vor rund einem Jahr nach monatelangen Recherchen der Fahnder. Was die Ermittlungskommission „Cobra“ bei ihrer Razzia von 16 Häusern, Wohnungen und Garagen – die meisten im Ruhrgebiet, aber auch zwei in Bad Pyrmont – entdeckte, nannten die Fahnder seinerzeit einen „Paukenschlag gegen die organisierte Arzneimittelkriminalität“ (wir berichteten). Mit den Pillen-Funden – Schwarzmarktwert: rund 14 Millionen Euro – gelang dem Zoll „die größte bekannte Sicherstellung von illegalen Arzneimitteln, die es bisher in Deutschland gab“. Bei dem Pyrmonter wurden damals nach Auskunft der Essener Zollfahnder IT-Technik und Unterlagen sichergestellt. Er blieb nach der Durchsuchung auf freiem Fuß.

Wie der 27-Jährige heute sein Geld verdient, ist nicht bekannt. In einem Internet-Business-Netzwerk findet sich unter seinem Namen ein Profil als „Unternehmensberater“. Ein Handelsregister-Eintrag des Ein-Mann-Betriebs existiert jedoch nicht.

Übrigens: Das Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum (Euipo) hat gerade berechnet: Durch den illegalen Pillenhandel entgeht der Pharmaindustrie in Deutschland rund eine Milliarde Euro Jahresumsatz. Das sind 2,9 Prozent des Gesamtumsatzes aller rechtmäßig verkauften Arzneimittel. Etwa 7000 Jobs gehen dadurch unmittelbar verloren. Europaweit laufen Verluste von rund 10,2 Milliarden Euro pro Jahr auf. Das entspricht etwa 4,4 Prozent des EU-Umsatzes der Branche.



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